Nagelsmann ohne Zukunft

WM-Aus gegen Paraguay: Selbstmord aus Angst vor dem Tod

Stephan-UersfeldEin Kommentar von Stephan Uersfeld, Foxborough
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30.06.2026 | 02:49 Uhr
Mit einer katastrophalen Leistung gegen Paraguay scheitert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der WM 2026. Bundestrainer Nagelsmann will bleiben, eine Zukunft hat er jedoch nicht.

Nicht einmal die Aura von Manuel Neuer konnte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft retten. Das war es. Nach einer vollkommen indiskutablen Leistung verabschiedet sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft von der WM 2026. Im Elfmeterschießen verlieren mit Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah gleich drei deutsche Spieler die Nerven.

Julian Nagelsmann ist gescheitert. Das DFB-Team verabschiedet sich aus den USA mit einer unerklärlichen Leistung, die einem Selbstmord aus Angst vor dem Tod gleicht. Dieser sportliche Tod hätte dem Weltmeister von 2014 im Achtelfinale gegen Frankreich ohnehin gedroht.

Der Bundestrainer hat bei diesem Turnier alles auf eine Karte gesetzt - und seine Mannschaft alles vermissen lassen. Vollkommen verunsichert tritt sie zum ersten Sechzehntelfinale der DFB-Geschichte an diesem 29. Juni 2026 in Boston an. Es ist eine der schwärzesten Stunden des an schwarzen Stunden nicht armen deutschen Fußballs in der jüngeren Vergangenheit seit dem WM-Triumph von 2014.

DFB-TeamAbschneiden bei EM und WM

Deutscher Zug hat viele Bremsen

Der Ballbesitzfußball gegen den krassen Außenseiter aus Südamerika scheitert. Vor der Partie geht die Angst vor der Körperlichkeit Paraguays um, nach dem Aus bleiben viele Fragen offen. Der deutsche Zug hatte bei diesem Turnier viel zu viele Bremsen, und die meisten hat sich der Bundestrainer selbst auf die Strecke geschmissen.

Die Nominierung von Manuel Neuer, die Debatten um Deniz Undav, der Verzicht auf schnelle, ungestüme Flügelspieler wie Said El Mala, den er nach der bitteren Verletzung von Lennart Karl nicht nachnominiert, gehen auf die Kappe des Bundestrainers.

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Ein Turnier voller Rückschläge

Zudem war das Turnier des DFB von Rückschlägen geplagt. Offensivhoffnung Karl musste noch vor dem ersten Spiel nach einer Verletzung abreisen, Innenverteidiger Nico Schlotterbeck musste nach anderthalb Spielen verletzungsbedingt passen.

Vor dem verlorenen Elfmeterschießen humpelte der Dortmunder von Spieler zu Spieler, wünschte ihnen viel Glück. Neben ihm war auch der demontierte Torhüter Oliver Baumann immer wieder präsent, motivierte und versuchte noch einmal Einfluss zu nehmen. Es wollte nicht gelingen.

Bereits vor der WM hatte sich das DFB-Team in einen Strudel gestürzt, der im Laufe des nur vier Spiele dauernden Turniers immer rasanter, immer schneller wirbelnd in den Abgrund führte. Auf das 7:1 zum Auftakt gegen Curaçao folgten der Last-Minute-Erfolg gegen die Elfenbeinküste und das rückblickend wohl fatale 1:2 gegen Ecuador zum Abschluss der Gruppenphase.

Deutschlands Nicht-Tor, das noch lange für Ärger sorgt

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Gary Lineker verhöhnt DFB-Team schon vorher

Von außen höhnten die Beobachter. Gary Lineker spottete, er habe bei dieser WM das schlechteste DFB-Team seit langer Zeit gesehen. Da war das Spiel gegen Paraguay noch nicht einmal angepfiffen. Dort überkompensierten sie nun all ihre Verfehlungen aus dem Spiel gegen Ecuador. Sie waren körperlich, sie waren dominant - und dabei schläferten sie sich ganz langsam ein.

