Politik
Das Graffiti von Putin und Trump in Vilnius
Das Graffiti von Putin und Trump in Vilnius(Foto: picture alliance / Valda Kalnina)
Mittwoch, 15. Februar 2017

"Er ist ein schillernder Mensch": Was läuft zwischen Putin und Trump?

Von Christian Rothenberg

Angeblich sind sie sich noch nie begegnet. Seit Monaten sprechen Donald Trump und Wladimir Putin in den höchsten Tönen übereinander. Ihr Verhältnis ist ziemlich speziell.

Wladimir Putin und Donald Trump küssen sich - zumindest auf dem Graffiti, das seit Mai 2016 eine Außenfassade in der litauischen Hauptstadt Vilnius ziert. Das Bruderkuss-Kunstwerk ist eine Art Symbol. US-Medien sprechen schon seit längerer Zeit von "Bromance", einer Kumpel-Romanze. Aber wie viel ist dran? Trump deutete eigentlich mehrfach einen Wechsel zu einem versöhnlichen Russlandkurs an. In dieser Woche sagte sein Sprecher Sean Spicer plötzlich, Russland müsse die Krim zurückgeben. In das spannungsreiche Verhältnis zwischen den Großmächten passt die Äußerung, nicht jedoch aus Trumps Mund. Ein Blick zurück zeigt: Russland und Trump verbindet eine ganz spezielle Beziehung.

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In Russland ist man sich früh sicher, dass Seiteneinsteiger Trump hilfreich sein könnte. "Trump ist ein geborener Showstar, himmelschreiend politisch unkorrekt, aber in seinen außenpolitischen Äußerungen zeigt er gesunden Menschenverstand", schreibt die kremltreue Zeitung "Iswestija" im November 2015. Einige Wochen später gibt Wladimir Putin seine jährliche Jahrespressekonferenz. Auf den US-Wahlkampf angesprochen gerät der russische Präsident ins Schwärmen. "Er ist ein schillernder Mensch, talentiert, ohne Zweifel", sagt Putin.

Trump reagiert. Er komme gut mit Putin klar. Wenn er und Putin ein gutes Verhältnis hätten, sei das gut für die USA. Trump verteidigt Putin gegen Vorwürfe, zu hart gegen Journalisten und Gegner vorzugehen oder sie möglicherweise sogar ermorden zu lassen. "Er führt sein Land, ist wenigstens ein Führer, anders, als wir das hier in unserem Land haben", sagt er. Eine bemerkenswerte Haltung. Die US- Republikaner, für die Trump kandidiert, setzen seit jeher auf eine harte Haltung zu Russland. Trump gilt in dieser Zeit nicht gerade als Favorit im US-Vorwahlkampf. Ein halbes Jahr später hat er jedoch überraschend die Mehrheit der Delegierten hinter sich und ist Präsidentschaftskandidat der Republikaner. In den Monaten vor der Wahl flackert das Thema Russland immer wieder auf. Mehrfach äußert Trump sich abfällig über die Nato - was man in Russland aufmerksam und anderswo besorgt verfolgt. Würde ein US-Präsident Trump Europa sich selbst überlassen? Politiker in der EU befürchten es zumindest. Anlass zu einer laxeren Russland-Politik bietet auch ein anderer Satz. Auf die Frage, ob er die Krim anerkennen und die Sanktionen aufheben werde, antwortet Trump im Sommer 2016: "Das werden wir uns ansehen."

"Er hat nette Dinge über mich gesagt"

In diese Zeit fallen auch die ersten Berichte über enge Verbindungen zwischen Trump und Putin. Hintergrund sind gehackte E-Mails der Demokraten. Die Partei beschuldigt Russland hinter der Veröffentlichung zu stehen und den Wahlkampf zu Gunsten Trumps zu beeinflussen. Der weist die Vorwürfe von sich, er habe nichts mit Putin zu tun und sowieso noch nie mit ihm geredet. Er appelliert an Moskau. "Russland, wenn Ihr zuhört, ich hoffe Ihr findet die 30.000 E-Mails, die verschwunden sind." Trumps Gegnerin, die demokratische Präsidentschaftsbewerberin, Hillary Clinton sagt im TV-Duell am 10. Oktober: "Russland hat entschieden, wen es als Präsidenten der USA sehen will - und das bin nicht ich." Trump entgegnet später: "Ich kenne Putin nicht. Er ist nicht mein bester Freund. Er hat nette Dinge über mich gesagt. Es ist sicherlich förderlich, wenn wir gut mit Russland auskommen."

