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Dax läutet heiße Phase ein: Die Angst der Anleger vor der 10.000

Tagelang gibt es nur die Frage: Wann knackt der Dax die 10.000er Marke? Bis 9992 kommt er, dann kriegen die Anleger kalte Füße. Selbst eine niedrigere Eurozonen-Teuerung hilft nicht auf die Sprünge. "Der Dax macht die Mücke", sagt n-tv-Börsenexperte Meyer.

Die Euphorie am deutschen Aktienmarkt ist am Dienstag erst einmal verflogen. Zwar lieferten Wall Street - mit einem Dow-Alltimehigh - und auch die Asien-Börsen positive Impulse, Dax und Co. interessierte das aber nicht. Die Kurse fielen. Daran änderten auch die Verbraucherpreis-Daten der Eurozone nichts, obwohl die Teuerung mit 0,5 Prozent hinter den Erwartungen von 0,7 Prozent zurückgeblieben ist. Eine schwache Teuerungsrate oder gar fallende Preise erhöht nach Ansicht von Beobachtern aber die Wahrscheinlichkeit geldpolitischer Lockerungen weiter. Allerdings waren einige Experten wohl von noch deutlicheren Werten ausgegangen.

Zudem verunsicherte laut Marktteilnehmern eine mögliche Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. US-Präsident Barack Obama hatte erklärt, dass neue russische Provokationen im Ukraine-Konflikt weitere Sanktionen nach sich zögen. Auch sei die Abgabebereitschaft recht hoch, nachdem die Aktienmärkte nun bereits mehrfach mit Durchbruchsversuchen nach oben gescheitert seien, hieß es von Marktteilnehmerseite.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,3 Prozent auf 9920 Punkte. Das Tagestief betrug 9897 Zähler. Zum Wochenauftakt hatte der deutsche Börsenleitindex bei 9992 Zählern ein Allzeithoch markiert. Der MDax, am Montag erstmals über der 17.000er Marke, verlor 0,8 Prozent auf 16.873 Stellen. Der TecDax büßte 0,8 Prozent auf 1288 Zähler ein. Die Wall Street lieferte am Dienstag ebenfalls keine Schützenhilfe für steigende Kurse, Dow und Co. gaben nach Handelseröffnung nach.

Erst runter, dann rauf?

"Die Psychologie spielt eine wichtige Rolle", sagte Fondsmanager Stefan Riße. Eine kleinere Korrektur an den Börsen vor der EZB-Sitzung hätte den Vorteil, dass es für Mario Draghi leichter werde, die Märkte positiv zu überraschen, sagte ein anderer Marktteilnehmer. Die meisten Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass die EZB die Leitzinsen über den gesamten Korridor senken wird.

Dem Euro halfen die Inflationsdaten dagegen auf die Sprünge. Er zog sich wieder deutlich über die Marke von 1,36 Dollar, nachdem er am Vormittag noch darunter notiert hatte. Einige Experten hatten mit einer noch niedrigeren Teuerung gerechnet, dadurch herrsche nun eine gewisse Erleichterung, die den Euro stütze, hieß es von Marktseite.

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Überraschungen blieben auch am Nachmittag aus, die US-Auftragseingänge stiegen zwar, aber nur wie vorher auch prognostiziert.

Autowerte fahren Gewinne ein

Die Gewinnerliste im Dax blieb den ganzen Handelstag über kurz. Nachdem lange die Versorger die einzigen Werte mit Aufschlägen waren, fuhren am Nachmittag die Autowerte vor. Die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen zogen bis zu 0,5 Prozent an. Bei BMW denkt man über Einsparungen in Deutschland nach, wie der "Münchner Merkur" berichtete. Die neuen Zulassungszahlen stützten Volkswagen und Daimler.

RWE gaben ihre Gewinne dagegen ab, Eon hielten am Ende noch 0,1 Prozent im positiven Bereich. Ähnlich minimal waren auch die Aufschläge bei Fresenius und SAP.

