Das Ende einer Liebe

Daum schockt Köln

02.06.2009 | 17:17 Uhr
Christoph Daum kehrt seiner großen Liebe 1. FC Köln völlig unerwartet den Rücken und hat damit für eine heftige Erschütterung am Geißbockheim gesorgt. 917 Tage nach seinem von den FC-Fans umjubelten zweiten Amtsantritt am 27. November 2006 kündigte der 55-Jährige seinen bis 2010 laufenden Vertrag vorzeitig - ein Schock für die Verantwortlichen.
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Der Lockruf des Geldes: Christoph Daum verlässt den 1. FC Köln. (Foto: AP)

"Es gab vorher keinerlei Anzeichen, dass Christoph Daum von seiner Kündigungs-Option Gebrauch machen möchte. Seine Entscheidung, den 1. FC Köln zu verlassen, kam für uns völlig überraschend. Wir bedauern seinen Entschluss - vor dem Hintergrund der geplanten langfristigen Zusammenarbeit - zutiefst, müssen ihn aber respektieren", teilte Manager Michael Meier mit.

"Meine Entscheidung ist keine gegen den 1. FC Köln, sondern für die neue Herausforderung", ließ Daum am Dienstag über sein Kölner Anwaltsbüro mitteilen. Seinen künftigen Arbeitgeber nannte er nicht, fügte aber an, dass er nun die Möglichkeit habe, "direkt wieder international zu spielen, was für mich immer mein größter Anreiz und Wunsch war". Er habe einen längerfristigen Vertrag unterschrieben. Dem 1. FC Köln wünschte er alles Gute. "Ein Teil meines Herzens wird immer hier bleiben", erklärte er.

Mehr Geld in Istanbul

Die Vereinsführung um Präsident Wolfgang Overath sah sich schon zuvor zu einer Würdigung Daums gezwungen. "Christoph hat sich in einem Telefonat für die gute Zusammenarbeit bedankt und betont, dass er das ihm vorliegende Angebot aufgrund der herausragenden sportlichen und finanziellen Rahmenbedingungen nicht ablehnen konnte", meinte Overath zum wohl bevorstehenden Wechsel Daums zu Fenerbahce Istanbul.

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Kalt erwischt: Lukas Podolski. (Foto: AP)

Der Sinneswandel Daums erwischt den FC kalt. "Von allen Seiten positiv" und "wunderbar" sei die Saison 2008/2009 gewesen, sagte Daum nach dem zwölften Platz des Aufsteigers. Die Prämissen schienen mit der 10-Millionen-Euro-Rückholaktion von Nationalspieler Lukas Podolski durchaus rosig. "Die Nachricht kommt für mich überraschend. Ich bin zuversichtlich, dass der Verein schnell einen Nachfolger findet", erklärte der 23-Jährige in Dubai vor dem Länderspiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate.

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Podolski kalt erwischt

Daum, seit dem 27. November 2006 zum zweiten Mal FC-Chefcoach, hatte die Kölner 2008 zurück in die Eliteklasse geführt. Jetzt kam der Lockruf seiner zweiten Liebe: Fenerbahce soll sein neuer Arbeitgeber werden. Dort sollen ihm laut "Bild" 3,5 Millionen Euro pro Saison angeboten worden sein. Der 17-malige türkische Meister, den Daum von 2003 bis 2006 schon einmal betreute und dabei zweimal den Titel holte, trennt sich wohl vom spanischen EM-Coach Luis Aragones, weil die Mannschaft in der Süper Lig lediglich Platz vier belegte.

Mit Daums Entschluss sind alle Vereinbarungen mit dem FC über Nacht hinfällig. Einen "gesicherten Mittelfeldplatz" wolle der Verein in der kommenden Spielzeit mit Podolski und dem Karlsruher Angreifer Sebastian Freis erreichen. Doch jetzt müssen Meier und Overath erst einmal Überzeugungsarbeit leisten, um einen Nachfolger zu finden und diesen noch vor dem Trainingsauftakt am 25. Juni präsentieren zu können.

Sprunghaft war er schon immer

Daum fügt seiner wechselhaften persönlichen Historie ein weiteres kurioses Kapitel hinzu. Mit dem VfB Stuttgart war er 1992 deutscher Meister, wurde bei den Schwaben als Folge eines Einwechselfehlers im Europapokal gegen Leeds United und des Verpassens der Champions- League-Gruppenphase aber am 10. Dezember 1993 entlassen. Danach ging er erstmals in die Türkei zu Besiktas Istanbul und heuerte zur Saison 1996 bei Bayer Leverkusen an. Er war designierter Bundestrainer, ehe er über die Kokain-Affäre stolperte und am 21. Oktober 2000 in Leverkusen gehen musste.

Im Herbst 2006 warb Overath machtvoll um Daum, der sich zunächst zierte und dann, als er sich auf das Wagnis 2. Liga einließ, von den Anhängern des Geißbock-Clubs wie ein Heilsbringer gefeiert wurde. 8000 Zuschauer weilten damals beim ersten Training. "Ich stelle mich nicht auf den Feldherrenhügel, sondern bin Teamarbeiter. Fußball ist kein Hokuspokus, sondern ein seriöses Geschäft", ließ er seinerzeit wissen. Nach dem Aufstieg 2008 machte er seine Zukunft beim FC zu einer Hängepartie, ließ lange ein klares Bekenntnis zum Club vermissen, ehe er doch noch sein Plazet gab und einen Kontrakt bis 2010 einging - der ist jetzt Makulatur.

Verwendete Quellen: Von Dietmar Fuchs, dpa