DFB-Frauen im WM-Quali-Rausch"Supertrainer" Wück tritt ganz kräftig auf die Euphoriebremse

Vier Tore, frische Gesichter und ein Trainer, dem das alles noch nicht so geheuer ist. Die neuen Qualitäten der DFB-Frauen machen die Mannschaft nahezu wunschlos glücklich. Die Planungen für die WM in Brasilien können beginnen, oder?
"Super Trainer", skandierten die mitgereisten deutschen Fans im Viking-Stadion von Stavanger nach der Machtdemonstration gegen Norwegen. Doch so super fand Christian Wück das 4:0 (3:0) der deutschen Fußballerinnen gar nicht. "Ich trete als Trainer immer mal so ein bisschen auf die Euphoriebremse", sagte der Chefcoach im ZDF zunächst und führte aus, dass es auch schwächere Phasen in beiden Hälften gegeben habe - um seiner Elf dann doch "ein großes Kompliment" für den fulminanten Start in die WM-Qualifikation zu machen.
Sechs Punkte, 9:0 Tore, natürlich Gruppenerster. "Das haben wir uns alle so gewünscht", sagte DFB-Sportdirektorin Nia Künzer. Nach den überzeugenden Leistungen in den Duellen mit Slowenien (5:0) und Norwegen kann der Verband fast schon für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien planen. Gegen den punktlosen Gruppenletzten Österreich sollen am 14. April in Nürnberg und am 18. April im Rückspiel in Ried die nächsten Siege folgen.
Der Klassiker auf dem ungewohnten Kunstrasen in Norwegen stimmte jedenfalls zuversichtlich. "Wir haben auch mal nicht so viele Chancen gebraucht, um Tore zu machen. Das Gesamtprodukt war dann sehr, sehr gut", sagte Carlotta Wamser, Torschützin zum 2:0.
Klara Bühls Abwesenheit fällt überhaupt nicht auf
Neben Wamser (45.+1 Minute) trafen vor 8500 Zuschauern gegen fehleranfällige Norwegerinnen auch Elisa Senß (18.), Vivien Endemann (45.+4) und Jule Brand (58.). "Man sieht einfach teilweise im Spiel heute auch, dass wir auch gegen größere Mannschaften einfach richtig gut Fußball spielen können", lobte Torhüterin Ann-Katrin Berger, die mit einigen starken Paraden ein Gegentor verhinderte.
Die in der Vergangenheit so oft schon bemängelte Chancenverwertung war auf einmal kein Thema mehr, extrem effizient und geradlinig präsentierte sich die DFB-Elf. "Es ist natürlich immer schön, wenn wir viele Leute haben, die treffen. Wir haben es die Woche jetzt auch echt geübt, immer mit Flanken und Schüssen", erklärte Wamser.
Die in der offensiven Dreier-Mittelfeldreihe über rechts kommende Leverkusenerin war ein Aktivposten im deutschen Spiel, über links preschten immer wieder Verteidigerin Franziska Kett und die erneut stark aufspielende Vivien Endemann vor. Dass Bayern-Star Klara Bühl auf dem linken Flügel fehlte, blieb dank der Wolfsburgerin eine Randnotiz. Endemanns Bälle in die Lücken der norwegischen Abwehr fanden zuverlässig deutsche Abnehmerinnen.
Talente rücken nach
"Wir konnten unser Passspiel gut aufziehen teilweise und hatten auch ein gutes Einlaufverhalten", lobte Wück. "Wenn ich an das Tor von Jule Brand denke, das 4:0. Das war ein sehr gut gespielter Pass von Vivien und Jule läuft perfekt ein, und genau das trainieren wir im Moment. Das ist das Timing, was wir reinbringen wollen."
Wie schon gegen Slowenien, als die 23-jährige Larissa Mühlhaus von Werder Bremen debütierte, setzte Wück auch gegen Norwegen auf einen Neuling: Frankfurts Jella Veit durfte mit ihren 20 Jahren wenige Minuten nach dem 4:0 in der Innenverteidigung ran. "Wir wollen unseren Pool erweitern mit Spielerinnen, denen wir zutrauen, es international auch gut zu machen", erklärte der Coach.
"Das ist einfach wichtig, weil nicht nur elf Leute spielen, sondern 23 und wenn mal da ein, zwei ausfallen, haben wir dann trotzdem noch welche in Deutschland, die nachziehen können", meinte Berger. Das gelte auch mit Blick auf die WM, wenn das DFB-Team endlich den ersten Titel seit Olympiagold 2016 holen will.