Marktberichte

Sinkende Kurse an Wall Street Händler nehmen Gewinne mit

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Gewinnmitnahmen dominieren den Handelstag.

(Foto: REUTERS)

An der Wall Street bröckelt die gute Stimmung wieder, viele Händler sichern die Gewinne, die Kurse geben nach. Grund dafür sind nicht zuletzt die neuerlichen Attacken Trumps auf China.

Gewinnmitnahmen haben den Handel an den US-Börsen geprägt. Die Kurstreiber der vergangenen Tage verloren an Kraft. Hoffnungen auf Fortschritte bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus haben ebenso einen Dämpfer erhalten wie Erwartungen, dass die Wirtschaft bald wieder anspringen wird, wenn die Beschränkungen, die wegen der Pandemie verhängt wurden, gelockert werden.

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Stattdessen drückten die weiter schwelenden Spannungen zwischen den USA und China auf die Stimmung. Am späten Mittwoch hatte US-Präsident Trump China erneut Fehlinformationen und Propaganda-Angriffe vorgeworfen. Hinzu kommt, dass der US-Senat ein Gesetz verabschiedet hat, das die Börsennotierung chinesischer Unternehmen in den USA erschweren oder gar beenden könnte. Da nützte es auch nichts, dass der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Larry Kudlow, im Gespräch mit der Washington Post beteuerte, die Phase-1-Handelsvereinbarung zwischen China und den USA sei "intakt" und es bestehe nicht die Absicht, neu zu verhandeln.

"Die ganze Handelsrhetorik schürt Unsicherheit, und das auf einem Markt, der schon von jeder Menge Unsicherheit geplagt ist", sagte Justin Onuekwusi von Legal & General Investment Management. Das könne zu größeren Schwankungen führen.
Dazu zeigten neue Konjunkturdaten, dass es um die US-Wirtschaft nicht gut bestellt ist. In der vergangenen Woche haben abermals mehr Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe beantragt als erwartet, wenn auch weniger als in der Vorwoche. Der Philadelphia-Fed-Index lag im Mai tiefer in negativem Terrain als erwartet, auch wenn er sich gegenüber dem Vormonat deutlich verbessert hat. Die Markit-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende und das nicht-verarbeitende Gewerbe erholten sich im Mai zwar etwas stärker als von Ökonomen vorhergesagt, blieben aber dennoch weit unterhalb der Expansionsschwelle.

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DB Dow Jones Indikation 24.734,00

Der Dow-Jones-Index verlor 0,4 Prozent auf 24.474 Punkte. Der S&P-500 gab um 0,8 Prozent nach und der Nasdaq-Composite um 1,0 Prozent. Dabei wurden 1.554 (Mittwoch: 2.361) Kursgewinner gesehen und 1.379 (587) -verlierer. Unverändert schlossen 79 (57) Titel. 

Unternehmensseitig liefern Apple und Google Gesprächsstoff. Die beiden Technologiekonzerne haben Gesundheitsbehörden weltweit eine Plattform zur Rückverfolgung von möglichen Corona-Kontaktpersonen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bereitgestellt. "Ab heute ist unsere Technologie für die Gesundheitsbehörden verfügbar", teilten sie mit. Tracking-Apps sollen mithilfe der Bluetooth-Technologie dafür sorgen, dass Kontaktpersonen von Corona-Infizierten schneller ausfindig gemacht und informiert werden können. Apple schlossen gleichwohl 0,8 Prozent im Minus, die Aktien der Google-Mutter Alphabet gingen 0,2 Prozent niedriger aus dem Handel.

Ölpreise steigen weiter

Die Ölpreise profitierten erneut von den unerwartet zurückgegangenen US-Rohöllagerbeständen, die das US-Energieministerium am Mittwoch gemeldet hatte. Daneben stützte eine Studie von IHS Markit die Ölpreise: Die Analysten erwarten, dass die Förderunterbrechungen in den USA noch länger andauern. In Reaktion auf den Preiseinbruch im März und April wurden viele US-Ölquellen vorübergehend stillgelegt. IHS Markit schätzt, dass bis Anfang Juni die tägliche Fördermenge deshalb um 1,75 Millionen Barrel sinken wird.
Die Spannungen zwischen den USA und China ließen die Preise indessen von ihren Tageshochs zurückkommen. Der Preis für die US-Sorte WTI stieg zum Settlement um 1,3 Prozent auf 33,92 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent verteuerte sich um 0,9 Prozent je Barrel auf 36,06 Dollar.

Der Goldpreis gab nach. Der Preis für die Feinunze fiel um 1,4 Prozent auf 1.725 Dollar, was Beobachter dem wieder etwas festeren Dollar und den im Vergleich zum Vormonat leicht erholten Konjunkturdaten aus Europa und den USA zuschrieben.

Nasdaq 100
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Die Kursverluste an den Aktienmärkten verschafften dem Anleihemarkt etwas Zulauf. Die Zehnjahresrendite sank um 1,7 Basispunkte auf 0,66 Prozent. Gefragt war auch die 20-jährige Anleihe, die das US-Finanzministerium erstmals seit 1986 am Mittwoch wieder emittiert hatte. Ihre Rendite sank auf 1,165 Prozent, nachdem sich bei der Auktion am Vortag eine Rendite von 1,22 Prozent ergeben hatte.

Am Devisenmarkt kam der Euro zum Dollar wieder leicht zurück. Beobachter verwiesen auf die schwachen US-Konjunkturdaten, von denen der Dollar als Fluchtwährung in Krisenzeiten profitiere. Zudem lasse die Unterstützung des Euro durch den Anfang der Woche von Deutschland und Frankreich vorgeschlagenen Wiederaufbaufonds nach. Der Euro notierte im späten US-Handel bei rund 1,0950 Dollar, im Tageshoch kostete die Gemeinschaftswährung knapp über 1,10 Dollar.

Quelle: ntv.de