Fußball

Wer nicht folgt, fliegt raus Finke herrscht beim SC Paderborn

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"Ich habe mir stets hohe, auf den ersten Blick unerreichbare Ziele gesteckt": Wilfried Finke.

(Foto: imago/Eibner)

Niemand ist enger mit der Erfolgsgeschichte des SC Paderborn verbunden als Wilfried Finke. Seit 20 Jahren formt der Präsident seinen Verein. In einem Jahr soll Schluss sein. Vorher will der Unternehmer noch sein letztes großes Ziel erreichen.

Während der Spiele zeigt der Macher keine Emotionen. Wilfried Finke verfolgt die Spiele im Stadion des SC Paderborn vom komfortablen Ledersitz aus, nur eine Glasscheibe hinter seinem Rücken trennt ihn vom dampfenden Büfett des VIP-Bereichs. Selbst die erstaunlichen ersten Gehversuche seines Klubs in der Fußball-Bundesliga veranlassten den Präsidenten zu keiner großen Regung. Finke saß bei den Spielen stets entspannt, beobachtete, rauchte und genoss die furiosen Auftritte des SCP im Stillen - als hätte er alles schon vorher gewusst.

"Ich habe mir stets hohe, auf den ersten Blick unerreichbare Ziele gesteckt. Nur dann kann man etwas Außergewöhnliches erreichen", sagte er vor der für seinen Klub historischen Spielzeit. Zehn Punkte sollten es nach vier Spielen für den Aufsteiger idealerweise sein. Eine motivierte Zielsetzung, die nicht nur André Breitenreiter irritierte. "Mir als Trainer, der den sportlichen Bereich verantwortlich bewertet, können solche Aussagen natürlich nicht passen." Der Rest ist bekannt: Mit enormer taktischer Reife überraschte der SCP die Liga, holte acht Punkte aus den ersten vier Partien und fährt als Tabellenführer zum FC Bayern.

"Ich denke stets mittel- und langfristig"

Finke schien es geahnt zu haben. Vor 20 Jahren startete der braun gebrannte Möbelverkäufer sein finanzielles Engagement bei den Ostwestfalen. Er wurde Hauptsponsor, Präsident und weitete hinter den Kulissen seinen Einfluss auf den sportlichen Bereich aus. Nicht jeder im Verein verstand sich mit dem machtbewussten Mäzen. Wer Finkes Ratschläge oder Anregungen nicht in die Tat umsetzte, zog sich schnell den Unmut des Vereinsbosses zu. Scharfe öffentliche Kritik und im schlimmsten Fall die Kündigung waren die Folge.

Der Boss rühmt seinen SCP gerne als "familiären Verein mit kurzen Entscheidungswegen". Schließlich hat er als Familienvater des Paderborner Fußballkonstrukts das letzte Wort. Finke plante den Erfolg seines Klubs wie den Aufschwung seines Möbelunternehmens. 1978 übernahm er einen kleinen mittelständischen Betrieb von seinem Vater, mittlerweile beschäftigt der 63-Jährige mehr als 1500 Mitarbeiter bei einem jährlichen Umsatz von etwa 300 Millionen Euro. "Ich denke stets mittel- und langfristig. Ansonsten wäre dieser konsequente Weg aus der vierten Liga in die Bundesliga innerhalb von knapp 20 Jahren nicht möglich gewesen." Nur rund 100 Meter Luftlinie trennen die Unternehmenszentrale von seinem sportlichen Meisterwerk. Von seinem Büro hat er einen guten Blick auf die Arena.

Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hat Finke mit den Ostwestfalen alle sportlichen Ziele erreicht. 2015 will er sein Präsidentenamt niederlegen, vielleicht auch, um den Verein ein wenig von seiner Person zu befreien. Bevor er geht, will er nur noch einen für ihn entscheidenden Schritt gehen. "Ich gehe erst, wenn der SC Paderborn schuldenfrei ist. Dafür kämpfe ich wie ein Terrier", sagte er einmal. In einem Jahr soll es so weit sein.

Quelle: ntv.de, Nils Bastek, dpa