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Peschmerga-Kämpfer am Mossul-Staudamm.
Peschmerga-Kämpfer am Mossul-Staudamm.(Foto: AP)

USA und Syrien bombardieren: IS-Terroristen verlieren Mossul-Staudamm

Im Kampf gegen die IS-Miliz gelingt den Kurden und den irakischen Spezialkräften ein wichtiger Gegenschlag. So erobern sie den Mossul-Staudamm vollständig zurück. In Syrien greift die dortige Luftwaffe die Dschihadisten an.

Kurdischen Soldaten haben im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak den strategisch wichtigen Mossul-Staudamm zurückerobert. Peschmerga-Truppen griffen mit US-Luftunterstützung mehrere Stellungen der Islamisten an. Der Mossul-Staudamm ist als größter des Landes von entscheidender Bedeutung für die Trinkwasserversorgung und Stromerzeugung im Irak.

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Die kurdischen Truppen hätten gemeinsam mit irakischen Spezialeinheiten den Staudamm unter vollständig unter Kontrolle gebracht, berichtete das staatliche Fernsehen Iraks unter Berufung auf einen Armeesprecher. Nach Angaben des kurdischen Nachrichtenportals Rudaw wurden der IS-Miliz "große Verluste" zugefügt. Nach Angaben beider Medien gehen die Kämpfe weiter. Das US-Zentralkommando in Tampa/Florida teilte zudem mit, Kampfjets und unbemannte Drohnen hätten erfolgreiche Schläge gegen IS-Stellungen nahe dem Staudamm ausgeführt.

US-Präsident Barack Obama wies in einem Schreiben an den US-Kongress auf die Wichtigkeit der US-amerikanischen Luftangriffe hin. Der Ausfall des Staudamms könnte das Leben von einer Vielzahl von Zivilisten, darunter auch US-Bürger, gefährden. Der Einsatz sei in Umfang und Dauer begrenzt. Die militanten Islamisten hatten den Staudamm, der rund 40 Kilometer nördlich von Mossul liegt, Anfang August eingenommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Nordirak mangels Widerstands der irakischen Armee von den IS-Kämpfern förmlich überrannt.

Syrische Luftangriffe auf IS

Unabhängig von den US-Angriffen auf IS-Stellungen im Nordirak flog auch die syrische Luftwaffe mehrere Angriffe in den ostsyrischen Provinzen Al-Rakka und Dair as-Saur. Dort wurden nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur bei insgesamt 41 Luftschlägen mehrere IS-Stellungen zerstört. 31 Extremisten sollen getötet worden sein. Al-Rakka gilt als Hauptstadt des selbst ernannten Kalifats der militanten Islamisten. Anfang August hatten IS-Kämpfer die letzten syrischen Soldaten aus der ölreichen, an den Irak angrenzenden Provinz vertrieben.

In beiden Ländern haben die Extremisten nach Angaben von Menschenrechtlern in den vergangenen beiden Wochen mehrere hundert Menschen getötet. Allein in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur habe die Miliz 700 Stammesangehörige umgebracht, die nicht für sie kämpfen wollten, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Am Freitag sollen zudem rund 300 Männer der religiösen Minderheit der Jesiden von IS-Kämpfern im Nordirak getötet worden sein, berichtete die Hilfsorganisation Help unter Berufung auf Flüchtlinge aus der Sindschar-Region. Frauen und Kinder seien dort verschleppt worden.

Bewohner hatten zuvor berichtet, dass in dem Ort Kudschu südlich von Sindschar mindestens 100 jesidische Männer getötet worden seien. Zunächst war am Freitag von 80 Opfern des Massakers die Rede gewesen.

Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge

Die Schreckensherrschaft der Terrormiliz treibt Hunderttausende zur Flucht. Allein im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak leben derzeit nach UN-Angaben rund 350.000 irakische und 220.000 syrische Flüchtlinge. "Die Menschen, die ich getroffen habe, haben eine panische Angst vor den Kämpfern des Islamischen Staates", schilderte der Help-Nothilfekoordinator Friedhelm Simon. Help versorgt derzeit im Nordirak rund 14.000 Binnenflüchtlinge mit Nahrungsmitteln.

Die syrischen Menschenrechtler berichteten, die militanten Islamisten würden jeden töten, der ihnen die Gefolgschaft verweigere. So seien die 700 Männer des Stammes Al-Schuaytat getötet worden, weil sie nicht bereit gewesen seien, für den Islamischen Staat zu kämpfen. Auch die im Nachbarland Irak getöteten Jesiden waren Berichten zufolge vor die Wahl gestellt worden, zum von den Extremisten anerkannten sunnitischen Islam zu konvertieren. Die ethnische Minderheit der Jesiden wird von den Extremisten als "Teufelsanbeter" verunglimpft.

Derweil gibt es in Deutschland weiter Stimmen gegen Waffenlieferungen an die irakischen Kurden. So äußerte Linken-Chefin Katja Kipping bei n-tv die Befürchtung, dass die Waffen in die falschen Hände geraten könnten. Sie kritisiert in diesem Zusammenhang die Politik der Türkei. "Die Türkei führt gegenwärtig eine Politik, die eine Unterstützung für die Terrormiliz IS darstellt." Kipping forderte in diesem Zusammenhang ein klares Auftreten der Bundesregierung gegenüber dem Nato-Partner.

Quelle: n-tv.de

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