Politik
Video

Altbundespräsident auf Trauerreise: Merkel schickt Wulff nach Saudi-Arabien

Vor knapp drei Jahren trat er von seinem Amt als deutsches Staatsoberhaupt zurück - jetzt kehrt er in offizieller Mission in den Dienst der Bundesrepublik zurück. In Riad kursieren unterdessen Spekulationen um den Gesundheitszustand des neuen Königs.

Altbundespräsident Christian Wulff wird Deutschland bei der Trauerfeier für den saudischen König Abdullah vertreten. Wulff reise auf Bitten von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Riad, teilte eine Regierungssprecherin mit. Die Trauerfeier soll an diesem Samstagabend stattfinden. Zu den Hintergründen der Entsendung Wulffs wollte sie sich nicht äußern.

Diplomatisch die beste Lösung? Altbundespräsident Christian Wulff reist für Deutschland nach Saudi-Arabien.
Diplomatisch die beste Lösung? Altbundespräsident Christian Wulff reist für Deutschland nach Saudi-Arabien.(Foto: picture alliance / dpa)

Der saudische Monarch Abdallah war am späten Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren gestorben, bereits am Freitag wurde er nach islamischem Ritus in einem nicht markierten Grab beerdigt. Merkel kondolierte zum Tod von Abdullah und rühmte dessen "ausgewogene und vermittelnde Politik im Nahen Osten". Aus welchen Überlegungen heraus die Kanzlerin den Trauerfeierlichkeiten fernbleiben will, ist unklar. Möglicherweise will Merkel dem saudischen Königshaus damit heikle Protokollfragen ersparen. Womöglich aber ist sie aufgrund ihres Geschlechts gar nicht eingeladen.

In dem streng religiös geprägten Land dürfen Frauen am öffentlichen Leben in der Regel - wenn überhaupt - nur verschleiert teilnehmen. Mit westlichen Werten wie Freiheit und Gleichberechtigung sind diese strikt kontrollierten Vorgaben nicht vereinbar. "Frauen leben in Saudi-Arabien in größter Unterdrückung", betonte n-tv.de Politikredakteur Issio Ehrich in einem Kommentar zum Umgang des Westens mit den autoritären Machtstrukturen in Saudi-Arabien. "Dass sie nicht Auto fahren dürfen, ist dabei noch das geringste Übel. Es gibt nur wenige Staaten, die einen fundamentalistischen Islam derart rigide in Innenpolitik umsetzen wie Saudi-Arabien - Sittenwächter inklusive."

Die Vereinigten Staaten erwarten nach dem Tod von König Abdallah ausdrücklich keine Veränderungen in ihren Beziehungen zu dem engen Verbündeten am Golf. "Wir haben eine lange Geschichte der Zusammenarbeit", sagte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki. "Wir haben keine Anzeichen, dass sich etwas an dieser Zusammenarbeit ändern wird."

Washington stützt das Königshaus

Video

Unter Abdallah war Saudi-Arabien zu einem der wichtigsten Partner der Vereinigten Staaten im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aufgestiegen. Psaki betonte, dass Washington auf eine Fortführung der "engen Partnerschaft" mit Riad setze. Saudi-Arabien gehe gerade durch eine "Zeit des Trauerns", sagte sie. "Aber es gibt eine Reihe von Themen, bei denen wir zusammengearbeitet haben." Als Beispiele nannte Psaki die arabische Friedensinitiative für den Nahen Osten und den Militäreinsatz gegen die IS-Miliz.

US-Präsident Barack Obama hatte den verstorbenen Monarchen zuvor als "aufrichtigen" Staatsführer gewürdigt, der besonders bei seinem Einsatz für einen Frieden im Nahen Osten "Mut" bewiesen habe. Der hochbetagte Abdallah war in der Nacht auf Freitag gestorben. Am Nachmittag wurde er nach einer Trauerfeier in der Imam-Turki-Moschee in Riad beigesetzt. Hunderte Menschen sprachen in der Hauptstadt Riad das Totengebet für den verstorbenen König.

Begleitet von einer Menschenmenge trugen Familienmitglieder den verhüllten Leichnam hinaus. Im Beisein von Verwandten wurde sein Leichnam unmittelbar darauf der Erde übergeben. Zum neuen König wurde Abdallahs Halbbruder Salman ernannt. Noch am Abend schworen Mitglieder der Königsfamilie und ausgewählte Bürger König Salman in einem Palast ihre Treue.

Wie geht es König Salman?

Der Machtwechsel im saudischen Königshaus verläuft bislang offenbar vollkommen reibungslos. "Wir werden an der rechtschaffenen Politik festhalten, die Saudi-Arabien seit der Gründung durch König Abdelasis verfolgt hat", erklärte der 79-jährige neue König in seiner ersten TV-Ansprache nach dem Tod seines Vorgängers. Salmans Fernsehansprache nährte jedoch Sorgen um seinen Gesundheitszustand. Der neue Regent sprach kurzatmig und war schwer zu verstehen. Seit langem gibt es Gerüchte, dass er an Demenz leidet.

Als neuer starker Mann in Saudi-Arabien gilt deshalb der zum Kronprinzen ernannte Mukrin (69), wie Salman einer der zahlreichen Söhne des Staatsgründers. Zum Vize-Kronprinzen ernannte der Königshof Prinz Mohammed bin Naif (55). Dieser wäre im Falle einer Machtübernahme der erste Vertreter aus der Enkelgeneration des Staatsgründers auf dem Thron. Salmans Sohn Mohammed ist neuer Verteidigungsminister.

Der Thronwechsel kommt in einer für Saudi-Arabien sehr schwierigen Zeit. Der Vormarsch der Terrormiliz IS im Irak bis an die Grenzen des Königreichs und der Staatszerfall im benachbarten Jemen haben das Herrscherhaus alarmiert. Saudi-Arabien ist immer wieder selbst Ziel von Terroranschlägen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen