Politik
Video

Ministerin unter Plagiatsverdacht: "Von der Leyens Arbeit ist nicht haltbar"

Guttenberg, Schavan und jetzt von der Leyen? Plagiatssucher haben die Doktorarbeit der Verteidigungsministerin im Visier und erheben schwere Vorwürfe. Ein Experte sagt: "Frau von der Leyen hat das tolerable Maß deutlich überschritten."

Der Plagiatexperte Martin Heidingsfelder hat die Vorwürfe gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als angemessen bezeichnet. "Diese Arbeit ist nicht haltbar, der Doktortitel müsste ihr aberkannt werden", sagt Heidingsfelder n-tv.de. Auch einen Rücktritt als Ministerin hält er für angebracht. "Wer bei der Bundeswehr-Universität als Offizier dient und beim Plagiieren erwischt wird, wird unehrenhaft erlassen."

Die Plagiatsvorwürfe gegen von der Leyen waren am Samstag bekannt geworden. Die Plagiatsjäger von "VroniPlag Wiki" haben auf 27 der insgesamt 62 Textseiten unzureichend gekennzeichnete Zitate dokumentiert. Drei der beanstandeten Seiten enthalten demnach zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext, fünf Seiten sogar mehr als 75 Prozent. Der Juraprofessor Gerhard Dannemann, der bei "VroniPlag" mitarbeitet, bezeichnete die Arbeit als "mittelschweren Fall". Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er dagegen, er halte "die Mängel für schwerwiegender als bei Frau Schavan". Es gehe nicht um einen Grenzfall. "Die Häufigkeit und leichte Vermeidbarkeit der Fehler spricht für grobes Schlampen."

Von der Leyen hatte 1990 im Bereich der Frauenheilkunde promoviert. Der Titel der Arbeit lautet: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung."

"Keine eigenständige wissenschaftliche Arbeit"

Heidingsfelder bestätigt, dass die CDU-Politikerin in ihrer Doktorarbeit teilweise Absätze komplett aus Fachbüchern übernommen habe, ohne sie entsprechend kenntlich zu machen. "Wenn drei oder vier Plagiate in einer Arbeit sind, kann ein Professor vielleicht mal ein Auge zudrücken. Aber Frau von der Leyen hat das tolerable Maß deutlich überschritten. Sie hat keine eigenständige wissenschaftliche Arbeit angefertigt. Ihr wäre der Titel nicht verliehen worden, wenn das damals aufgefallen wäre", sagt Heidingsfelder.

Verteidigungsministerin von der Leyen wehrt sich gegen die Kritik. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen." Die Politikerin hat die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, die Dissertation "durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen". Erst wenn sich die Vorwürfe gegen von der Leyen bestätigen sollten, kann ihr der Doktortitel entzogen werden.

In der Vergangenheit ist bereits eine Reihe von Spitzenpolitikern über Plagiatsvorwürfe gestürzt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg musste 2011 sein Amt niederlegen, 2013 trat Bildungsministerin Annette Schavan nach dem Entzug ihres Titels durch die Uni Düsseldorf zurück. An der Untersuchung beider Arbeiten war auch Heidingsfelder beteiligt, der heute die Plattform "VronPlag" leitet.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen