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Der scheidende und derzeit gesperrte Fifa-Präsident Joseph Blatter (r.) und sein möglicher Amtsnachfolger Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa.
Der scheidende und derzeit gesperrte Fifa-Präsident Joseph Blatter (r.) und sein möglicher Amtsnachfolger Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa.(Foto: imago/Ulmer)

Kein "adiós amigos!": Blatter leidet - und wettet auf Scheich Salman

Von Stefan Giannakoulis, Zürich

Wenn die Fifa heute einen neuen Präsidenten wählt, muss der alte draußen bleiben. "Eine Tragödie", sagt sein Berater Klaus J. Stöhlker. Isoliert sei der gestürzte Patriarch aber nicht. Und neuer Chef werde Scheich Salman.

Klaus J. Stöhlker empfängt am Tag vor der Wahl des Fifa-Präsidenten im Zunfthaus zur Saffran am Limmatquai 55. Das ist, kurz gesagt, nicht die schlechteste Adresse in der Züricher Altstadt. Stöhlker, 74 Jahre alt, macht PR, das ist sein Beruf, ihm gehört eine Agentur. Und er berät Joseph Blatter, den wegen einer dubiosen Zahlung an den Uefa-Chef Michel Platini suspendierten Präsidenten des Weltfußballverbandes.

Klaus J. Stöhlker, PR-Berater von Joseph Blatter.
Klaus J. Stöhlker, PR-Berater von Joseph Blatter.

Stöhlker macht seinen Job mit Leidenschaft und durchaus offensiv. Seine Botschaft: Blatter, der gläubige Katholik aus dem Wallis, sei unschuldig daran, dass die Fifa am Rande des Abgrunds und im Visier der Strafverfolger aus den USA und der Schweiz steht - zerfressen von Korruption, Vetternwirtschaft und Kumpanei. Und so verkündet er, noch bevor er sich einen Sauvignon Blanc bringen lässt, die Nachricht des Tages: "Blatter wurde von jeglicher Korruption freigesprochen. Als ich gestern Abend um halb zehn mit ihm telefoniert habe, war er ziemlich vergnügt." Wie bitte?

Die Berufungskommission der Fifa hatte Blatter und Platini tags zuvor per Mail mitgeteilt, dass sie die Einsprüche der beiden gesperrten Spitzenfunktionäre ablehnt, ihre Verbannung aber von acht auf sechs Jahre verkürzt - weil ihre Arbeit "über die Jahre für die Fifa, die Uefa und den Fußball im Allgemeinen angemessen zu würdigen seien und sich strafmildernd auswirken sollten". Und sie bestätigte die Einschätzung der Ethikrichter, die in der Zahlung von umgerechnet 1,8 Millionen Euro zwar ein unzulässiges "Geschenk" und eine "Verletzung der Loyalitätspflichten" gesehen hatten, aber keine Korruption. Ansonsten ist es so: Wenn die Fifa heute im Züricher Hallenstadion einen neuen Präsidenten wählt, ist der alte nicht dabei: Blatter, 79 Jahre alt, darf sich zwar, wenn er mag, wie jeder andere auch eine Karte für ein Fußballspiel kaufen. Aber für den außerordentlichen Kongress der Fifa bekommt der Schweizer keine Akkreditierung.

"Davon geträumt, dass man mir auf Wiedersehen sagt"

Dabei wollte er sich doch auf der großen Bühne zu verabschieden. "Ich habe davon geträumt, dass man mir auf einem Kongress auf Wiedersehen sagt", hatte Blatter der französischen Sportzeitung "L'Équipe" erzählt, als er noch hoffte, die Berufungskommission würde ihn freisprechen. Ist Blatter also wirklich so vergnügt, Herr Stöhlker? Nun, dass er nicht vor dem Kongress auftreten dürfe, sei schon zum Teil eine Tragödie. "Er leidet schon darunter, das ist ganz klar. Er hat sich noch einmal auf der großen Bühne gesehen: 'Adiós amigos!' Wie er so ist. Aber er wird kämpfen. Was die Ethikkommission macht, gleicht einem Amoklauf." Blatter und Platini haben angekündigt, vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne ziehen zu wollen. "Er kann die Prozesse so lange führen, wie er will. Theoretisch kann man danach noch zur Menschenrechtskommission nach Straßburg gehen. Man kann noch viel tun."

Die fünf Kandidaten (v.l.): Gianni Infantino, Prinz Ali bin al-Hussein, Tokyo Sexwale, Jerome Champagne und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa.
Die fünf Kandidaten (v.l.): Gianni Infantino, Prinz Ali bin al-Hussein, Tokyo Sexwale, Jerome Champagne und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa.(Foto: dpa)

Blatter hat auch gesagt: "Ich bin Präsident der Fifa, ich bin zwar freigestellt, aber es gibt keinen anderen." Eine Einschätzung, die er relativ exklusiv hat. Seit Mitte Oktober leitet der Kameruner Issa Hayatou den Verband, bis dahin Vizechef und "immer noch ein enger Freund Blatters", wie Stöhlker sagt. Und irgendwann heute Abend wird es dann einen neuen Präsidenten geben. Es gilt als ausgemachte Sache, dass entweder Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa aus Bahrein oder der Schweizer Gianni Infantino gewinnen.

Stöhlker - "Ich kenne praktisch alle" - glaubt zu wissen, wer es ist: "Die Wetten stehen, mein Stand des Wissens heute Früh, 9:1 für Salman, der Afrika, Asien und noch weitere hinter sich hat." Für Infantino bliebe der Posten des Generalsekretärs. "Das wäre für beide ein Karriereschritt." Und, ganz wichtig: Blatter sei in der Welt des Fußballs keineswegs isoliert. Vier der fünf Kandidaten hätten ihn besucht und um seinen Einfluss geworben. Und wie lautet seine Wahlempfehlung? "Sagen wir es so: Für Blatter wäre es keine Katastrophe, wenn Salman gewinnen würde", sagt Stöhlker, lacht und nippt an seinem Sauvignon.

"Er hat Großes geleistet"

Aber, Herr Stöhlker, hat Blatter gar kein Unrechtsbewusstsein? "Natürlich hat er Fehler gemacht. In meinen Augen zwei." Welche? Er habe, erstens, die falschen Leute eingestellt. "Jérôme Valcke war eine schlechte Wahl. Er hat den Job als Generalsekretär nicht gut gemacht." Und zweitens habe die Kommunikationsabteilung der Fifa ebenfalls einen schlechten Job gemacht. "Dadurch ist die Krise entstanden. Man hat nicht verstanden, was die Fifa eigentlich geleistet hat."

Das war’s? "Letztlich war er nicht der starke Mann. Der Präsident selber hat wie unter einer goldenen Glocke gelebt - mit beschränktem Zugang zum eigentlichen Fifa-Management." So soll es also gewesen sein. Und was bleibt von Blatter? Stöhlker macht seinen Job und sagt: "Er ist eine faszinierende, schillernde Persönlichkeit. Dieser Mann hat in 40 Jahren bei der Fifa den Weltfußball - nach João Havelange - in Gang gesetzt. Er hat Großes geleistet. Und der neue Präsident muss dieses Erbe fortführen."

Quelle: n-tv.de

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