Politik
Hatte seinen großen Tag: Donald Trump.
Hatte seinen großen Tag: Donald Trump.(Foto: REUTERS)
Samstag, 21. Januar 2017

Trump trumpft beim Amtseid groß auf: Ein Land zwischen Hass und Hoffnung

Von Hansjürgen Mai, Washington D.C.

Der Auftritt von US-Präsident Trump bei seinem Amtseid zeigt, dass er an seinem provokanten Stil festhalten will. Seine Anhänger quittieren die Rede mit Jubel und viel Hass für den Gegner. So spiegelt die Inaugurationsfeier die Zerrissenheit der USA.

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Was seine Anhänger schon seit November herbeisehnten, ist nun für das ganze Land Realität geworden. Donald Trump ist seit gestern der 45. Präsident der USA. Trump, der nur 46,1 Prozent der Stimmen in Land ergattern konnte, setzte mit seiner Einweihung ein deutliches Zeichen. Er wiederholte auch als Amtsinhaber all die Dinge, die ihn im Wahlkampf zum Erfolg verholfen hatten: mehr Arbeitsplätze, weniger Immigration und grundlegende Veränderungen in der Hauptstadt Washington D.C.

Während seiner Rede skandierten Teile des Publikums immer wieder begeistert "Trump, Trump" und "USA, USA". Zudem bejubelten viele Menschen jeden seiner Sätze mit einem lautstarken "Thank you".

"Wir sind den ganzen Weg von Mississippi gekommen, nur um zu sehen wie aus Trump der nächste US-Präsident wird", sagte Bill, der sich zusammen mit seiner Frau Mary die Inaugurationen nicht entgehen lassen wollte.  So wie ihnen ging es vielen gestern. "Endlich räumt jemand in Washington auf", sagte Jacob, 29, aus Michigan.

Hoffen auf Veränderung

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Die Ansicht, dass Washington die einfachen Menschen vergessen hat, ist in der Bevölkerung weit verbreitet und ganz besonders unter Trump-Anhängern. "Wir haben Obama und die liberalen Ideen der Demokraten satt", ergänzte Jacob. "Was wir brauchen sind Arbeitsplätze, gut bezahlte Arbeitsplätze".

Viele seiner Wähler glauben fest an Trumps Botschaft. Wenn er sagt, dass er Amerikas Interessen an erste Stelle stellen wird, reagieren viele Zuhörer wie euphorisiert. "Es ist an der Zeit, dass sich jemand um uns kümmert", sagte Doug Harris. "Wir stecken so viel Geld in andere Länder. Es ist Zeit, dass sich hier etwas verbessert."

Der wirtschaftliche Aufschwung, den das Land nach der Wirtschaftskrise von 2008 durchlaufen hat, ist bei vielen US-Bürgern einfach nicht angekommen. Amerikas Infrastruktur zerfällt, die Einkommen halten nicht Schritt mit steigenden Lebenshaltungskosten.

"Es geht aufwärts"

"Heute ist ein toller Tag für Amerika", schrie ein Mann in einer gut gefüllten U-Bahn. "Es geht aufwärts." Dieser Optimismus, dass eine Person alles verändern kann, erinnert stark an die Wahl von Barack Obama vor acht Jahren, nur dass jetzt eben 'die anderen' das Ruder übernehmen.

Die USA sind eine gespaltene Nation. Deutlich wurde dies bei der Inauguration immer dann, wenn ein Demokrat das Wort ergriff. Die Rede von US-Senator Chuck Schumer kurz vor Trumps Vereidigung wurde überschattet von Buhrufen und anderen hämischen Äußerungen des Publikums.

Mittelfinger für Obama

Die tiefe Abneigung zwischen Demokraten und Republikanern offenbarte sich auch, als Präsident Obama vom Weißen Haus abhob und zu Andrews Air Force Base flog. Viele Menschen verabschiedeten Trumps Vorgänger mit einem Mittelfinger Richtung Himmel. Proteste am Rande der Einweihungsfeier konnten den Ablauf der Feierlichkeiten auf der National Mall nicht wirklich stören. Dabei wurden mehr als 200 Menschen nach Auseinandersetzungen mit der Polizei verhaftet.

"Die Leute, die jetzt am meisten jammern und protestieren, sind diejenigen, die in vier Jahren Trump wählen, nachdem sie gesehen haben, wie viel er verbessern wird", sagte Derek aus North Dakota. Während der Einweihung auf den Stufen des amerikanischen Kongresshauses und später beim Straßenumzug blieb es dagegen ruhig.

Zuschauer bejubelten Trump und seine Frau Melania als diese sich auf den Weg vom US-Kongress Richtung Weißes Haus begaben. Später im Verlauf des Abends unterzeichnete Trump seine ersten "Executive Orders", bevor er den Tag mit einem Tänzchen ausklingen ließ.

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Quelle: n-tv.de

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