Sogar Deniz Undav warnt

Was ist los mit dem VfB Stuttgart?

imageVon Emmanuel Schneider
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Der VfB Stuttgart hat schon vier Ligaspiele verloren. (Foto: picture alliance / xim.gs)
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20.10.2026 | 06:00 Uhr
Der VfB Stuttgart stottert zum Start der Fußball-Bundesliga. All das in Zeiten der gewachsenen Ansprüche im Klub. Und jetzt wartet eine der heißesten Mannschaften Europas. Was ist los im Schwabenland?

Es gibt eine Statistik, die den frühen VfB-Verdruss dieser Bundesliga-Spielzeit ziemlich gut verdeutlicht. Mit zwei Toren ist zurzeit Außenverteidiger Josha Vagnoman der beste Torschütze der Schwaben. Alle Stürmer zusammen haben: ein Tor (Ermedin Demirovic). So dürfte das auf Dauer schwierig werden mit den gestiegenen Ansprüchen an der Mercedesstraße.

Und damit sind wir auch schon mittendrin in der Spurensuche der schwäbischen Saisonstart-Krise. Nach den ersten Wochen muss man festhalten: Der VfB Stuttgart ist nicht in der Form, in der er in der vergangenen Saison in die Champions League marschierte. Das Ziel, sich in der Spitzengruppe festzusetzen, aktuell nicht erfüllbar.

Eine Vollkrise wie in Gladbach herrscht in Bad Cannstatt nicht. Der Klub hängt eher zwischen den Stühlen. Es ist eine Achterbahnfahrt wie nebenan auf dem Wasen. Denn in der Königsklasse gelangen - gegen zugegeben zwei schwächere Gegner - zwei Siege, im Pokal nahm der Klub souverän die erste Hürde in Rostock. In der Liga aber, dem Brot- und Buttergeschäft, stolpert der VfB regelrecht durch die ersten Wochen. Auffällig: Das Team stellt sich öfter selbst ein Bein. Gegen Hoffenheim (1:2) oder Dortmund (0:1) und auch jüngst am Samstag beim Hamburger SV (0:1) hätte der Klub gut und gerne ein Punkt mitnehmen können. Das zeigen auch die xG-Werte für die statistisch zu erwartenden Tore. Chancenlos waren die Stuttgarter nur gegen den FC Bayern zum Saisonauftakt (1:5).

Sonst droht "sehr harte Saison"

Deniz Undav, gefeiert Held der Vorsaison und für einige Tage auch bei der Nationalelf während der WM, ist noch nicht ganz ankommen in dieser Saison, auch wenn er schon vier Vorlagen und nun auch den ersten Treffer in der Champions League auf dem Konto hat. Er legte nach der Pleite in Hamburg mit gewohnt markigen Worten die Finger in die Wunde. "Wir haben zwei der letzten drei Spiele gewonnen. Natürlich ist es schade, aber wir müssen uns eingestehen, dass wir gerade keine Spitzenmannschaft sind. Uns fehlt sehr viel von dem, was uns in den vergangenen zwei, drei Jahren ausgezeichnet hat", sagte Undav.

Was genau ist das? Es fehle "vieles", erläuterte der Angreifer. "In den vergangenen Jahren haben wir solche Spiele noch gezogen und die Chancen reingemacht. Dieses Jahr fällt uns das schwer. Vor allem in der zweiten Halbzeit bauen wir auch ab. Daran müssen wir wirklich arbeiten, um wieder nach oben zu kommen. Wenn nicht, wird es eine sehr, sehr harte Saison."

Vorne ineffizient, hinten wackelig

Das VfB-Spiel ist also eine Baustelle. Die wichtigsten Punkte hat Undav genannt. Die mangelnde Chancenverwertung und ein oft merkwürdig anderes Gesicht je nach Halbzeit. Über 90 Minuten schaffen es die Schwaben kaum ihr Ballbesitz dominiertes Spiel aufzuziehen. Gleichzeitig fehlt oft die Absicherung, wenn der VfB sein Spiel öffnet und auf einen Treffer drückt. Stuttgart ist anfällig, wenn im Aufbau Fehler passieren, nicht nur gegen Bayern, auch gegen Hoffenheim und Köln oder Paderborn ließ der VfB viele Torchance zu. Beim "Run-and-Gun"-Spiel zieht der Klub derzeit öfter den Kürzeren.

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Die Torflaute im Sturm betrifft nicht nur Undav, sondern auch Demirovic und Neuzugang und U21-Nationalspieler Dzenan Pejcinovic. In den Pokalwettbewerben trafen sie zwar schon ordentlich (drei und vier Treffer), aber in der Liga eben nur ein einziges Mal. Es fehlt offenbar noch der Brustlöser.

Versinnbildlicht hat die Blockade der Auftritt gegen den HSV. Über weite Strecken machte der VfB ein gutes Spiel, erarbeitete sich ansehnliche Torchancen. Undav traf aber nur den Pfosten, Demirovic vergab zwei gute Möglichkeiten, zerriss sich anschließend das Trikot. "Effizienz ein großer Teil der Geschichte des Spiels", resümierte Sebastian Hoeneß nüchtern. "Wir haben es nicht geschafft, den Ball über die Linie zu bekommen."

Intensiver Härtest gegen harte Nuss

Es ist noch früh in der Saison, aber etwas überraschend kommt der Stolperstart schon. Denn der Großteil des Teams ist zusammengeblieben. Im Gegensatz zu den vergangenen Saisons ist keine wichtige Säule weggebrochen (Guirassy, Anton nach 23/24 und Woltemade, Millot nach der Saison 24/25). Mit Grischa Prömel und Pejcinovic kamen sogar verheißungsvolle Zugänge ins Team. Dennoch fehlt der Flow, die Automatismen. Manchmal auch das Glück.

Es stehen nun wegweisende Tage und Wochen für den VfB Stuttgart an. Erst am Dienstag ein absolutes Highlightspiel gegen die extrem gut aufgestellte Mannschaft von Atlético Madrid. Erwartet wird ein brachialer Härtetest für die Widerstandsfähigkeit der Schwaben. Unzulänglichkeiten und Unaufmerksamkeiten werden von dem Zweitplatzierten der spanischen Liga vermutlich noch böser bestraft als von Paderborn oder dem HSV. Hoeneß blickt vor der Partie nur auf die positiven Seiten. "Es wird sicher großartig für uns alle. Für den VfB, für die Region - und das werden wir uns auch nicht nehmen lassen", sagte er und betonte, dass man trotz der Torflaute "genügende Spieler" habe, die "schnell wieder treffen werden".

Drei Tage später reist in der Bundesliga die Null-Punkte-Mannschaft Borussia Mönchengladbach ins Neckarstadion. Sollte Stuttgart gegen das Schlusslicht Punkte liegengelassen, dürfte die Stimmung im Ländle deutlich ungemütlicher werden.

Für ernsthafte Trainer-Diskussionen haben Sebastian Hoeneß und das Team noch viel zu viel Kredit. In den bisher schwierigen Phasen fand der Coach meist die richtigen Antworten. Schon vor anderthalb Jahren wankte der VfB, stellte im heimischen Stadion sogar einen absurden Negativrekrod auf. Der Klub bewahrte die Nerven, berappelte sich und gewann am Ende sogar noch den DFB-Pokal. Von einem solchen Happy End ist der Klub aus Cannstatt aber noch sehr weit entfernt.

Verwendete Quelle: ntv.de