Wirtschaft

Leise, aber teuer Stromer als Nische in der Bootsbranche

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Motoryacht vom Typ "Greenline 39". Das Schiff hat einen Hybridantrieb und kann nur mit einem Elektromotor fahren.

(Foto: dpa)

Stromer zu Wasser werden in der Boots- und Schiffsbranche allmählich beliebter. Elektroantriebe passen aber nach wie vor nicht zu jedem. Immerhin: Eine ganz besondere Kundin aus England setzt schon auf sie.

Sonnenbaden auf dem Deck einer schicken Yacht oder mit dem Motorboot übers Wasser heizen - im Frühjahr treibt es Bootsbesitzer aufs Wasser. Alternativen zum Dieselmotor rücken dabei zunehmend in den Fokus. Elektrisch betriebene Boote gelten als umweltfreundlicher, sparen Spritgeld und sind leiser als Boote mit Verbrennungsmotoren. "Die Nachfrage ist sicher gestiegen die letzten Jahre", sagt Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft. Aber richtig in Fahrt kommt sie noch nicht.

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Dabei wäre das ökologisch naheliegend - die Schifffahrt gilt als einer der größten Umweltverpester. Weltweit sei sie für 2,5 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich, sagt Benjamin Stephan, Klima- und Verkehrsexperte bei Greenpeace. "Wir müssen weg von fossilen Brennstoffen - überall." Der Vorteil von Elektromotoren: sauberere Luft auch in Hafenstädten und auf Flüssen, zudem kann kein Öl auslaufen.

Der Druck müsse durch höhere Auflagen steigen, fordert Stephan. Warum also Umweltschutz nicht stärker zu Wasser betreiben? Ganz so einfach ist es nicht. Nach wie vor begrenzen Reichweite, Leistung und vor allem der Preis die Nachfrage. Mit alternativem Antrieb fahren heute vor allem kleinere Privatboote. "Elektroboote gibt es im Wesentlichen da, wo Verbrennungsmotoren verboten sind", sagt Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbands.

Deutz-Tochter groß im Geschäft

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Dieses Boot der Königssee-Touristenflotte fährt mit Elektroantrieb.

(Foto: dpa)

Auch auf einigen deutschen Seen begrenzen die Kommunen die Zahl der Verbrennungsmotoren. Den Anteil von Stromern auf deutschen Gewässern schätzt Meyer auf weniger als fünf Prozent. Ein großer Anbieter ist der bayerische Elektromotoren-Hersteller Torqeedo. Das 2005 gegründete Start-up mit 130 Mitarbeitern, das zum Dieselmotoren-Hersteller Deutz gehört, verkauft elektrische Systeme und Hybrid-Antriebe mit bis zu 160 PS. Mit den Systemen könne man heute in der Regel drei bis fünf Stunden auf dem Wasser unterwegs sein, sagt Geschäftsführer Ralf Plieninger. Und die Nachfrage steige.

2017 lag der Erlös laut Deutz bei knapp 26 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren habe Torqeedo Wachstumsraten von 30 bis 40 Prozent verzeichnet. Aber: Zwölf Jahre nach der Gründung steckte das Start-up mit rund 14 Millionen Euro Verlust noch tief in den roten Zahlen. Auch wenn sich Torqeedo Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat - die vorwiegende Freizeitkundschaft kauft die Motoren nicht allein aus Umweltbewusstsein. Sie entscheide sich meist für ein elektrisches System, "weil es praktisch, handlich, leicht ist und nicht stinkt, es macht keinen Dreck", räumt Plieninger ein. "Die Ökologie spielt eine kleinere Rolle."

Bei traditionellen Bootsbauern sind Stromer zu Wasser zwar Thema. Im großen Stil gehen sie aber nicht in Produktion. "Das ist momentan noch eine Nische in der Bootsindustrie", sagt Thorben Will, Marketing-Chef bei Bavaria Yachts. Seit kurzem bietet die Werft zwei Yachten mit Elektro- oder Hybridantrieb an. Aber: Der Hype sei generell noch größer als das, was tatsächlich gekauft werde. Ein wichtiges Ausschlusskriterium für Privatkunden ist laut Experten der hohe Preis.

Der "Travel" von Torqeedo kostet in der leistungsstärksten Ausführung über 2000 Euro - einen vergleichbaren 3-PS-Dieselmotor gibt es schon für einige hundert Euro. Das rechnet sich auf Dauer nur für Bootsbesitzer, die viel unterwegs sind. Im kommerziellen Betrieb ist das eher der Fall: Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn hat in den vergangenen Jahren acht Fähren und Fahrgastschiffe mit reinem E-Antrieb zugelassen. Weit verbreitet seien elektrische Komponenten. Um Binnenschiffe im großen Stil zu elektrifizieren, sind die Batterien nach Darstellung des Bundesverkehrsministeriums noch zu groß und leistungsschwach.

"Die meisten Leute wollen Speed und Fun"

Und die Leute, die richtig schnell fahren wollen? Für sie passt der Stromer noch nicht so recht ins Bild. "Die meisten Leute", sagt Meyer vom Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verband, "wollen Speed und Fun." Im Segelsport scheint die Bereitschaft größer - leistungsstarke Motoren stehen dort nicht im Vordergrund. Der niederländische Yachtenbauer Saffieryachts stellt seine Kunden beim Kauf eines 6,50 Meter langen Segelboots vor die Wahl: Diesel- oder Elektroeinbaumotor von Torqeedo - zum selben Preis. "Die meisten wollen den E-Motor", sagt Verkaufsmanager Pieter Schouten. Er erwartet in den nächsten Jahren eine Wende bei elektrischen Motoren.

Damit die Antriebe in Sachen Umweltschutz punkten können, müssten die Batterien effizient und klein sein. Bei der Herstellung würden sonst zu viele Treibhausgase ausgestoßen, sagt Umweltschützer Stephan. Manche Branchenkenner haben daher auch Zweifel, ob die E-Antriebe viel umweltfreundlicher sind als die herkömmlichen Motoren.

Torqeedo-Chef Christoph Ballin aber betont, dass bei der Produktion nicht mehr CO2 ausgestoßen werde als bei der von Verbrennungsmotoren. Bei dem Start-up ist man für die E-Mobilität zu Wasser optimistisch. Eine besonders prominente Unterstützerin haben die Bayern auch schon: das königliche Ruderboot der Queen fährt mit Torqeedo-Motor.

Quelle: ntv.de, Antonia Hofmann, dpa