Die Niederlage gegen Ecuador zerstörte das ohnehin kaum vorhandene Vertrauen des Teams. Danach marschierte die Panik durch die deutschen Reihen. Sie machte sich mit jedem einzelnen Akteur bekannt. Sie klemmte sich auf die Schultern. Sie versprühte ihr Gift. Die Nationalmannschaft konnte sich nicht wehren. Im Elfmeterschießen schlug sie zu.

Eine Ära, die nie eine war

Nagelsmanns Ära, die nie eine war, dürfte mit dem Fiasko beendet sein. Er hatte sich in den vergangenen Tagen zunehmend verschlossen gezeigt, nur noch das Nötigste kommuniziert. Er schien zu wissen, was ein so frühes Scheitern für ihn bedeuten würde.

Doch nicht nur für Nagelsmann dürfte die Zeit beim DFB beendet sein. Torhüter Neuer wird nie wieder ein Länderspiel bestreiten. Das war bereits vorher bekannt. In den kommenden Tagen wird sich der Blick ebenfalls auf die Generation rund um Joshua Kimmich richten. Sie machte nach dem Erfolg beim Confed Cup 2017 das frühe Scheitern bei Turnieren salonfähig.

Die Entscheidung: Die letzten zwei Elfmeter gegen Paraguay

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Die Angst vor Frankreich

Dabei hatte Nagelsmann eben alles auf eine Karte gesetzt. Das DFB-Team sollte nicht bei den Spielen der Vorrunde oder bei einem möglichen Sechzehntelfinale voll da sein, sondern beim Achtelfinale am 4. Juli 2026 in Philadelphia. Dorthin hätte sich die Nationalmannschaft schleppen sollen, vielleicht auch ramponiert. Während die USA ihren 250. Geburtstag feiern würde, sollten dort die französischen Tormonster um Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé ausgeschaltet werden.

Der Gedanke an Frankreich überschattete vieles bei diesem Turnier. Er beeinträchtigte die Kaderentscheidungen. Torhüter-Legende Neuer wurde weder für den WM-Auftakt gegen Curaçao noch für ein Sechzehntelfinale gegen einen Gruppendritten eingeplant. Seine "Aura" sollte die Franzosen beeindrucken und idealerweise danach noch weitere große Gegner. Nagelsmanns Kader sollte auch Defensivstrukturen knacken - er sollte aber in erster Linie die besten Teams der Welt knacken.

Fehlende Form

Der aktuelle Zustand des Nationalteams macht dabei kaum Hoffnung. Felix Nmecha, zu Beginn des Turniers noch als Entdeckung der WM gepriesen, musste gegen Paraguay bereits nach 45 Minuten in der Kabine bleiben.

Der lautstark geforderte Deniz Undav brachte es bis zu seiner Auswechslung auf kaum zehn Ballkontakte. Der durch seine Nichtberücksichtigung in den bisherigen Spielen verunsicherte Woltemade vergab einen Elfmeter. Kimmich blieb als Rechtsverteidiger hinter den Erwartungen zurück. Einen echten Ersatz für ihn gab es nicht.

Leroy Sané stand permanent in der Diskussion - und gegen Paraguay neben sich. Jamal Musiala und Florian Wirtz kämpften mit sich und nicht gegen den Gegner. Waldemar Anton trug die Wesenszüge eines Unglücksraben auf den Platz.

Entscheidung liegt nun beim DFB

Auch das ist Teil der Wahrheit über das Scheitern. Der deutsche Kader war weit von der Bestform entfernt. Auch das aber gehört zum Aufgabengebiet eines Bundestrainers. Den Kader in WM-Form zu bringen, ist ihm nicht gelungen.

Es dürfte Nagelsmanns letztes Spiel als Bundestrainer gewesen sein. Die Entscheidung darüber hat Nagelsmann nach dem Aus in die Hände des DFB übergeben. Nach dem Scheitern bei der WM 2022 machte der DFB mit Hansi Flick weiter, wenige Monate später war er weg. Zu groß die Vorbehalte, zu groß die Sehnsucht nach einem Neustart. Eine Zukunft als Bundestrainer hat Nagelsmann nicht. Die des deutschen Fußballs bleibt düster.

Verwendete Quelle: ntv.de