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Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: Joseph Blatter (l.) empfängt im vergangenen Mai Glückwünsche von Michel Platini zu seiner Wiederwahl als Fifa-Chef.
Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: Joseph Blatter (l.) empfängt im vergangenen Mai Glückwünsche von Michel Platini zu seiner Wiederwahl als Fifa-Chef.(Foto: dpa)

Einsprüche abgelehnt: Fifa lässt Blatter und Platini abblitzen

Fifa-Chef Joseph Blatter bleibt gesperrt. Kurz vor der Wahl seines Nachfolgers hält die Berufungskommission an der sportpolitischen Verbannung - leicht verkürzt - fest. Das Ringen um sein Erbe erinnert Beobachter stark an Blatters Amtszeit.

Die Fifa-Berufungskommission hat die Einsprüche von Fifa-Präsident Joseph Blatter und Uefa-Chef Michel Platini abgelehnt, deren Sperren allerdings um zwei auf sechs Jahre reduziert. Die beiden einflussreichen Sport-Funktionäre dürfen somit bis 2021 keinerlei Ämter im Weltfußball ausüben. Das teilte der Weltfußballverband Fifa mit.

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Damit ist die letzte Mini-Hoffnung von Joseph Blatter, bei der Wahl seines Nachfolgers in Zürich noch einmal Regie zu führen, dahin. Blatter ist 79 Jahre alt. Als letzte sportrechtliche Instanz bleibt den beiden Funktionären nur noch der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS). Blatter und Platini waren im vergangenen Dezember für acht Jahre gesperrt worden. Zum Verhängnis wurden beiden die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro im Jahr 2011 von der Fifa an Platini.

Ein mögliches Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs wird erst in einigen Wochen erwartet. Für den Uefa-Chef Platini war die Sanktion durch die Fifa-Ethikkommission das Ende seiner Präsidentschaftsambitionen. Der neue Fifa-Boss wird am 26. Februar ohne Platini gewählt.

Wird er Blatters Nachfolger: Gianni Infantino.
Wird er Blatters Nachfolger: Gianni Infantino.(Foto: dpa)

In der aktuellen Entscheidung reduzierte die Fifa-Berufungskommission zwar die Sperre des scheidenden Präsidenten von acht auf sechs Jahre, bestätigte aber das Urteil der Ethikhüter in der Sache. Dem gestürzten Dauer-Regenten des Fußball-Weltverbandes nützt das Urteil vor dem außerordentlichen Wahlkongress am Freitag somit nichts. "Ich bin tief enttäuscht von der Fifa-Rekurskommission", sagte Blatter und kündigte einen nächsten juristischen Schritt an. "Selbstverständlich ziehe ich den Fall ans CAS weiter."

Nur ein Eilantrag könnte bis Freitag die Dinge eventuell noch ändern. Doch das ist Theorie. Beim Internationalen Sportgerichtshof will auch Michel Platini weiter klagen. Auch der französische Uefa-Boss bleibt wegen der dubiosen Millionenzahlung von Blatter an ihn aus dem Jahr 2011 gesperrt - auch er für nun sechs statt acht Jahre.

Kein neue Fifa-Geist

Der spannende Endspurt um das Blatter-Erbe wurde von der Abweisung des Einspruchs des ehemaligen Fifa-Spitzenduos kurz überlagert. Im Rennen um die Macht erinnert aber ohnehin manches an die Zeiten unter "Blattini". Vom viel beschworenen neuen Geist beim Weltverband wird der Wahlkampf jedenfalls nicht bestimmt.

Mitfavorit Gianni Infantino sorgte zuletzt mit Aussagen über eine angebliche Bevormundung der fünf Präsidentschaftsbewerber durch die Fifa für Aufsehen. Deren Vorstandsmitglied und langjähriger Blatter-Freund Witali Mutko beklagte, dass ein Kandidaten-Deal nach alter Schule zwischen Infantino und Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa gescheitert sei. Stattdessen werden die Favoriten beim außerordentlichen Fifa-Kongress gegeneinander um das wichtigste Amt im Weltfußball antreten.

"Meiner Meinung nach hätte es eine Übereinkunft geben sollen. Wir haben diese Idee auf jede mögliche Art unterstützt", erklärte Russlands Sportminister Mutko. "Wenn jemand die Wahl mit fünf bis zehn Stimmen verliert und sich entscheidet, nicht aufzugeben, kommt dabei nichts Gutes heraus."

Bis vor kurzem war spekuliert worden, dass Infantino zugunsten des Scheichs verzichtet und dafür von diesem für den Posten des mächtigen Generalsekretärs nominiert wird. Spätestens seit der Kritik des Scheichs an angeblichen unseriösen finanziellen Versprechungen des Schweizers, die Infantino zurückwies, ist die Atmosphäre zwischen den Funktionärs-Alphatieren frostig.

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Quelle: n-tv.de

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