"Rache bringt nichts"

Als Rudi Gutendorf Feinde vom Töten abhielt

124322566
Rudi Gutendorf wurde 93 Jahre alt. (Foto: picture alliance / SvenSimon)
00:00 / 03:05
30.08.2026 | 15:22 Uhr
Er ist einer der Großen des Fußballs - und ein echter Weltenbummler: Rudi Gutendorf hat in seiner Trainer-Karriere alles erlebt. 55 Stationen auf 5 Kontinenten bringen ihm sogar den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. An diesem Sonntag wäre er 100 Jahre alt geworden.

Rudi Gutendorf trank Whisky mit Salvador Allende, versöhnte im Bürgerkrieg von Botswana. Er besiegte mit Nepal das große Indien, wurde im Iran als Ungläubiger gefeuert und bei Pinochets Putsch in Chile angeschossen. Doch sein Zuhause, das betonte der Weltenbummler zeit seines Lebens, war immer Koblenz-Neuendorf. Dort also, wo heute der Rudi-Gutendorf-Weg an den wilden Hund erinnert, der am Sonntag 100 Jahre alt geworden wäre.

Seine 55 Trainer-Stationen auf fünf Kontinenten brachten Gutendorf ins Guinness-Buch der Rekorde und später das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Doch richtig stolz machten Gutendorf, der am 13. September 2019 im Alter von 93 Jahren starb, seine verrückten Erlebnisse "in den dunkelsten Ecken der Erde", wie er es einmal erzählte.

In Ruanda etwa, seiner vorletzten Station, erlebte Gutendorf 2002 Bürgerkrieg und Völkermord hautnah. "Tutsi und Hutu haben sich gegenseitig den Hals abgeschnitten. Ich habe sie am Lagerfeuer zumindest ein wenig überzeugt, dass Rache nichts bringt", erzählte "Riegel-Rudi", dem ein Sieg gegen das übermächtige Kenia half: "Ein Hutu hat geflankt, ein Tutsi ins Tor geköpft. Der gemeinsame Torjubel danach war der größte Erfolg meiner Karriere. Viel wichtiger, als mit Schalke ins Europapokal-Halbfinale einzuziehen."

Er entdeckte Anthony Yeboah

In 28 Ländern saß der Weltenbummler auf der Trainerbank, darunter mit Fidschi, Tonga und Samoa bei drei Nationalteams aus der Südsee. In Chile musste er wegen seiner Freundschaft zu Ex-Präsident Allende fliehen und wurde dabei angeschossen. Es blieb eine Narbe an der Unterlippe. In Australien wurde er Sportler des Jahres, in Ghana entdeckte er einen talentierten 18-Jährigen namens Anthony Yeboah.

479770108
Rudi Gutendorf gilt als der Trainer mit den meisten internationalen Engagements und steht als solcher auch im Guinness-Buch der Rekorde. (Foto: picture alliance / HJS-Sportfotos)

Und dann erfand Rudi Gutendorf natürlich noch den berühmten "Riegel" - jene deutsche Version des Catenaccio, mit der er den MSV Duisburg 1965 auf Platz zwei der Bundesliga führte. "Ich hatte Angst, dass wir direkt absteigen würden und daher gemauert. Vorne ein Stürmer, die anderen zurück - so sind wir Vizemeister geworden", sagte Gutendorf über die Defensiv-Taktik, auf die er bis zuletzt schwor.

Einen wie Rudi Gutendorf wird es wohl in der Fußball-Welt nie wieder geben. Angefangen hat alles am 30. August 1926 in Koblenz, vor 100 Jahren. Dort, am Rheinufer, lernte er das Fußballspielen. Und genau dort verläuft auch der ehemalige Trampelpfad, der heute als Rudi-Gutendorf-Weg an den Wanderer über fünf Kontinente erinnert.

Verwendete Quellen: ntv.de, ara/sid