Politik
Putin und Merkel: Wann telefonieren sie wieder?
Putin und Merkel: Wann telefonieren sie wieder?(Foto: picture alliance / dpa)

Funkstille ist gefährlich: Die Kanzlerin muss wieder zum Hörer greifen

Ein Kommentar von Christian Rothenberg

Angela Merkel ist im Urlaub und lässt die Geschäfte ruhen. Das gilt auch für den Kontakt zu Wladimir Putin. Schon seit mehr als zwei Wochen stehen die Leitungen zwischen den Regierungschefs still. Das ist ein Fehler.

30 Mal hat Angela Merkel mit Wladimir Putin seit Beginn des Ukraine-Konfliktes telefoniert - so oft wie kein anderer westlicher Regierungschef. Doch das letzte Gespräch ist lange her: Vor zweieinhalb Wochen sprach die Kanzlerin mit dem russischen Präsidenten. Es war nach dem Absturz der MH17. Merkel habe Putin "zum wiederholten Male eindringlich aufgefordert, seinen Einfluss auf die Separatisten geltend zu machen", hieß es damals. Für die zur Nüchternheit neigenden Pressemitteilungen aus dem Kanzleramt klang das schon recht zackig.

Zugegeben: Merkels Geduld mit Putin wird auf eine harte Probe gestellt. Ihre Appelle scheinen stets zu verhallen, seine Versprechen wenig wert zu sein. Wer so lange das Gefühl hat, ins Leere zu reden, mag den Sinn dahinter irgendwann nicht mehr sehen. Wofür noch reden? Auf einen Anruf Putins, der ihr seine plötzliche Einsicht gesteht, kann Merkel kaum hoffen. Die Kanzlerin hat es offenbar aufgegeben. Die Diplomatie ist am Ende. Hilft doch eh alles nichts.

Aber diese Haltung ist falsch. Die aktuelle Funkstille zwischen Berlin und Moskau ist ein fatales Signal. Je länger sie andauert, desto gefährlicher ist sie. Die Kanzlerin, die zurzeit im Urlaub ist, sollte den Gesprächsfaden mit Putin unbedingt wieder aufnehmen. Sonst steigt die Gefahr, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine endgültig außer Kontrolle gerät.

Das kann niemand ernsthaft wollen

Russland fährt in diesen Tagen große Drohkulissen an der Grenze auf. Die Zahl der Soldaten wurde verdoppelt, es gibt Luftmanöver und Wehrübungen. Der Kreml lässt die Muskeln spielen. Der Konflikt in der Ukraine ist an einem gefährlichen Punkt angekommen. Die ukrainische Armee drängt die Separatisten immer weiter zurück. Die Atmosphäre ist so aufgeladen wie nie in den vergangenen Monaten. Möglicherweise reicht ein Funken und der Konflikt eskaliert endgültig - mit unkalkulierbaren Folgen.

Das kann im Westen niemand ernsthaft wollen. Die Bundesrepublik hat eine wichtige Vermittlerrolle in dem Konflikt. Zwischen Washington und Moskau ist die Stimmung viel zu belastet. Deutschland und Russland dagegen eint seit Jahren ein besonderes Verhältnis. Beide Seiten investierten in den vergangenen Jahrzehnten viel, um ihre Beziehungen zu verbessern. Bis vor Kurzem war dies eine Erfolgsgeschichte. Die ist nun in Gefahr. Doch deshalb sollte man nicht aufhören, miteinander zu sprechen. Dafür ist es nie zu spät - und dafür steht einfach zu viel auf dem Spiel.

Quelle: n-tv.de

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