132 Minuten Pause

Wetter-Chaos sorgt für ungemütlichen WM-Rekord

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23.06.2026 | 05:38 Uhr
Frankreich schreibt gemeinsam mit dem Irak WM-Geschichte. Allerdings wird in dem gemeinsamen Duell ein Rekord produziert, auf den beide wohl gerne verzichtet hätten.

Es hatte sich angekündigt: Das WM-Duell von Top-Favorit Frankreich gegen Außenseiter Irak (3:0) wird zur nassen Geduldsprobe. Nachdem schon tagsüber wilde Wetterkapriolen für den Spielort Philadelphia vorhergesagt wurden, öffnete der Himmel kurz vor dem Ende der ersten Hälfte die Pforten. Während sich die Stars um Torjäger Kylian Mbappé, der Frankreich 1:0 in Führung gebracht hatte, durchnässt in die Kabine retteten, wurden die knapp 70.000 Fans im unüberdachten Stadion aufgefordert, sich Schutz im Stadioninneren zu suchen - weil "sich ein heftiges Gewitter nähert".

Zunächst wurde die Pause um 15 Minuten auf eine halbe Stunde verlängert. Was da noch niemand ahnte: Am Ende sollte es vom Anstoß an beinahe vier Stunden dauern, bis der kanadische Schiedsrichter Drew Fischer das Spiel abpfeifen konnte. Dank der Wassermassen, des Donners und der Blitze, die zwischenzeitlich in der Nähe des Lincoln Financial Fields zucken, wird in Philadelphia WM-Geschichte geschrieben: Nie dauerte ein Spiel bei einer Weltmeisterschaft so lange. Die Halbzeitpause dauerte statt der üblichen 15 Minuten satte 132 Minuten.

Während die durchnässten Zuschauer lange in den Umläufen und in Innenräumen des Stadions Schutz suchten und fanden und sich teilweise eine Campingplatzatmosphäre im Bauch des gewaltigen Stadions entwickelte, mussten die Spieler die Spannung halten, erst rund 100 Minuten nach dem Halbzeitpfiff durften sie für ein zweites Aufwärmprogramm zurück auf den Platz. Die meisten Zuschauer waren da schon wieder auf die Tribünen zurückgekehrt. Und mussten dann doch noch länger auf die Profis warten. Der Wiederanpfiff verschob sich immer weiter nach hinten.

"Es ist, wie es ist"

"Mental war es sehr anstrengend, da wir konzentriert und fokussiert bleiben mussten. Zwei Stunden in der Kabine zu verbringen, erfordert viel Kraft", berichtete der spätere Doppel-Torschütze Kylian Mbappé. Sein Trainer wollte aus der historischen Situation aber nichts Großes machen: "Es ist eine Frage der Sicherheit. Es ist, wie es ist. Man kann nicht gegen Regen und Gewitter ankämpfen. Wenn es ein Risiko gibt, muss man sich an die lokalen Gesetze halten. Ich passe mich an. Das nervt mich nicht", sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps nach dem Erfolg, mit dem seine Mannschaft das Ticket für das Sechzehntelfinale vorzeitig löste: "Ich hatte tatsächlich eine gute Zeit mit den Spielern, wir haben Scherze gemacht."

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Es gelten strikte Regeln für solche Fälle. Sobald ein Blitzeinschlag in einem Umkreis von 13 Kilometern (8 Meilen) um das Stadion registriert wird, müssen Tribünen und Freiflächen sofort geräumt werden. Nach dem letzten registrierten Blitz gilt eine strikte Zwangspause von 30 Minuten. Schlägt in dieser Zeit erneut ein Blitz ein, beginnt der Countdown wieder von vorne.

Während sich das Gewitter zügig vom Stadion entfernte, setzte zwischendurch immer wieder Regen ein. Als die Spieler zum Aufwärmen nach der verlängerten Halbzeit auf den Rasen zurückkehrten, regnete es wieder sintflutartig, auf dem Feld hatten sich teils größere Pfützen gebildet. Das Spiel konnte dann aber doch noch unter regulären Bedingungen zu Ende gebracht werden.

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Ein Novum und kein Rekord

Die ewige Unterbrechung sorgte dann noch für ein weiteres Novum bei dieser WM: In der zweiten Hälfte fiel die bislang obligatorische Trinkpause aus. Das hatte es bei diesem Turnier noch nicht gegeben, egal, ob die Spiele unter der mexikanischen Mittagssonne angepfiffen wurden oder in heruntergekühlten und überdachten Stadien stattfanden. Die Trinkpause fiel auch ins Wasser, weil die Rechtfertigung der FIFA für diese, die Chancengleichheit für alle Teams, bei dieser Wasserschlacht längst weggefallen war. Die extremen Bedingungen hatten das Spiel einzigartig werden lassen.

Vom Rekord des Spiels mit der längsten Spielzeit in der WM-Geschichte (ohne Verlängerung) ist die Wasserparty von Philadelphia allerdings meilenweit entfernt: Bei der WM in Katar 2022 hatte Schiedsrichter Raphael Claus bei der Begegnung Englands gegen den Iran (6:2) in der ersten Halbzeit 14 Minuten nachspielen lassen, in der zweiten Halbzeit gab es auch aufgrund des Torhagels noch einmal 13 Minuten obendrauf.

Verwendete Quellen: ntv.de, ter