Was für eine bittere Rückkehr auf die europäische Bühne für den VfL Gummersbach: Der mehrfache Europapokalsieger, der sich nach 2024 zum zweiten Mal seit dem Wiederaufstieg 2022 für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren konnte, verlor zum Auftakt der European League völlig überraschend in eigener Halle gegen PGE Wybrzeża Gdańsk 34:38 (19:17).
Die einzige gute Nachricht an einem verkorksten Abend für den Bundesligisten: Nationalspieler Miro Schluroff, der in der ersten Hälfte einen Schreckmoment produzierte, kehrte später doch wieder unversehrt auf die Platte zurück. In der Enttäuschung fand Trainer Gudjon Valur Sigurdsson harte Worte - gerichtet an sich selbst.
"Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber ich muss meine Jungs in Schutz nehmen. Heute habe ich als Trainer versagt, denn ich habe es nicht geschafft, den Jungs zu erklären, wie wichtig dieses Spiel für uns ist", sagte der Isländer nach dem Spiel. Seine beißende Kritik an sich selbst war natürlich auch als eine Abrechnung mit seinem Team: "Die haben gedacht, dass sie das heute mit links machen."
Das ging vor rund 3000 Zuschauern mächtig nach hinten los: Die Gäste aus Polen übernahmen früh das Zepter, führten schnell mit 5:2. Nach 14 Minuten waren es schon fünf Treffer, die die Hausherren zurücklagen - und Sigurdsson nahm seine erste wütende Auszeit. Doch der nächste Dämpfer folgte schnell: Rückraum-Shooter Miro Schluroff musste humpelnd vom Feld. Danach kämpfte sich der Bundesligist zwar wieder zurück ins Spiel und übernahm mehrfach die Führung, doch der Außenseiter zog bis zur 50. Minute wieder auf vier Tore davon (32:28).
Aufholjagd abgeblasen
Eine Aufholjagd des Altmeisters, der in der vergangenen Saison lange sogar ein Kandidat für die erste Meisterschaft seit 1991 war, wurde immer wieder durch eigene Fehler ausgebremst. Dazu sah Stepan Zeman in der 54. Minute nach einer unglücklichen Abwehraktion die Rote Karte. Wybrzeża ließ sich auch nicht beeindrucken, als Gummersbach zwei Minuten vor Schluss durch einen Treffer von Neuzugang Alex Dujshebaev noch einmal auf zwei Tore (33:35) herangekommen war und brachte den überraschenden Sieg ins Ziel.
"Was Gdańsk heute gezeigt hat, war vom Kampfgeist und der taktischen Disziplin sowie der spielerischen Qualität her großartig", zeigte sich der enttäuschte Sigurdsson beeindruckt von den Gästen. Der Bundesligist, der am Wochenende noch einen Derbysieg gegen den Bergischen HC bejubelt hatte, kam dagegen nur in den wenigsten Phasen des Spiels zumindest nahe an seine Bestform heran.
Bester Werfer der Gummersbacher gegen Wybrzeża war Nikola Roganović mit neun Treffern. Am kommenden Samstag kommt es nun zum Wiedersehen mit Ex-VfL-Profi Julian Köster: Der Nationalspieler war im Sommer zum THW Kiel gewechselt und empfängt nun mit dem Rekordmeister seine alten Kollegen.

