Marktberichte

Dax verharrt vor der 10.700 US-Börsen schließen verhalten

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An den US-Börsen stehen vor allem Öl- und Bankentitel unter Druck.

(Foto: dpa)

Der deutsche Leitindex ist grandios gelaufen. Er hat den bisher höchsten Stand des Jahres erreicht. Zeit für Anleger, Gewinne mitzunehmen. Derweil verzeichnen die US-Börsen auch an diesem Tag moderate Verluste.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch größtenteils zurückgehalten. Der Dax schaffte am Morgen zwar noch knapp den Sprung auf ein bisheriges Jahreshoch bei 10.708 Punkten. Davon nahm er aber "nur" 10.658 Punkte mit in den Feierabend. Damit notierte der deutsche Leitindex 0,3 Prozent niedriger als am Vortag.

Der Dax sei nach seiner Rally heiß gelaufen und anfällig für einen Rückschlag, sagte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Der grundlegende Trend habe sich aber immerhin verbessert.

Die Billiggeldflut der Notenbanken hatte die Laune der Anleger wieder deutlich aufgehellt. Alleine am Dienstag war der Dax um zweieinhalb Prozent gestiegen, damit hatte er seine bisherigen Verluste im Jahr abgeschüttelt. Sorgen um die Weltwirtschaft und die Folgen der Brexit-Entscheidung der Briten scheinen derweil wie weggeblasen.

Der ebenfalls zuletzt gut gelaufene Index der mittelgroßen Unternehmen MDax büßte zur Wochenmitte 0,1 Prozent auf 21.616 Zähler ein. Der Technologiewerte-Index TecDax schloss nahezu unverändert bei 1728 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand am Ende mit 0,3 Prozent im Minus.

Im Fokus standen zahlreiche Firmenbilanzen. Die Quartalsberichtssaison zeichnet dabei ein durchwachsenes Bild. Spekulationen auf weiteren Kapitalbedarf belasten vor allem die Aktien von Eon. Die Aktien stürzten um 7,7 Prozent ab und waren größter Verlierer im Leitindex Dax.

Der Energiekonzern wartet trotz seines radikalen Umbaus weiter auf eine Trendwende. Die vor dem Börsengang stehende Kraftwerkstochter Uniper verhagelte Eon kräftig die Bilanz. Im ersten Halbjahr fiel wegen Wertberichtigungen ein Verlust von gut drei Milliarden Euro an. Eon will 53 Prozent der Uniper-Anteile im September an die Börse bringen.

Die höhere Verschuldung des Konzerns lasse mit Blick auf künftige Dividendenzahlungen nichts Gutes ahnen, sagte ein Börsianer. Zudem gebe es eine große Gefahr, dass bei Uniper weitere Abschreibungen nötig seien. Eon selbst schloss das nicht aus, genauso wenig wie eine Kapitalerhöhung.

Eon
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"Wir haben bereits Ende 2014 davor gewarnt, dass die Bilanz von Eon nicht stark genug für eine Abspaltung ist und seitdem immer wieder bekräftigt, dass frisches Kapital gebraucht wird", schrieben die Analysten von Kepler. Eine Kapitalerhöhung in nennenswerter Höhe zeichne sich ab. "Vermeiden Sie eine Investition in Eon zu diesem Zeitpunkt." Für die Anteile des Konkurrenten RWE ging es um Schlepptau um 3,5 Prozent nach unten.

Im MDax fielen die Aktien des kriselnden Industriedienstleisters Bilfinger um 1,8 Prozent. Bilfinger bleibt nach dem zweiten Quartal zurückhaltend für das Gesamtjahr. Die Aktien des Stahlkochers Salzgitter fielen nach der Vorlage der Geschäftszahlen um 6,2 Prozent und lagen damit am MDax-Ende. Allerdings waren die Papiere zuletzt auch gut gelaufen.

