Wirtschaft
Ein Schild des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht steht vor dem früheren Olympischen Dorf in Rio de Janeiro.
Ein Schild des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht steht vor dem früheren Olympischen Dorf in Rio de Janeiro.(Foto: dpa)
Dienstag, 10. Juli 2018

Einigung mit Staatsanwaltschaft: Odebrecht zahlt saftige Geldstrafe

Odebrecht steht im Zentrum eines ausgeklügelten Systems zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien und Manager. Nun muss der brasilianische Bauriese eine riesige Summe wegen Beamtenbestechung zahlen.

Der brasilianische Baukonzern Odebrecht hat sich wegen Beamtenbestechung zu Strafzahlungen an den brasilianischen Staat in Höhe von insgesamt 2,7 Milliarden Real (600 Millionen Euro) verpflichtet. Der Konzern habe sich mit der Staatsanwaltschaft auf diesen Vergleich geeinigt, sagte Staatsanwältin Grace Mendonca in Brasília. Demnach hat Odebrecht diese Woche bereits mit den Zahlungen begonnen; in 22 Jahren muss die Strafe beglichen sein.

Konkret geht es um Beamtenbestechung in rund 150 Fällen, um öffentliche Aufträge zu erhalten. Die Strafzahlungen sind Teil einer übergeordneten Einigung, in der sich Odebrecht zu Zahlungen in Höhe von umgerechnet 2,2 Milliarden Euro an die USA, die Schweiz und Brasilien verpflichtete.

Der Odebrecht-Konzern galt einst als exemplarisch für den aufstrebenden brasilianischen Industrie-Sektor. Das Unternehmen war an Großbauprojekten wie dem Simón-Bolívar-Flughafen in Caracas, der Grand-Parkway-Autobahn in Texas und der Renovierung des Maracanã-Fußballstadions in Rio de Janeiro maßgeblich beteiligt.

Spitzenpolitiker in Skandal verwickelt

In den vergangenen Jahren kam jedoch ans Licht, dass Odebrecht im Zentrum eines ausgeklügelten Systems zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager stand. Die Ermittlungen gegen den Konzern begannen 2014. Firmenchef Marcelo Odebrecht wurde im Juni 2015 verhaftet. Der daraus resultierende weitverzweigte Korruptionsskandal erschütterte mehrere Staaten Lateinamerikas.

Dutzende Politiker, darunter Brasiliens Präsident Michel Temer und Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der bereits eine langjährige Haftstrafe wegen Korruption verbüßt, sind darin verwickelt. Den peruanischen Staatschef Pedro Pablo Kuczynski zwang die Affäre im März zum Rücktritt. In Ecuador wurde der ehemalige Vize-Präsident Jorge Glas wegen Bestechlichkeit zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Quelle: n-tv.de