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Zeitenwende in Saudi-Arabien: König Abdullah ist tot

Das saudische Königshaus trauert um sein Oberhaupt: König Abdullah von Saudi-Arabien ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Eine offizielle Erklärung aus Riad bestätigt: Die Großmacht am Golf reicht die Macht an Abdullahs Nachfolger weiter.

König Abdullah, Herrscher über Saudi-Arabien, Oberbefehlshaber der saudischen Streitkräfte und Hüter der Heiligen Stätten in Mekka und Medina, ist tot. Der am 1. August 1924 geborene Monarch starb im Alter von 90 Jahren. Das Königshaus in der Hauptstadt Riad bestätigte den Tod des Herrschers. In einer offiziellen Erklärung aus dem Königspalast hieß es, Abdullahs Bruder, Kronprinz Salman, sei zu seinem Nachfolger ernannt worden. Erster Kronprinz ist demnach nun Mokren bin Abdul Aziz - ein weiterer Bruder Abdullahs.

In einer ersten Reaktion lobte US-Präsident Barack Obama den verstorbenen König als aufrichtigen und mutigen Führer. "Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis", teilte Obama mit.

Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte: Im vergangenen September traf sich König Abdallah mit US-Außenminister John Kerry, um den gemeinsamen Kampf gegen die IS-Milizen abzustimmen.
Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte: Im vergangenen September traf sich König Abdallah mit US-Außenminister John Kerry, um den gemeinsamen Kampf gegen die IS-Milizen abzustimmen.(Foto: REUTERS)

König Abdallah habe an die Wichtigkeit der US-saudischen Beziehungen als Kraft für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten und darüber hinaus geglaubt. Obama hob darüber hinaus die "echte und warme Freundschaft" der beiden Staatsmänner hervor. Der Familie des verstorbenen Königs und dem Volk Saudi-Arabiens sprach Obama sein Beileid aus.

Schwarzes Gold aus der Wüste

Saudi-Arabien ist eine absolutistische Monarchie. Staatsreligion ist der sunnitische Islam - in einer besonders konservativen und streng-gläubigen Ausprägung. König Abdullah war zugleich Staats- und Regierungschef sowie maßgebliches Oberhaupt der Herrscherfamilie der Al-Sauds. Das Land ist Mitglied des Ölförderkartells Opec und verfügt dank umfangreicher Ölreserven über großen Einfluss auf Geopolitik und Weltwirtschaft.

Der Tod Abdullahs bedeutet für Saudi-Arabien eine politische Zäsur, kommt allerdings nicht überraschend. Der König - einer der ältesten amtierenden Monarchen der Welt - war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden. Abdullah litt seit Längerem unter gesundheitlichen Problemen, was Spekulationen über die künftige Führung des ölreichen Königreichs ausgelöst hatte.

Die Herrscherfamilie hatte sich angesichts des hohen Alters des Königs bereits auf einen Machtwechsel vorbereitet. Unter Kronprinz Salman, dem 1935 geborenen 32. Sohn von Staatsgründer Abd al-Aziz Al-Saud, könnte Saudi-Arabien eine Neuausrichtung erleben. Eine grundlegende Kursänderung halten Beobachter allerdings für wenig wahrscheinlich.

Der neue König von Saudi-Arabien: Kronprinz Salman Bin Abdul Asis Al-Saud folgt Abdullah auf den Thron.
Der neue König von Saudi-Arabien: Kronprinz Salman Bin Abdul Asis Al-Saud folgt Abdullah auf den Thron.(Foto: picture alliance / dpa)
Streng konservativ, aber moderat

Abdullah bin Abdul Aziz Al-Saud, wie der Herrscher mit vollem Namen hieß, galt für saudische Verhältnisse als vergleichsweise fortschrittlich. Er gehörte Beobachtern zufolge sogar zu den beliebtesten Monarchen in der Geschichte des islamischen Königreichs. Eine Wahl hat die Bevölkerung des Königreichs freilich nicht.

Ein wichtiger Stabilitätsfaktor ist der enorme Wohlstand, den der Ölsegen dem Land verschafft: Während der Herrschaft von Abdullahs Vaters erlebte Saudi-Arabien einen beispiellosen Aufstieg von einem dünnbesiedelten Scheichtum mit halbsesshaften Nomaden zu einer globalen Militär- und Wirtschaftsmacht.

Erst mit 81 Jahren hatte Abdullah nach dem Tod seines älteren Bruders, König Fahd, im August 2005 den Thron bestiegen. In den knapp zehn Jahren seiner Herrschaft hat sich die Ausrichtung des Landes mit dem schwierigen Spagat zwischen Westbindung und autoritäter Staatsführung nicht wesentlich verändert.

Zensur, Kino-Verbot und Unterdrückung

Abdullahs Popularität dürfte dazu beigetragen haben, dass es während des Arabischen Frühlings 2011 in Saudi-Arabien nur wenige sichtbare Protestaktionen gab. Allerdings herrscht die Dynastie Al-Saud seit jeher mit harter Hand. Presse- und Meinungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Die Menschenrechtslage gilt als schwierig. Frauen, Andersgläubige und Minderheiten müssen in Saudi-Arabien mit grundlegenden Einschränkungen leben. Für Straftaten werden teils drakonische Strafen verhängt, wie zuletzt der Fall eines Bloggers unterstrich.

"Kulturelle Aktivitäten im westlichen Sinne sind in Saudi-Arabien auf Grund der konservativen Auslegung islamischer Grundsätze nur sehr eingeschränkt möglich", heißt es beim deutschen Auswärtigen Amt. "An Veranstaltungen dürfen Männer und Frauen in den meisten Fällen nicht gemeinsam teilnehmen. Kinos und Konzerte sind verboten. Kulturveranstaltungen mit westlicher Beteiligung wie etwa Buchlesungen, Filmvorführungen oder Ausstellungen unterliegen behördlicher Genehmigung und Zensur."

Abdullah unternahm in seinen letzten Lebensjahren allerdings durchaus auch einige Modernisierungsschritte. So gründete er zum Beispiel 2009 die König-Abdullah-Universität (KAUST). Gegen den Willen einflussreicher Islam-Gelehrter dürfen dort Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen.

2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura-Rates (eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz). Politischen Gegnern gegenüber blieb König Abdullah allerdings unnachgiebig: Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen und totgeschwiegen; Frauen, die sich dem geltenden Fahrverbot widersetzen, müssen noch immer mit empfindliche Strafen rechnen.

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Quelle: n-tv.de

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