Fußball

Denkt Rummenigge jetzt um? DFB-Boss ohne Skandale dringend gesucht!

Der Deutsche Fußball-Bund muss sich neu aufstellen. Wieder wird nach der Rücktrittsankündigung von Fritz Keller ein Präsident gesucht. Eine auf der Hand liegende Nachfolgelösung gibt es zumindest noch nicht. Bedeutend wird zudem sein, ob der Streit zwischen den Amateuren und dem Profilager beigelegt werden kann. Der Verband habe die "Weichen für eine Neuaufstellung des DFB" gestellt, hieß es am Dienstagabend. Der Weg ist weit - der nächste Ordentliche Bundestag soll voraussichtlich Anfang 2022 abgehalten werden.

Was war nochmal der Grund für Kellers Abgang? Keller, der sich durch seinen Nazi-Vergleich selbst ins Abseits gestellt hatte, hat laut DFB-Mitteilung "seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt", am kommenden Montag sein Amt zur Verfügung zu stellen. Der 64-Jährige folgt damit auf Reinhard Grindel und Wolfgang Niersbach, die ebenfalls wegen Fehltritten zurückgetreten waren. Keller als Grindel-Nachfolger war im September 2019 als große Lösung gefeiert worden - im April 2021 folgte eine folgenschwere Aussage. Keller bezeichnete während einer Präsidiumssitzung seinen Vizepräsidenten Rainer Koch, abseits der DFB-Karriere als Berufsrichter tätig, als "Freisler" und verglich ihn so mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus.

Und wer macht's jetzt? Lothar Matthäus hatte bereits in der vergangenen Woche Karl-Heinz Rummenigge als möglichen Nachfolger genannt, auch im Zusammenspiel mit Rudi Völler. Doch der mächtige Bayern-Boss hatte bereits abgewunken. "Ich suche nicht einen Job, der einer Harakiri-Aktion gleichkommt", erklärte er am vergangenen Samstag bei Sky. Auch der Name von Philipp Lahm, Organisationschef der Münchner EM-Spiele und des Heim-Turniers 2024, dürfte nun genannt werden. Interesse bekundet hatte zuletzt die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk. Sie stehe bereit, "mit einem Team von unabhängigen Personen den DFB in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Dann kann man einen DFB-Präsidenten wählen", sagte die langjährige Sportfunktionärin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch die Amateursportvertreterin Ute Groth, die zum Wahlkampf gegen Grindel nicht zugelassen worden war, scheint nicht abgeneigt. "Ich kann mir das schon vorstellen - im Team eben. Wichtig ist jetzt aber, dass es eine große Erneuerung gibt - personell und strukturell", sagte die 62-Jährige der "Augsburger Allgemeinen".

Was wird aus Rainer Koch? Koch werde "beim nächsten Ordentlichen Bundestag nicht mehr für das Amt des 1. Vizepräsidenten Amateure kandidieren", teilte der DFB mit - und ließ zumindest ein wenig Raum für Spekulationen, ob Koch vielleicht einen Posten mit etwas weniger Verantwortung anstrebt. Zunächst wird er zusammen mit dem gleichberechtigten Vizepräsidenten Peter Peters den Verband interimsmäßig führen, wie er es auch nach Niersbach und Grindel getan hatte. Damals zusammen mit dem damaligen DFL-Präsidenten Reinhard Rauball.

Wie steht es um seinen Rückhalt beim DFB? Der 62-Jährige sitzt seit 2007 im Präsidium, er ist seit 2004 Chef des Bayerischen Fußball-Verbandes und seit 2011 Präsident des Süddeutschen Verbandes. Die Amateurvertreter im DFB hatten ihm im Zuge des Nazi-Vergleichs zuletzt das Vertrauen ausgesprochen, allerdings alles andere als einstimmig. Ein Briefwechsel mit DFL-Geschäftsführer Christian Seifert offenbarte dagegen tiefe Gräben zwischen den beiden Funktionären. Koch gilt als Gegenspieler des Profifußballs. Koch scheint derzeit dem Profilager als DFB-Vertreter in der UEFA für die kommenden vier Jahre schwer vermittelbar - zumal Rummenigge zuletzt ebenfalls wieder in das Entscheidergremium gewählt worden war. Allerdings würde für Koch nicht automatisch ein DFB-Vertreter nachrücken. Der Posten wäre zunächst vakant, wie es auch nach dem Rücktritt von Grindel der Fall war. Der DFB hatte ab April 2019 fast ein Jahr lang keinen Sitz im UEFA-Exko.

Und gibt es jetzt tatsächlich eine starke Frau beim DFB? Friedrich Curtius werde Keller "nach einer Verständigung über eine Aufhebung seines Arbeitsvertrags und der Übergabe seiner Amtsgeschäfte unmittelbar folgen", teilte der DFB mit. Der 44-Jährige ist der höchste hauptamtliche Mitarbeiter und verantwortlich für die DFB-Zentrale, die nächstes Jahr in die neue Akademie umziehen soll. Keller und Curtius waren in den vergangenen Monaten die Gegenspieler im Dauerstreit an der Führungsspitze. Nach Curtius' Ausscheiden soll die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich dessen Geschäftsbereiche kommissarisch übernehmen. Die dauerhafte Beförderung der diplomierten Sportökonomin scheint nicht ausgeschlossen. Bei ihrer Berufung zur Stellvertreterin im Sommer 2020 hatte Ullrich gesagt: "Ich freue mich sehr auf die Aufgaben und sehe diese Entscheidung auch als deutliches Signal, dass der DFB auf dem eingeschlagenen Weg der Erneuerung auch auf weibliche Expertise setzt."

Quelle: ntv.de, tno/dpa

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