Am 8. November gewinnt Trump die US-Wahl. Danach erhebt auch der US-Auslandsgeheimdienst CIA Vorwürfe, Russland habe die US-Wahl zu seinen Gunsten beeinflusst. Trump nennt die Berichte "lächerlich": "Dies sind dieselben Leute, die gesagt haben, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt." Trump versäumt jedoch nicht, darauf hinzuweisen, dass er einen "wunderbaren" Brief von Putin bekommen habe. Dessen Hoffnung auf einen "konstruktiven und pragmatischen Umgang" kommentiert Trump folgendermaßen: "Seine Gedanken sind so korrekt." Am 23. Dezember, Trump ist noch nicht vereidigt, sagt Putin: "Niemand hat an seinen Sieg geglaubt außer uns hier." Trump kuschelt kräftig zurück. Putins Kritik, Clinton habe ihre Wahlniederlage nicht mit "Würde" hingenommen, kommentiert er mit den Worten: "So wahr." Als Noch-Präsident Barack Obama Sanktionen gegen Russland verhängt und 35 Diplomaten ausweist, lobt Trump Putin. Dass dieser nicht ebenfalls amerikanische Diplomaten ausweist, nennt er einen großartigen Zug. "Ich habe immer gewusst, dass er sehr klug ist."

"Ich hoffe, ich komme mit Putin klar"

In der ersten Januar-Woche wird ein Bericht der US-Geheimdienste CIA, FBI und NSA veröffentlicht. Demnach soll Putin eine Kampagne angeordnet haben, Clinton im Wahlkampf mit Cyberattacken gezielt zu schaden. Trump äußert sich skeptisch. "Ein gutes Verhältnis mit Russland zu haben, ist eine gute Sache, nicht eine schlechte Sache. Nur törichte Leute oder Dummköpfe würden denken, dass es schlecht ist!", twittert er. "Wenn ich Präsident bin, wird Russland uns viel mehr respektieren, als sie es jetzt tun." Ein paar Tage später räumt Trump ein: "Was das Hacking angeht: Ich denke, es war Russland", sagt er. "Wir werden sehen, was ich für ein Verhältnis zu Russland haben werde. Ich hoffe, ich komme mit Putin klar. Kann gut sein, dass nicht." In Moskau ist die Vorfreude auf Trump und ein mögliches Ende der Sanktionen groß. Am 30. Januar, Trump ist seit zehn Tagen im Amt, telefonieren die beiden Präsidenten. Um die Sanktionen geht es angeblich nicht. Einige Tage später kritisiert Nikki Haley, US-Botschafterin in der Uno, das "aggressive Verhalten" Russlands in der Ukraine. Die Sanktionen blieben, "bis Russland die Kontrolle über die Halbinsel an die Ukraine zurückgegeben hat". Ein Bruch mit Trumps früheren Aussagen? So klingt es zumindest.

Wenig später bringt das Thema Russland Trump wirklich ernsthaft in Bedrängnis. Am 13. Februar tritt Michael Flynn zurück. Der nationale Sicherheitsberater des Präsidenten soll im Dezember mit dem russischen Botschafter über die Sanktionen und einen nachsichtigeren Russlandkurs gesprochen haben - Trump wusste offensichtlich seit Wochen Bescheid. Nur: Seine Regierung war zum Zeitpunkt der Gespräche noch gar nicht offiziell im Amt. In den USA ist es Privatleuten verboten, ohne Genehmigung außenpolitische Verhandlungen zu führen mit Staaten, zu denen die USA ein angespanntes Verhältnis haben. Verstöße sind strafbar. Die "New York Times" berichtet zudem, Mitarbeiter aus Trumps Wahlkampfteam hätten mit russischen Geheimdienstlern in Kontakt gestanden - zu jener Zeit, als US-Behörden Hinweise erhielten, dass Russland die US-Wahl durch Cyberattacken beeinflusse.

Mitten in diese Woche fällt nun Trumps Forderung, Russland müsse die Krim zurückgeben. Mit einem russlandfreundlichen Kurs passt dies kaum zusammen. Fügt sich Trump, weil er nicht allzu radikal mit der amerikanischen Außenpolitik brechen kann? Oder versuchte sein Sprecher ein Ablenkungsmanöver, um seinen Chef aus der Schusslinie zu nehmen? Dessen Umgang mit Russland sei "unglaublich hart", sagt er. Wer würde dahinter schon eine allzu große Putin-Nähe vermuten? In Russland stößt die Forderung nach einer Krim-Rückgabe auf die erwartbare Empörung. "Wir haben - bei aller Sympathie für Trumps konstruktive Rhetorik - zu früh entschieden, dass er pro-russisch ist. Er ist pro-amerikanisch", sagt der Außenpolitiker Leonid Sluzki. Trump und sein Umfeld müssten sich darüber gefreut haben. Die Großmächte im Clinch - man könnte fast meinen, alles sei beim Alten. Dennoch wollen sich die beiden Präsidenten bald offenbar zum ersten Mal treffen. Putin hat Ljubljana vorgeschlagen. Die slowenische Hauptstadt ist die Heimat von Trumps Frau Melania.

Quelle: n-tv.de

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