Neuer Nationalheld?

Tennis-Nobody Fery macht ganz Wimbledon verrückt

Tennis-Wimbledon-All-England-Lawn-Tennis-and-Croquet-Club-London-Britain-July-6-2026-Britain-s-Arthur-Fery-celebrates-after-winning-his-fourth-round-match-against-Bulgaria-s-Grigor-Dimitrov-REUTERS-Jaimi-Joy
Arthur Fery kann sein Wimbledon-Glück kaum fassen. (Foto: REUTERS)
00:00 / 02:47
07.07.2026 | 13:37 Uhr
Großbritannien hat einen neuen Nationalhelden: Der junge Arthur Fery steht sensationell im Viertelfinale von Wimbledon - und begeistert die Massen. Sein Vorbild sind Englands furiose WM-Fußballer.

Arthur Fery nahm die Vergleiche mit Harry Kane, Jude Bellingham und dem Rest der Three Lions allzu gerne an. Bei ihrem dramatischen Achtelfinalerfolg in Mexiko hätten Englands umjubelte Fußballstars "in feindseliger Atmosphäre" einen "großen Kampfgeist gezeigt und mentale Stärke bewiesen", sagte der neue Nationalheld nach seinem nächsten heroischen Auftritt: "Und ich glaube, das habe ich auch getan." Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass er dabei "natürlich das Publikum voll und ganz" hinter sich hatte.

Fery verzückt die heimischen Fans im Tennismekka Wimbledon. Dank seines nervenaufreibenden Fünfsatzsieges auf dem Centre Court gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow steht die Nummer 114 der Weltrangliste sensationell im Viertelfinale - und die Insel Kopf. "Un-Fer-Gettable" titelte die Boulevardzeitung "Sun", und auch die eigentlich so distinguierten Herrschaften im Stadtteil SW19 ließen sich angesichts des Hypes zu einem Wortspiel hinreißen: "The Fery-Tale continues." Das Märchen geht weiter.

Das Schiffshorn ertönt

"Ich habe keine Worte. Es ist schwer zu beschreiben, was ich gerade auf diesem Tennisplatz gespürt habe", sagte Fery nach dem Nervenkrimi über 3:55 Stunden, den er mit 7:5, 3:6, 4:6, 6:4, 7:6 (10:7) für sich entschied: "Es ist unglaublich. Vier Spiele zu gewinnen, im Viertelfinale zu stehen, ist ein Traum."

Fery erblickte in Sèvres, einer Gemeinde vor den Toren von Paris, das Licht der Welt. Das Tennis wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, Mama Olivia spielte einst selbst und stand 1991 im Doppel in der ersten Runde der French Open. Sein Vater ist der millionenschwere Loic Fery, heute Präsident des französischen Erstligisten FC Lorient. Früh zog es die Familie nach London, Arthur Fery wuchs "fünf Minuten die Straße runter" von Wimbledon auf. Schon als junger Bursche besuchte er immer wieder den All England Club, wo er nun als letzter Brite im Turnier eine magische Reise erlebt.

Im Viertelfinale trifft Fery, der eine Wildcard für das Hauptfeld erhalten hatte, am Mittwoch auf den italienischen French-Open-Finalisten Flavio Cobolli. Und auch dann wird ihm die Unterstützung der britischen Fans sicher sein. "All aboard the Fery!" rufen sie immer wieder während seiner Matches, "alle auf die Fähre!" Und imitieren anschließend ein lautes Schiffshorn. 

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid