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Der Präsident der Türkei, Erdogan, hatte Kanzlerin Merkel "Nazi-Methoden" vorgeworfen.
Der Präsident der Türkei, Erdogan, hatte Kanzlerin Merkel "Nazi-Methoden" vorgeworfen.(Foto: picture alliance / Kayhan Ozer/P)

Aus Sorge um Europa: Ankara rechtfertigt Nazi-Vorwürfe

Die Bundesregierung verbittet sich Nazi-Vergleiche, die türkische Regierung verteidigt sie. Ankara wolle seine "europäischen Freunde" nur vor der Faschismus-Falle warnen, sagt der türkische Vizepremier. Ärger gibt es auch mit der dänischen Regierung.

Die türkische Regierung hat ihre Nazi-Vorwürfe an Deutschland und andere europäische Länder als Warnung vor dem Faschismus gerechtfertigt. "Wir hören das Marschieren des Faschismus und der Nazis", sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Numan Kurtulmus vor Journalisten in Ankara. "Dagegen müssen Schritte eingeleitet werden - wir sagen diese Sachen, damit sie nicht in die Falle des Faschismus tappen", fügte er hinzu.

Der türkische Vizepremier Numan Kurtulmus.
Der türkische Vizepremier Numan Kurtulmus.(Foto: REUTERS)

"Wir ziehen diese Nazi- und Faschismusvergleiche, weil wir uns um die Zukunft unserer europäischen Freunde sorgen", sagte Kurtulmus weiter. Europa sei ein "enger Verbündeter, Freund und Nachbar" der Türkei und stehe vor einer "sehr schlechten Zukunft". Damit die Europäer nicht "den faschistischen und rassistischen Reden erliegen", müssten Maßnahmen ergriffen werden.

Der türkische Vizepremier warf den europäischen Staaten zugleich vor, gegenüber der Türkei antidemokratisch eingestellt zu sein. Die Haltung vertrage sich nicht mit den europäischen Werten und Menschenrechten. Es sei zudem inakzeptabel, dass sich in deutschen Zeitungen so viele Überschriften zur Türkei fänden. Dies sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten.

Die Türkei hat Deutschland und den Niederlanden wegen verbotener Wahlkampfauftritte türkischer Politiker wiederholt "Nazi-Methoden" vorgeworfen. Erst an diesem Montag forderte Kanzlerin Angela Merkel erneut, dies müsse aufhören.

Dänemark bestellt türkischen Geschäftsträger ein

Unterdessen bestellte Dänemarks Außenministerium den Geschäftsträger der türkischen Botschaft ein. Anlass waren Medienberichte, wonach dänische Staatsbürger mit türkischen Wurzeln wegen Kritik an Erdogan vor türkischen Behörden denunziert worden sein sollen. Das Außenministerium in Kopenhagen erklärte, es habe deutlich gemacht, dass Dänemark es "mit großer Sorge" sehe, dass dänische Staatsbürger offenbar von den türkischen Behörden registriert und wegen ihrer politischen Meinung des Verrats beschuldigt würden.

Die dänische Tageszeitung "Berlingske" hatte am Samstag über mehrere Fälle berichtet, in denen Dänen türkischer Herkunft anonyme Anrufe erhielten oder auf Facebook kontaktiert wurden. Demnach wurde ihnen mitgeteilt, dass ihre Namen an die türkischen Behörden weitergeleitet worden seien.

Quelle: n-tv.de

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