Fußball

Paderborner StehaufmännchenSven Michel krönt wechselhafte Karriere mit Traum-Vorlage

26.05.2026, 11:36 Uhr
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Der SC Paderborn feiert ein Fußball-Märchen, schickt die Millionen-Mannschaft des VfL Wolfsburg in die 2. Liga. Für einen SCP-Spieler ist es der nächste Höhepunkt einer Karriere, die schon jede Menge Täler und Gipfel aufweist.

Oft sind die einfachsten Analyse die besten. "Wir sind ein Riesenteam, jeder steht für jeden ein", sagte Paderborns Sven Michel nach dem 2:1-Triumph der Ostwestfalen im Relegationskrimi über den VfL Wolfsburg. 120 Minuten hatte der kleine SCP Michels Fazit eindrucksvoll vorgeführt. Die Paderborner rannten, ackerten, aber sie spielten die ideen- und fast schon seelenlose Millionen-Truppe des Volkswagen-Klubs bisweilen auch schwindelig. Michel übernahm in dem Thriller eine Hauptrolle. In der 100. Minute bereitete er das Siegtor von Laurin Curda vor.

Die Paderborner würden "erst in vielen Jahren begreifen, was wir geleistet haben", befand Michel. Das gilt sicher auch für den 35-Jährigen. Vielleicht wird bei Michel wirklich erst in ein paar Jahren bei einem kühlen Pilsken auf der Terrasse einsickern, was da an diesem 25. Mai in Paderborn passiert, ja was in seiner Karriere abgegangen ist. Wenn die abgewetzte Metapher der Karriere-Achterbahn auf einen Fußballer zutrifft, dann auf Michel. Er wusste schon vor dem Märchen am Sonntag wie es sich anfühlt, aufzusteigen. Er weiß aber auch wie es ist, wenn es mal runtergeht. Wenn die Erbarmungslosigkeit des Abstiegs zuschlägt. Michels Nervenkostüm muss aus Gelee sein: weich, wackelig, aber nicht mehr zu packen.

Runter, hoch, hoch runter - Michel ist dabei

Seine wechselvolle Laufbahn im Profifußball beginnt mit zwei schmerzhaften Tiefschlägen: 2014 steigt er mit Energie Cottbus in die 3. Liga ab, zwei Jahre später stürzt er mit dem Klub sogar in die Regionalliga ab. Danach wechselt der Siegerländer zum SC Paderborn, wo gleich in der ersten Saison die nächste Abstiegskeule zuschlägt. Michel schießt fünf Tore, im Sommer ist der SCP aber aus der 3. Liga abgestiegen. Denkste! Paderborn profitiert davon, dass der Pleite gegangene Zweitliga-Absteiger 1860 München keine Lizenz für Liga drei bekommt. Die Ostwestfalen dürfen im Profigeschäft bleiben - und danken es dem Fußball-Gott eindrucksvoll.

In der Saison 2017/18 schießt Michel 19 Tore, bereitet 13 vor und steigt als Topscorer der 2. Liga mit Paderborn sensationell in die Bundesliga auf. Dort geht das persönliche Märchen des Stürmers erst einmal weiter: In seinem ersten Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen (2:3) trifft Michel auf Anhieb, das Oberhaus verschluckt den Außenseiter am Saisonende dennoch: Der SCP rutscht wieder in die 2. Bundesliga. Dort bleibt Michel, ehe es auf der Karriereleiter Anfang 2022 wieder hoch geht. Weil Max Kruse zum VfL Wolfsburg wechselt (der schon damals im tristen Mittelfeld dümpelt), sucht Union Berlin Ersatz - und holt den Paderborner Stürmer nach Köpenick. Es ist Unions Hochzeit. Für die Eisernen macht Michel nicht nur 34 Bundesligaspiele und sechs Tore, achtmal läuft er im Europapokal (Europa und Conference League) auf. 2023 zieht der Angreifer nach Augsburg weiter, wo es nicht so doll läuft. Da kommt es Michel gerade recht, dass Paderborn ihn im Sommer 2024 in die 2. Bundesliga zurückholt.

Mit seiner alten Liebe spielt Michel gleich wieder um den Aufstieg. Vergangenen Sommer reicht es nicht zur Relegation, drei Punkte fehlen auf die SV Elversberg. Diese Saison klappt es. Der erste Krimi trägt sich am letzten Spieltag zu. Während Hannover 96 in der Schlussphase das 3:3 vom 1. FC Nürnberg kassiert, tütet Michel den Paderborner Auswärtssieg bei Darmstadt 98 in Minute 89 mit seinem Tor zum 2:0 ein. Relegation. In die Endspiele geht der SCP als klarer Außenseiter, der angeschlagene Großklub scheint sich rechtzeitig gefangen zu haben. Die Rollenverteilung spiegelt sich auf dem Rasen nicht wider. In Wolfsburg trotzt Paderborn den zahnlosen Wölfen ein 0:0 ab. Der Rest ist für Paderborn Geschichte. Sven Michel - wie könnte es anders sein - war dabei.

Quelle: ntv.de, mar

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