Aurubis notierten trotz enttäuschenden Quartalsergebnisses 0,5 Prozent höher. Aurubis habe auf der Ergebnis- wie auch auf der Umsatzseite die Prognosen klar verfehlt, heißt es auf dem Parkett. Die anhaltend schwachen Altkupfermärkte, von Überangebot gekennzeichnete Schwefelsäuremärkte sowie die in diesem Jahr geringere Kathodenprämie hätten das Ergebnis belastet. "Insgesamt ist der Bericht enttäuschend ausgefallen", sagte ein Händler. Nach einem Kursanstieg von fast 20 Prozent seit Juli zeichne sich eine Korrektur in der Aktie ab.

Im Kleinwerte-Index SDax ließen die Aktien des Druckmaschinenbauers Heidelberger Druck nach einem enttäuschenden Quartalsbericht kräftig Federn. Die Papiere rutschten um 6,0 Prozent ab und gerieten damit von ihrem Kurs Richtung Jahreshoch ab. Der Spezialchemie-Konzerns Lanxess überzeugte hingegen mit einer stärker als erwarteten Erhöhung der Gesamtjahresziele. Die Papiere schlossen nach einer Berg- und Talfahrt 0,8 Prozent höher. 

SDax
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Verkaufsdruck gab es auch auf Air Berlin. Die Fluglinie hat ihren Verlust im zweiten Quartal mehr als verdoppelt. Sie leidet unter der Reisezurückhaltung wegen der gestiegenen Terrorgefahren und unter Überkapazitäten der Branche. Der Kurs büßte knapp 5,0 Prozent ein.

Rund lief es zuletzt auch in der zweiten Reihe im SDax. Der Index notierte mit 9.540 Punkten auf Allzeithoch. Der größte Gewinner heißt Grammer mit einem Plus seit Jahresbeginn von 78 Prozent. Der Autozulieferer hatte am Morgen nach einem starken ersten Halbjahr die Prognose angehoben. Auf Platz zwei folgt die Aktie des Stahlhändlers Klöckner, der mit einem Gewinn von 60 Prozent seit Jahresbeginn als MDax-Aufsteiger gehandelt wird.

Wall Street: Nur moderate Verluste

Die US-Börsen haben am Abend ihrer jüngsten Rekordjagd Tribut gezollt und mit moderaten Verlusten geschlossen. Auf dem aktuellen Niveau seien die Bewertungen sehr hoch, begründete ein Aktienstratege die verhaltene Kursentwicklung. Die zu Ende gehende Berichtssaison der Unternehmen sei zwar erwartungsgemäß solide verlaufen, doch das Gewinnwachstum bleibe mäßig. Vor allem Öl- und Bankentitel standen unter Druck.

Der Leitindex Dow Jones Industrial verabschiedete sich 0,20 Prozent tiefer bei 18.495,66 Punkten aus dem Handel. Zu seinem Rekordhoch aus dem Juli fehlen ihm indes nur noch 0,68 Prozent oder gut 126 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index verlor zur Wochenmitte 0,29 Prozent auf 2175,49 Zähler - am Vortag hatte er sich im Handelsverlauf das dritte Mal in Folge auf ein Rekordhoch gekämpft.

An der Technologiebörse Nasdaq ging es für den Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,26 Prozent auf 4783,39 Punkte nach unten. Am Dienstag hatte das Börsenbarometer auf dem höchsten Stand seiner Geschichte geschlossen.

Auf Unternehmensseite war die Nachrichtenlage dünn. Als eines der letzten Schwergewichte hatte Walt Disney Geschäftszahlen vorgelegt. Der Unterhaltungskonzern hatte mit Gewinn und Umsatz die Erwartungen übertroffen und zugleich den Erwerb von einem Drittel an BAMTech für 1 Milliarde Dollar angekündigt. Macquarie stufte die Aktie auf "Outperform" hoch, der Kurs stieg um 1,2 Prozent.

Indes gaben Solarcity 0,7 Prozent ab. Das Solarenergieunternehmen, das demnächst von Tesla übernommen wird, hatte einen überraschend hohen Quartalsverlust verbucht.

Aus der Modebranche kamen unterdessen sowohl gute als auch schlechte Nachrichten. Sowohl Ralph Lauren als auch Michael Kors hatten nicht so schlecht abgeschnitten wie befürchtet, auch wenn beide das sinkende Kundenaufkommen in den Geschäften zu spüren bekamen. Doch während sich erstere für das laufende Geschäftsquartal optimistischer als erwartet zeigte, warnte Michael Kors vor einem Umsatzrückgang. Die Aktie von Ralph Lauren stieg um 8,5 Prozent, für Michael Kors ging es dagegen um 2,8 Prozent nach unten.

