Denken wie ein Superschurke

Die neue Kunst der psychologischen Kriegsführung in MMA

bauer_mmaVon Michael Bauer
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Denis Frimpong hat bei Oktagon mehrfach gezeigt, dass er schon vor dem Kampf gezielt seine Gegner verbal attackiert.
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18.06.2026 | 18:44 Uhr
Den Gegner auf psychologischer Ebene zu bearbeiten, ist in Mixed Martial Arts zur Waffe geworden und hat Einfluss auf den Kampf. Doch was passiert, wenn ein Gegner das Spiel nicht nur versteht, sondern es genauso gut beherrscht?

Provokationen, Beleidigungen, respektlose Kommentaren - seit Jahren versuchen MMA-Kämpfer, ihre Gegner mit gezielten Sticheleien aus der Reserve zu locken. Das Prinzip ist einfach: Wer den anderen emotional aus dem Gleichgewicht bringt, verschafft sich schon vor dem Kampf einen Vorteil.

Doch die psychologische Kriegsführung im modernen MMA hat längst eine neue Stufe erreicht. Es geht nicht mehr nur darum, den Gegner zu beleidigen oder seine Schwächen öffentlich bloßzustellen. Die erfolgreichsten Trash-Talker der Gegenwart erschaffen Geschichten, setzen Narrative in die Welt und manipulieren die öffentliche Wahrnehmung mit einer Präzision, die an Marketingkampagnen erinnert. Denis Frimpong spielt bei Oktagon gerne die Rolle des Bösewichts. Ein Superschurke, der seine Gegner intellektuell herausfordert.

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"Jeder Gegner tickt anders", sagt Frimpong im Interview mit ntv/RTL. Jeder stelle entsprechend eine Herausforderung dar, herauszufinden, womit sie sich provozieren lassen. "Ich bereite mich schon vor, selbst wenn ich noch keinen Kampfvertrag unterschrieben habe. Ich sammle ständig Informationen gegen potenzielle Gegner in meiner Gewichtsklasse. Selbst wenn ich nicht ihre Sprache spreche, erkenne ich, welche Dinge bei ihnen Reaktionen erzeugen", sagt der Ire.

Emotionen führen im MMA-Kampf zu Fehlern

"Viele nehmen sich ein bisschen zu ernst. Dann ist es einfach, in ihren Kopf zu kommen und sie dazu zu bringen, emotional zu kämpfen", erklärt Frimpong. Da in MMA Kontrolle ein wichtiger Faktor ist, sollten Emotionen keine Rolle spielen. Athleten vergleichen den Sport gerne mit Schach, in dem es ebenfalls darum geht, Angriffe zu antizipieren und darauf eine Antwort zu haben. Emotionale Entscheidungen führen dann tendenziell zu Fehlern und Fehler oft zu einer Niederlage.

Das Timing spielt allerdings auch eine wichtige Rolle. In Stuttgart hatte Frimpong seine ganzen Sticheleien gegen seinen Gegner Robin Frank für die Pressekonferenz aufgehoben. "Ich wusste, dass es sein Debüt bei Oktagon war, seine erste Pressekonferenz und das erste Mal, dass wir persönlich miteinander sprechen. Ich wollte ihn gezielt einen Abend vor dem Kampf sauer machen", sagt er.

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Selbst wenn Frimpong seine Gegner nicht auf psychologischer Ebene erreicht, hilft das, "den Kampf zu vermarkten", sagt er. Gegen Gökhan Aksu hatte Frimpong alle Register gezogen und sich sogar eine Ronaldo-Frisur im Stil des brasilianischen Fußballstars von 2002 zugelegt, um seinen Gegner aus der Reserve zu locken. Aksu ging nie auf die Sticheleien an, kämpfte kontrolliert und gewann das Duell am Ende. "Natürlich kann das nach hinten losgehen. Es heißt: hohes Risiko, große Belohnung. Aber die Fans waren interessiert an dem Kampf. Auch das zählt", sagt Frimpong.

Mit Niko Samsonidse hat Frimpong nun erstmals einen Gegner, der das Spielchen mitmacht und ihm auch in Sachen Sticheleien in nichts nachsteht. Auf Social Media feuert Frimpong ein Meme nach dem anderen in Richtung des Berliners, der seinerseits zurückschießt. Aber nie unter der Gürtellinie. Viele Memes und Anspielungen beziehen sich auf popkulturelle Entwicklungen wie Anime-Serien, Filme und Videospiele. "Niko und ich sind aus der gleichen Generation. Wir haben diese Ära der Memes zur gleichen Zeit erlebt. Daher versteht er die Anspielungen", sagt Frimpong.

"Ob es eine eigene Pokemon-Karte oder ein KI-veränderter Frimpong auf einem gemeinsamen Foto war - es gab einige Sachen, bei denen ich lachen musste", gesteht auch Samsonidse. Man brauche den richtigen Mitspieler. Es sei zwar ein Sticheln, aber es basiere auf gegenseitigem Respekt. "Wenn mich jemand einfach stumpf beleidigt hätte, wäre ich gar nicht darauf eingegangen", sagt der Berliner. "Beim Kampf in Berlin soll es ein Feuerwerk geben und danach wird sich bedankt und umarmt."

Verwendete Quelle: ntv.de