Am deutlichsten kamen die Titel von Commerzbank mit 3,4 Prozent unter die Räder. Auch Deutsche Bank büßten überdurchschnittlich ein und fielen 0,5 Prozent.

Dekkers bleibt bei Bayer

Die Aktien von Bayer verbilligten sich um 1,1 Prozent. Vorstandschef Marijn Dekkers bleibt für zwei weitere Jahre im Amt. "Am Markt war man darauf vorbereitet, dass Dekkers aus familiären Gründen wohl keine fünf Jahre mehr bei Bayer bleiben wird", sagte ein Beobachter. Die Strategie im wichtigen Pharmageschäft, die Konzentration auf rezeptfreie Medikamente, werde der Nachfolger Dekkers "mit Sicherheit weiterführen", ergänzte ein Händler.

Analysten schauen auf Beiersdorf

Beiersdorf wurden lange durch eine Analysteneinschätzung gestützt, drehten dann aber auch in den negativen Bereich. Die US-Großbank Goldman Sachs lenkte die Aufmerksamkeit der Anleger. Das neue Kursziel liegt nun bei 71 Euro. Bislang hatten die GS-Experten einen Kurs von 67 Euro als angemessen bezeichnet. Der Kurs des Nivea-Konzerns pendelte um 73.80 Euro 0,3 Prozent im Minus.

Fielmann und Osram rocken nicht

Die Musik spielt am Dienstag bei den Neben- und Tech-Werten. Zu den größten MDax-Verlierern gehörten mit Abschlägen von 3,2 Prozent auch Fielmann-Papiere, die tags zuvor noch ein frisches Rekordhoch markiert hatten. Kepler-Analyst Craig Abbott empfahl Anlegern, nun Gewinne mitzunehmen und strich seine Kaufempfehlung.

Osram sackten nach der Abberufung von Technikvorstand Peter Laier zu Ende Juni um 3,0 Prozent ab. Börsianer zeigten sich überrascht von Laiers Weggang.

KlöCo gaben belastet durch eine Analystenstudie um rund 1,5 Prozent nach. Die Papiere waren bereits zum Wochenstart um knapp 5 Prozent gefallen.

Die Aussagen von Jungheinrich-Vorstandschef Hans-Georg Frey unterstützten nach Einschätzung der DZ-Bank den positiven Eindruck, den das Unternehmen auf der CeMAT hinterlassen hat. Analyst Jasko Terzik bleibt bullish für das Papier gestimmt und wiederholte seine Kaufempfehlung. Die Aktien stiegen um 1,5 Prozent.

Apple enttäuscht Dialog-Anleger

Das Ausbleiben überraschender Produktankündigungen des wichtigen Kunden Apple nutzten Anleger zu Gewinnmitnahmen bei Dialog Semiconductor. Die Aktien des Chip-Entwicklers rutschten zeitweise um rund 4 Prozent ab. Am Ende blieb ein Abschlag von 2,3 Prozent. Damit notierten die Titel aber immer noch rund 40 Prozent über dem Niveau vom Jahreswechsel.

Gerry Weber flirtet mit Norwegen

Gerry Weber-Papiere gewannen im schwachen Marktumfeld 0,3 Prozent. Der Modekonzern plant mehrere Filialen in Norwegen. Dafür will das Unternehmen eine zweistellige Millionensumme in die Hand nehmen.

Epigenomics kommt unter die Räder

Ein Rückschlag für die US-Zulassung eines Darmkrebs-Tests schickte Epigenomics in den Keller. Die Aktien der Biotechfirma brachen zeitweise um fast 50 Prozent ein und schlossen mit einem Minus von 35 Prozent. Die US-Gesundheitsbehörde FDA verlangt für eine Zulassung der Arznei zusätzliche Tests. "Die Mitteilung liest sich für mich aber nicht so, als ob die FDA ein Zulassung komplett verweigern will", sagte ein Börsianer. Allerdings verzögert sich damit die US-Markteinführung.

Quelle: n-tv.de

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