Asien: Starker Yen bremst Nikkei

Nikkei
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Auch an den ostasiatischen Börsenplätzen herrschte überwiegend Ruhe. "Es ist wirklich sehr ruhig heute, trotz des Allzeithochs an der Wall Street", sagte Marktanalystin Margaret Yang von CMC Markets.

Einen kleinen Stimmungsaufheller lieferten die japanischen Maschinenbauaufträge, die besser als erwartet ausfielen und damit eine Erholung bei den Investitionen anzeigen. Stützend wirkte auch die Spekulation, dass die Bank of Japan aktuell Aktien-ETFs (Exchange-Traded Funds) kauft, wie Tomoichiro Kubota von Matsui Securities sagt.

Am japanischen Markt verhinderte ein gestiegener Yen größere Aufschläge, so dass der Nikkei-225 bei einem Plus von 0,3 Prozent stehen blieb. Auch an den anderen Märkten fehlte es an Dynamik. In Schanghai ging es um 0,1 Prozent abwärts, in Hongkong um 0,4 Prozent nach oben, in Australien 0,3 Prozent nach unten.

Rohstoffe: Spekulationen auf Überangebot bei Öl

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 58,36

Spekulationen auf ein anhaltendes Überangebot belasteten die Ölpreise. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 1,9 Prozent auf 44,11 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 41,88 Dollar gut zwei Prozent weniger. In den USA waren die Rohölbestände amtlichen Angaben zufolge in der vergangenen Woche überraschend gestiegen.

Die Lagerbestände stiegen nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 1,055 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Erwartet worden war ein Rückgang um 0,8 Millionen.  In der Vorwoche hatten sich die Rohöllagerbestände überraschend um 1,413 Millionen Barrel erhöht. Bei den bereits am Vortag veröffentlichten Daten des privaten American Petroleum Institute (API) war mit 2 Millionen Barrel eine Zunahme registriert worden.

Zwar sanken die Benzinbestände deutlicher als erwartet, doch belastete laut Händlern vor allem auch die Förderzahlen der Opec für Juli. Schon am Dienstagabend hatten die Preise nachgegeben, nachdem das US-Energieministerium einen etwas geringeren Rückgang der US-Ölförderung für das laufende Jahr in Aussicht gestellt hatte.

Die Ölpolitik Saudi-Arabiens sprach ebenfalls für eher fallende Preise. Denn das Land hat im Juli so viel Öl wie nie zuvor gefördert und damit die Produktion des Opec-Verbundes kräftig nach oben getrieben. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hervorging, steigerten die Mitgliedsstaaten die Fördermenge auf 33,11 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag. Dies ist der höchste Wert seit mindestens 2008.

Der Goldpreis legte dagegen zu. Er profitierte vom schwächeren US-Dollar. Die Feinunze Gold stieg um 1,1 Prozent auf 1.356 Dollar.

Devisen: Dollar gibt weiter nach

Euro / Dollar
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Der Dollar baute derweil seine Vortagesverluste weiter aus. Hintergrund sind immer noch die am Vortag gemeldeten schwachen Daten zur US-Produktivität. Sie haben am Devisenmarkt die Frage aufgeworfen, inwieweit die US-Notenbank noch in der Lage ist, in näherer Zukunft, die Zinsen anzuheben.

Während die US-Devise auf breiter Front nachgab, stieg der Euro auf 1,1175, verglichen mit Vortagestiefs im Bereich knapp unter 1,1075 und frühen Mittwochkursen von 1,1125. Devisenexperte Hans Redeker von Morgan Stanley sagt eine anhaltende Dollarschwäche voraus: "Die Produktivitätsdaten von gestern waren ein Schock". Sie deuteten auf ein deutlich schwächeres US-Wachstumspotenzial hin. Im zweiten Quartal war die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft um 0,5 Prozent gesunken, bereits das dritte Quartal in Folge.

Quelle: ntv.de, kpi/mbo/ddi/rts/DJ/dpa