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Geschafft! John Kasich erlebt den Höhepunkt seines Wahlkampfs.
Geschafft! John Kasich erlebt den Höhepunkt seines Wahlkampfs.(Foto: dpa)

Clinton kaum noch zu stoppen: Kasichs Sieg verschafft Trump-Gegnern Zeit

Von Volker Petersen, New York

Der zweite "Super-Tuesday" des US-Vorwahlkampfes bringt den Amerikanern einen spannenden Wahlabend. Hillary Clinton holt wichtige Siege, Trump kassiert eine Niederlage in Ohio. Seine parteiinternen Gegner gewinnen dadurch etwas Zeit.

Es hat zumindest aus europäischer Sicht etwas Beruhigendes, dass Donald Trump nicht einfach so jede Wahl gewinnt. Dass der gemäßigt-konservative Republikaner John Kasich, das personifizierte Gegenprogramm zu dem populistischen Überflieger, diesen mit einem sachlichen und fairen Wahlkampf schlagen konnte, ist eine gute Nachricht.

Ob Kasichs Sieg in Ohio aber viel am Gesamtbild ändert, ist eine andere Frage. Bislang hat Trump den Vorwahlkampf dominiert und das dürfte trotz seiner Niederlage in Ohio auch so bleiben. Denn er gewann ja in Florida und vermutlich ist es ihm so lieber als anders herum. Im "Sunshine State" war mehr für ihn zu holen. Dort ging es um 99 von insgesamt 367 der am Dienstag zur Wahl stehenden Delegierten. Alle wählen nun Trump, the winner takes it all. Da wird er die 66 Delegierten aus Ohio verschmerzen können. Zumal weitere aus Illinois, North Carolina und Missouri hinzukommen. 

Kasich hat Trump die 66 Delegierten aus Ohio vor der Nase weggeschnappt.
Kasich hat Trump die 66 Delegierten aus Ohio vor der Nase weggeschnappt.(Foto: AP)

Was heißt das nun? Ist Trump damit durch? War das die Vorentscheidung? Tatsache ist: Es sah vor dem zweiten "Super Tuesday" schon blendend für Trump aus und daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Hätte er auch in Ohio gewonnen, wäre er kaum noch aufzuhalten gewesen. Dann hätten alle Hoffnungen auf Cruz geruht, weil Kasich dann vermutlich aufgegeben hätte. Wer zuvor für den Mann aus Ohio oder auch Marco Rubio aus Florida war, hätte dann vielleicht für den Texaner gestimmt. Um Trump zu verhindern.

Kasich - aufregend wie ein Büro-Ordner

Nachdem Marco Rubio ausgeschieden ist, kämpfen noch drei Kandidaten um die Kandidatur der Republikaner. Man kann davon ausgehen, dass Trump nun weiter die Nase vorn hat, da seine Gegner sich auf zwei Konkurrenten verteilen. Die könnten kaum unterschiedlicher sein - da der dauermoralisierende Anti-Washington-Aktivist, dort der bedächtige Fachpolitiker mit reichlich Hauptstadt-Erfahrung, der Brücken zu den Demokraten bauen will. Allerdings einer aus der Ära George W. Bush, der für Waffenlieferung an die Ukraine ist und den IS mit einem großen Koalitionskrieg niederringen möchte.

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Nimmt Kasichs Kampagne nun noch einmal richtig Fahrt auf? Möglich. Nach seinem Sieg ist ihm mehr Aufmerksamkeit gewiss. Das Problem ist nur, dass er weiterhin John Kasich ist. Der 63-Jährige verfügt zwar über Kompetenz und Erfahrung, wirkt aber nicht viel aufregender als ein Büro-Ordner. Der sechs Jahre ältere und dynamischere Trump dagegen sagt Millionen Frustrierten genau das, was sie hören wollen. Und das funktioniert. Kasich hat nun allerdings ein Argument mehr: Er kann nun auf seinen Wahlsieg in seiner Heimat verweisen - vielleicht lassen sich Wähler zwischen Kalifornien und New York davon noch beeindrucken. Doch bislang verhallte Kasichs Kampagne in dem riesigen Land ohne große Resonanz.

Trump Gegner hoffen auf Plan B: Contested Convention

Dennoch ist Kasichs Sieg in Ohio wichtig. Er verschafft den Trump-Gegnern bei den Republikanern ein bisschen Zeit. Denn die hoffen auf das, was für den Gouverneur von Ohio und Cruz die letzte Chance sein könnte: eine sogenannte "Contested Convention". Wenn bis zum Nominierungsparteitag der Republikaner am 7. Juni in Cleveland kein Kandidat 1237 Delegierte gewonnen hat, wird dort noch einmal ganz neu überlegt. Dann müssen die Kandidaten die Parteimitglieder überzeugen und die Kandidaten-Bindungen der Delegierten sind zu einem großen Teil hinfällig. Die Zeitung "USA Today" nannte das einen "Traum für Politjunkies" und einen "Albtraum für die Republikaner".

Zurzeit sieht es danach aus, dass Trump dann kaum Chancen hätte - das vielzitierte Partei-Establishment lehnt ihn ab. Mit dem Washington-Hasser Cruz könnte man sich eigentlich auch nur mit Bauchschmerzen anfreunden, um Trump zu verhindern und einen starken Kandidaten ins Rennen zu schicken. Kasich dagegen dürfte dann dank seiner Kompetenz und Erfahrung plötzlich zu jemandem werden, der er in diesem Wahlkampf noch gar nicht war: ein heißer Kandidat. "Wir werden den ganzen Weg bis nach Cleveland gehen und uns die republikanische Nominierung sichern", sagte Kasich am Dienstagabend und dürfte dabei auch an diesen Plan B gedacht haben. Der Weg nach Cleveland ist aber noch lang. Noch sind 18 weitere Vorwahlen zu absolvieren, erst 11 liegen hinter den Kandiaten.

Das Rennen ist also noch nicht entschieden - so gut wie sicher ist aber seit diesem "Super Tuesday", gegen wen der republikanische Kandidat antreten wird: Hillary Clinton. Nach ihrem Triumphzug durch Florida, Ohio und North Carolina ist ihr die Kandidatur kaum noch zu nehmen. Daran ändern die knappen Ergebnisse in Illinois und Missouri kaum etwas, da bei den Demokraten die Delegierten immer nach dem Wahlergebnis verteilt werden. Daher hätte ihr Rivale Bernie Sanders hohe Siege gebraucht, um den Abstand zu verringern. Auch die Partei unterstützt Hillary, die allermeisten der einflussreichen Super-Delegierten sind auf ihrer Seite. Bei denen handelt es sich um einflussreiche Parteimitglieder, die nicht an Abstimmungen aus Vorwahlen gebunden sind, aber trotzdem den Kandidaten mitbestimmen. Oder sagen wir: die Kandidatin.

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Quelle: n-tv.de

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