Harry Kane knackte wieder mal einen Rekord, Jamal Musiala spielte gegen Union Berlin erstmals in dieser Saison durch und erzielte einen sehenswerten Treffer. Der überragende Mann des Freitagabends allerdings war Michael Olise.
Wieder einmal. Der Franzose ist in bestechender Frühform. Völlig verdient holte er nach dem 7:0-Schützenfest und "Wiesn-Anstich" gegen Union Berlin die Auszeichnung als "Spieler des Spiels" ab. Der Franzose glänzte als Vorbereiter und dreifacher Torschütze - eine Premiere für Olise im Bayern-Trikot.
"Klar, Michael Olise macht diese Tore, aber er hat auch im Training sehr, sehr viel an diesen Abschlüssen gearbeitet. Auch die Topspieler brauchen mehr als nur Talent. Es steckt harte Arbeit dahinter", hob Trainer Vincent Kompany hervor und erklärte die glänzende Form seiner Offensiv-Fachkraft. In sieben Pflichtspielen der frühen Saisons steht Olise schon bei 14 Scorern: acht Tore und vier Assists sind verbucht.

Kane bricht Rekord und weiß von nichts
"Er hat die Saison unglaublich begonnen. Er war toll letztes Jahr. Er hatte eine großartige WM. Und er macht da weiter", lobte ihn auch Offensiv-Kollege Kane. "Seine Mentalität ist, immer besser zu werden. Sein Level geht immer weiter nach oben. Es war schön, sein Lächeln im Gesicht nach seinem ersten Hattrick zu sehen", sagte Kane weiter und schickt eine Prognose hinterher: "Er könnte irgendwann der beste Spieler der Welt werden." Bayerns Sportvorstand Eberl sieht das ähnlich. "Er gehört definitiv zu den besten Fußballern der Welt."
In der Kabine ein "ganz anderer"
Zu den lautesten gehört er definitiv nicht. Olise ist kein Mann der vielen Worte. Mitunter wird ihm das auch kritisch ausgelegt. So wie jüngst nach dem Champions-League-Erfolg gegen Bodö/Glimt. Auch in der Königsklasse bekam er nach dem 5:0 und zwei Traumtoren den Spieler-des-Spiel-Award und wurde zum Interview gebeten. Die Fragen beantworte der 24-Jährige ziemlich einsilbig, nach einer Minute war der Austausch auch wieder beendet. Das wirkte etwas kurios. Sportvorstand Eberl eilte zur Verteidigung seines Spielers. "In Social Media, Tiktok und wie das alles heißt, wird er gefeiert, weil die Leute sagen: Das ist ein Fußballer, der soll Fußball spielen, der soll Spaß haben", sagte Eberl. "Und die Kiddies und die Jugendlichen können sich damit ein Stück weit mehr identifizieren als vielleicht wir."
Bislang tritt Olise in München nicht als extrovertiertes Emotionsbiest auf, er ist auch kein zweiter Thomas Müller. Das muss er aber auch gar nicht sein. Auf dem Platz ist er einer der wichtigsten Akteure, ein Unterschiedsspieler. Aufm Platz ist dann doch entscheidender als am Mikro.
Und verbiegen wollen sie ihn in München nicht. Zudem die Teamkollegen allesamt vom tollen Charakter des Franzosen schwärmen. Trainer Kompany lobt das "Gesamtpaket". "Er hat so einen guten Charakter. Ich weiß, dass nicht jeder seine wirkliche Persönlichkeit zu sehen bekommt, aber jeder hat seinen eigenen Weg, mit Fußball und allem anderen abseits des Rasens umzugehen", sagte Kane. In der Kabine sei er "auf jeden Fall ein ganz anderer".
Genau dort, in der Kabine, soll er nach dem Union-Spiel sogar eine kleine Rede gehalten haben. Wenig überraschend: Laut Rekordmann Kane war sie ziemlich kurz.


