Fußball

Nazi-Entgleisung des DFB-Chefs Kellers Vergleich ist absurd, dumm und fatal

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Keller hat sich eine fatale Entgleisung erlaubt.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Das Aus für Fritz Keller wurde in den vergangenen Wochen häufig prophezeit, doch 19 Monate nach seinem Amtsantritt ist die Luft für den DFB-Präsidenten dünn wie nie. Denn sein Nazi-Vergleich zeigt, dass er dem Druck des Amtes nicht gewachsen ist.

Roland Freisler war der "Blutrichter" von Adolf Hitler. Er war in der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten für 2600 Todesurteile verantwortlich. Unter anderem wurden die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose von ihm in den Tod geschickt. Freisler war auch Teilnehmer der Wannseekonferenz, auf der der Massenmord an den Juden vom Deutschen Reich beschlossen wurde. Er galt als hämisch, als sehr aggressiv und in den Prozessen als befangen.

Was muss ein Mensch angestellt haben, um mit diesem Freisler verglichen zu werden? Nun, das kann sich Fritz Keller vermutlich selbst nicht erklären. Und dennoch hat der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) seinen Vize Rainer Koch mit diesem "Blutrichter" in einer kontroversen Sitzung der Verbandsspitze verglichen. Ungeachtet dessen, was in der Sitzung passiert ist: Dieser Vergleich ist absurd, dumm und fatal in seiner Wirkung. Dass sich Keller für seine Worte entschuldigt hat? Das Mindeste. Mehr nicht.

Worte machen es noch schlimmer

Eigentlich machen die Worte, mit denen sich Keller entschuldigt, alles nur noch schlimmer. So sagte er nämlich auch: "Manchmal fallen in Kontroversen Worte, die nicht fallen sollen und nicht fallen dürfen. Insbesondere auch im Hinblick auf die Opfer des Nationalsozialismus war der Vergleich gänzlich unangebracht. Ich bedauere dies sehr und werde meine Worte künftig weiser wählen." Es klingt so beiläufig, so belanglos. Wie eine Beleidigung, die einem eben so rausrutscht. Aber was Keller gesagt hat, ist nicht belanglos. Es ist verantwortungslos. Und wer so einen Vergleich wählt, der wählt ihn nicht mal eben so.

"Dies ist eine Äußerung, die völlig inakzeptabel ist", heißt es in einem Schreiben, das unter anderem von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann unterschrieben worden ist. Gerade als langjähriger Richter am Oberlandesgericht München sei es nun von Keller völlig abwegig, Koch "auch nur ansatzweise in die Nähe des höchsten Repräsentanten der unsäglichen und menschen-verachtenden Willkürjustiz des Dritten Reiches zu rücken".

Warum Keller in der Sitzung so eskaliert ist (so muss man es nennen), das weiß er wohl nur selbst. Dass er indes mit seinem Nazi-Vergleich so eskaliert ist, das lässt Zweifel an seiner Tauglichkeit für das Amt aufkommen. So polarisiert und spaltet er und führt nicht zusammen und verbindet. Es soll ja nicht das erste Mal gewesen sein, dass Keller seine Emotionen nicht im Griff hatte. Dieser Vorfall, der sich bereits am vergangenen Freitag ereignet hat, ist der bislang heftigste (bekannte) Auswuchs des Machtkampfs beim DFB. Der tobt seit vielen Monaten auf schäbige Weise und wird immer wieder von gegenseitigen Indiskretionen torpediert (die Hintergründe dazu lesen Sie hier!).

DFB-Image ist ohnehin schon beschädigt

Doch nicht nur dieser Machtkampf (zu dem alle Beteiligten beitragen) beschädigt das Image des DFB immens. Schon Kellers Vorgänger Wolfgang Niersbach (verwickelt in das weiter unaufgeklärte Sommermärchen) und Reinhard Grindel (Annahme einer teuren Uhr eines ukrainischen Oligarchen als Verstoß gegen Good Governance) hatten fleißig daran gearbeitet, das Bild des DFB zu beschädigen.

Der Nazi-Vergleich aber wirkt nun vor allem in einer Hinsicht besonders fatal: im Bereich des Amateur- und Jugendsports. Keller hat seine Vorbildfunktion brutal verletzt. Wenn der Boss schon ungestraft - Kritik gibt es, einen Rücktritt schließt er aus - davon kommt, was bedeutet das für die (oft auch sehr jungen) Spieler auf den Plätzen? Es ist ein harter Schlag für jede Respekt-Kampagne, von denen es auch beim DFB zahlreiche gibt.

Auch fatal: Keller berichtet, dass er sich bei Koch entschuldigt hat und dieser die "Größe" gehabt habe, "die Entschuldigung anzunehmen". Das ist offenbar so nicht richtig. Zwar schweigt Koch, doch vom Bayerischen Fußball-Verband, dessen Präsident Koch ist, heißt es in einem Statement: "Rainer Koch hat die Entschuldigung bislang nicht angenommen, weil er den gesamten Vorgang mit zeitlichem Abstand zunächst in einem persönlichen Gespräch mit Fritz Keller aufarbeiten möchte."

Ungeachtet klarer Statements von Keller gegen Rassismus und Antisemitismus: Für einen Verband, der in jedem Jahr den Julius-Hirsch-Preis in Erinnerung an den im KZ Auschwitz ermordeten deutschen Nationalspieler mit jüdischen Wurzeln vergibt, ist so ein Präsident eine große Belastung. Vielleicht sogar eine Zumutung.

Quelle: ntv.de

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