Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel ist beim Thema Trinkpausen während der Fußball-WM hin- und hergerissen. "Es unterbricht und verändert den Rhythmus des Spiels mehr, als ich gedacht habe", sagte Tuchel angesprochen auf die bei den Fans umstrittenen Unterbrechungen in der Mitte beider Halbzeiten. "Es unterteilt das Spiel quasi in vier Viertel, das verändert schon den Charakter eines Fußballspiels", sagte der Coach der Three Lions in Boston vor dem England-Spiel gegen Ghana an diesem Dienstag (22 Uhr MEZ).
Als Trainer möge er die Unterbrechungen, "weil ich Einfluss nehmen kann", sagte Tuchel. "Aber als Liebhaber des Fußballs fände ich es besser, wenn durchgespielt wird." Aus Gründen der Fairness ergebe es aber durchaus Sinn, es bei allen Spielen gleich zu machen - auch wenn für das Spiel England gegen Ghana in Boston am Dienstag 20 Grad und Regen angesagt sind.
"Mussten uns einiges anhören von Thomas Tuchel"

Der Spielrhythmus leidet
"Insgesamt finde ich Fußball aber besser, wenn er in einer durchgehenden Halbzeit gespielt wird, weil dadurch Momentum entsteht. Das gehört zum Spiel dazu", erklärte der Schwabe. "Es ist schwer, Momentum aufzubauen, und es ist schwer, dieses aufrechtzuerhalten, wenn es Pausen gibt. Wenn es keine Pausen gibt, ist es genau wie der Kampf auf dem Platz zwischen den Spielern und den Mannschaften. Er spielt sich über einen längeren Zeitraum ab. Das trägt einfach zum Charakter dieses schönen Spiels bei."
Eine klarere Meinung haben die meisten Zuschauer der WM-Spiele. Buhrufe und Pfiffe für die Trink-Unterbrechungen sind inzwischen zum festen Ritual geworden. Die "Hydration Breaks" hat die FIFA unabhängig von der Temperatur vorgeschrieben. Auch bei Spielern hatten die Pausen, die in den TV-Übertragungen oft mit Werbeeinblendungen gefüllt werden, bereits für Unmut gesorgt. "Die Werbepausen sind etwas, das ich nicht mag. Ich glaube, das ist auch für den neutralen Zuschauer nicht besonders angenehm", hatte der niederländische Kapitän Virgil van Dijk kritisiert.

