Die deutsche Kugelstoßerin Yemisi Mabry hat sich wenige Tage nach ihrer EM-Bronzemedaille mit deutlicher Kritik an der ARD-Übertragung an die Öffentlichkeit gewendet. Die 27-Jährige war vor allem mit dem Interview nach ihrer Qualifikation unzufrieden.
Auf Instagram teilte sie in ihrer Story einen Ausschnitt aus der Sendung, in der sie von ARD-Reporter Claus Lufen Folgendes gefragt wird: "Der Kollege Busemann hat herausgearbeitet, dass in diesem Jahr Frau Schilder aus den Niederlanden (Konkurrentin von Mabry, Anm. d. Red.) neunmal vorn war und Yemisi einmal quasi bei den Bestleistungen mit dabei war. Was heißt das für das Finale heute Abend?"
Mabry schrieb dazu: "Finale erreicht und statt Rückenwind gibts erst mal eine Aufzählung deiner Niederlagen." Statt einem "Glückwunsch, du bist im Finale" komme so etwas, schrieb Mabry weiter. "Wir sind Athleten. Keine Maschinen. In diesen Momenten sind wir emotional und vielleicht selbst noch dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Und dann wird nicht Mut gemacht, sondern erst mal die Statistik unserer Niederlagen ausgepackt?"

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Anschließend kritisierte sie offenkundig auch das Verhalten des früheren Leichtathleten und Silbermedaillengewinners von Olympia 1996 Frank Busemann, der als Experte bei der ARD arbeitet. "Und gerade von euch, die selbst einmal Athleten waren. Wie kann man sich da bewusst dafür entscheiden, einer Athletin unmittelbar vor ihrem Finale genau diese Statistiken vorzuhalten? Wo bleibt da das nötige Fingerspitzengefühl und die Empathie für den Menschen hinter der Leistung?"
Busemann wollte "roten Teppich" ausrollen
Auch nach dem Medaillengewinn habe es "negative, provokante Fragen" gegeben, so Mabry. "Ihr redet davon, dass Deutschlands Athleten die Leichtathletik wieder groß machen sollen. Dann fangt bitte bei euch selbst an, einen positiven Beitrag zu leisten. Die Athletinnen lieferten unter Druck und stellten sich der Kritik, sagte Mabry. "Dann erwarte ich von euch genauso Leistung, Respekt und Professionalität." Und weiter: "Vielleicht solltet ihr euch nach solchen Interviews nicht nur fragen, warum wir nicht besser waren, sondern auch, ob ihr selbst gerade eure beste Leistung gebracht habt. Denn ganz ehrlich: Das war keine journalistische Glanzleistung.“
ARD-Experte Busemann erklärte gegenüber der "Bild": "Eigentlich wollte ich ihr den roten Teppich ausrollen, damit sie vollkommen befreit und ohne Druck stoßen kann und nicht, dass sie daran gemessen wird, dass sie Olympiasiegerin ist. Aber leider ist das wohl falsch bei ihr angekommen."
Mabry musste sich im Finale in Birmingham nur der überragenden Europameisterin Jessica Schilder (20,73 Meter) aus den Niederlanden und deren Teamkollegin Jorinde van Klinken (19,64 Meter) geschlagen geben. "Mit 19,50 Metern und einer Medaille nach Hause zu gehen, darüber bin ich sehr froh", sagte Mabry nach dem Wettkampf. Für sie war es nach 2024 in Rom das zweite EM-Bronze.

