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Donald Trump versprach, die Republikaner zu einen. Tatsächlich scheint er aber eher zu Spaltung der Partei beizutragen.
Donald Trump versprach, die Republikaner zu einen. Tatsächlich scheint er aber eher zu Spaltung der Partei beizutragen.(Foto: imago/UPI Photo)

Die Super-Tuesday-Bilanz: Fünf Lehren aus der Wahlnacht

Von Issio Ehrich und Hubertus Volmer

Kann der "Trickbetrüger" Trump die Republikaner wirklich einen? Warum gibt der demokratische Sozialist Sanders nicht auf, obwohl er kaum noch gegen Clinton siegen kann? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Super Tuesday.

Donald Trump ist nur noch theoretisch zu stoppen

In der Theorie können die Gegner von Donald Trump den Immobilienmilliardär noch als Kandidat der Republikaner verhindern. Am 15. März finden Vorwahlen in fünf großen Bundesstaaten statt, in Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio. Bei den meisten dieser Wahlen erhält der Sieger - anders als am Super Tuesday - alle Delegierten, nicht nur einen Teil. Noch während die Stimmen ausgezählt wurden, kündigte eine konservative Lobby-Gruppe an, sie werde in Florida 1,75 Millionen Dollar ausgeben, um einen Sieg Trumps zu verhindern.

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Doch es wird verdammt schwer, das Blatt noch zu wenden. Trump hat an diesem Super Tuesday endgültig bewiesen, dass sich sein Erfolg nicht nur auf bestimmte Regionen und parteiinterne Ideologien reduzieren lässt. Er triumphierte in tief konservativen Staaten im Süden, aber auch im moderateren Norden, wie etwa in Massachusetts.

Ein Riesenplus Trumps ist zudem: Eine echte Chance, ihn noch zu besiegen, besteht nur, wenn es einem Kandidaten gelingt, alle Trump-Gegner hinter sich zu vereinen. Doch das Feld seiner Gegner wird sich auch nach diesem Super Tuesday nicht allzu schnell lichten. Ben Carson, der Neurochirurg im Ruhestand, spielt zwar keine Rolle mehr, ist aber noch nicht ausgeschieden. John Kasich wird nicht ausscheiden, weil er noch auf seinen Heimatstaat Ohio hofft, wo in zwei Wochen gewählt wird. Auch Ted Cruz und Marco Rubio werden nach diesem Vorwahltag gewiss noch nicht aufgeben.

Ted Cruz versucht es jetzt präsidial

Ausgerechnet Ted Cruz, der in seiner republikanischen Partei nicht viele Freunde hat, rief sich zum Trump-Bezwinger aus. Dabei zitierte er Franklin D. Roosevelt und John F. Kenedy - zwei demokratische Präsidenten. Er wollte offenbar signalisieren, dass er den überparteilichen Präsidentenmodus beherrscht. Glaubhaft ist das nicht. Trotzdem könnte bei vielen Republikanern aus dem Establishment, die Cruz normalerweise mit Stolz zu seinen Feinden zählt, die Abneigung gegen Trump größer sein als gegen Cruz. Cruz hat ein weiteres Argument auf seiner Seite: "Unsere Kampagne ist die einzige, die Trump besiegt hat und die Trump besiegen kann", sagte er. Dem können die anderen Trump-Gegner wenig entgegensetzen.

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Überraschung: Auch Marco Rubio kann Vorwahlen gewinnen

Weil Cruz zu radikal und Kasich zu erfolglos ist, liegt die Hoffnung des republikanischen Establishments aber noch ganz auf Marco Rubio. Rubio hatte bisher noch keine Vorwahl gewonnen. Doch das hat sich mit einem Triumph in Minnesota geändert. Er hätte wohl auch ohne diesen Sieg weitergekämpft: Bereits bevor das Ergebnis aus Minnesota vorlag, nannte er Trump zum wiederholten Mal einen "Trickbetrüger".

Rubio setzt auf einen weiteren Erfolg in seiner Heimat Florida. Dort wird am 15. März gewählt, und Rubio kann Umfragen zufolge mit einem Wahlsieg rechnen. Das muss er auch, sonst ist seine Kandidatur endgültig aussichtslos.

Hillary Clinton wird die Kandidatin der Demokraten sein

Bei den Demokraten gewann Bernie Sanders zwar vier Bundesstaaten, doch dabei handelte es sich vor allem um Staaten, in denen es wenige Delegierte zu holen gab. Hillary Clinton setzte sich somit klar von ihrem Herausforderer ab.

Clinton punktete insbesondere bei den Schwarzen in Amerika. Sie holte mitunter 80 Prozent ihrer Stimmen. Anders als Sanders setzt sich die frühere Außenministerin explizit für deren Interessen ein. Statt auf eine Politik, die auf bestimmte Bevölkerungsgruppen zugeschnitten ist, setzt der demokratische Sozialist Sanders dagegen auf einen Ansatz, der eher die Unterschiede zwischen Einkommensklassen in den Fokus nimmt - Hautfarbe hin oder her.

Die Rebellen spielen in beiden Parteien extrem unterschiedliche Rollen

Trump und Sanders gelten als Gegner des politischen Establishments, als Rebellen. Beide spielen in ihren Parteien aber gänzlich unterschiedliche Rollen - ganz abgesehen davon, dass der eine (Trump) auf der Gewinnerstraße ist, der andere (Sanders) kaum noch Chancen auf einen Sieg hat.

Der größte Unterschied zwischen den beiden: Trumps Wahlsieg droht die republikanische Partei zu spalten. Der Milliardär sagte am Wahlabend zwar, er sei jemand, der die Leute zusammenführt. Aber das stimmt nicht. Wenn Trump Präsidentschaftskandidat der Republikaner werde, "dann bin ich raus", sagte der republikanische Senator Ben Sasse dem Sender MSNBC. Trumps Sieg wäre eine "feindliche Übernahme" der Partei.

Bei den Demokraten droht ein solches Szenario nicht. Die Partei ist schlicht nicht so gespalten wie die Republikaner. Und so wird Sanders zwar weiterhin gegen Clinton antreten. Aber dabei dürfte es ihm vor allem darum gehen, Amerika zu verändern - zur Not mit Clinton als Präsidentin. Sanders hat von Anfang an betont, dass es nicht reicht, einen Präsidenten zu wählen, um die USA zu verändern; das Land brauche eine "politische Revolution". Diesen Satz kann man auch so lesen, als wolle er mit seiner Bewerbung nur politische Inhalte nach vorne bringen. Selbst bei einer Niederlage kann Sanders für sich in Anspruch nehmen, Clinton nach links gerückt zu haben.

Alle Details zum Super Tuesday gibt es hier zum Nachlesen im Liveticker.

Quelle: n-tv.de

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