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Acht Punkte haben gefehlt: Wall Street bremst Dax-Rekordfahrt

Bereits nach wenigen Handelsminuten ist klar: Heute geht was am deutschen Aktienmarkt. Die Bullen übernehmen das Kommando. Die 10.000 winkt - fällt aber wieder nicht.

Der Start in die neue Handelswoche ist vielversprechend: Die Dax-Bullen preschten am deutschen Aktienmarkt zunächst vor, trieben den Börsenleitindex bis auf das neue Allzeithoch von 9992 Zählern. Dann war die Luft raus, die 10.000er Marke erneut nicht gefallen. "Es fehlt ihm so ein bisschen der Mut. Vielleicht traut er sich morgen", sagte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer.

Der Dax schloss 0,1 Prozent fester bei 9950 Punkten. Der MDax übersprang erstmals die 17.000er Marke und ging 0,4 Prozent fester bei 17.015 Stellen aus dem Handel. Der TecDax sprang 0,5 Prozent an und beendet den Montag bei 1298 Stellen. Die Wall Street präsentierte sich leicht fester.

US-Daten belasten

Bremsend wirkte sich in erster Linie die verhaltene Eröffnung der Wall Street aus. Schuld war ein enttäuschender ISM-Index. Im Mai lag er bei 53,2 Punkten nach 54,9 im Vormonat. Erwartet wurde dagegen von Ökonomen ein Anstieg auf 55,6.

Auch aus Europa selbst gab es Störfeuer: So lagen die Einkaufsmanager-Daten in Frankreich über den Erwartungen, in Italien imd der Eurozone aber darunter. Auch Deutschland blieb mit 52,3 Punkten unter den von Analysten prognostizierten 52,9. Im April betrug der Wert noch 54,1. Werte über 50 signalisieren Wachstum.

Am Morgen hatten noch Daten aus China den Markt gestützt. Die dortige Industrieproduktion war im Mai offiziellen Angaben aus Peking zufolge so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr gestiegen. Konjunkturexperten leiteten daraus gute Chancen für einen kräftigen wirtschaftlichen Rückenwind ab, von dem auch deutsche Unternehmen profitieren dürften.

Was macht Draghi?

Das alles dürfte aber nur ein Geplänkel am Rande sein, denn das Hauptaugenmerk der Börsianer hierzulande ist streng auf den Donnerstag und die Ratssitzung der Eurpäischen Zentralbank (EZB) fokussiert. Frische Inflationsdaten aus Deutschland - die Teuerung lag auf Jahressicht bei nur noch 0,9 Prozent, nach 1,3 Prozent im April - sprechen dafür, dass die EZB die Geldpolitik weiter lockern wird.

Analystin Annalisa Piazza von Newedge schließt nicht aus, dass die Inflation im Mai auf bis zu 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr fallen könnte. Der EZB würde das eindeutige Gründe für weitere Lockerungen in dieser Woche liefern. Diese seien nötig, um eine deflationäre Abwärtsspirale zu verhindern. Eine Zinssenkung der Währungshüter gilt als sicher.

Goldpreis im Abwärtssog

Uneins sind sich Experten jedoch, ob EZB-Chef Mario Draghi weitergehende Maßnahmen wie Wertpapierkäufe oder zweckgebundene Notenbank-Kredite ankündigt. Vor diesem Hintergrund bröckelte der Euro auf 1,3598 Dollar ab, ehe er sich am Abend dann wieder um Notierungen von 1,3610 Dollar fing - immer noch unter dem New Yorker Freitagsschluss von 1,3631.

Unter die Räder kam auch der Goldpreis, der sich weiterhin nicht stabilisieren konnte und ein neues Mehrmonatstief markierte. Für eine Feinunze des Edelmetalls mussten am Abend 1246,10 Dollar gezahlt werden - nach rund 1249 Dollar im späten US-Handel am vergangenen Freitag. Das Tagestief hatte sogar bei 1241,10 Dollar gelegen.

Autowerte im Fokus

Bei den Einzelwerten fielen die Blicke der Anleger zunächst auf die Autowerte, die dann am Ende ein uneinheitliches Bild abgaben: Daimler gaben 0,5 Prozent ab, BMW sogar 0,7 Prozent. Volkswagen dagegen konnten 0,3 Prozent zulegen. Die Leipziger Automesse AMI läuft derzeit und gibt Schwung. Bei BMW sollten Händlern zufolge Äußerungen vom Wochenende helfen, wonach statt Umsatzwachstum nun die Marge wieder in den Vordergrund rücke. Allein, die Anleger blieben skeptisch.

Banken und Nebenwerte im Blick

Commerzbank zogen ebenfalls nach oben, um 0,6 Prozent. "Momentan wird die Spekulation angeheizt, dass EZB-Präsident Draghi vor allem die Kreditvergabe in Südeuropa ankurbelt", erklärte ein Händler. "Dies bedeutet für die Peripherie-Banken entweder mehr Geschäft, möglicherweise eine bessere Zinsspanne", meinte er.

An der Spitze der Gewinner standen Lufthansa, Deutsche Telekom und Henkel, die zwischen 1,1 und 0,9 Prozent zulegten. Bei Lufthansa könnten Aussagen des Konkurrenten Air France-KLM geholfen haben, die einem Zeitungsbericht zufolge ein neues Sparprogramm starten wollen. Bei Henkel wiederum stützte, dass der Konzern sein Haarpflegegeschäft mit Zukäufen in den USA stärken will.

Bayer präsentierten sich 0,5 Prozent fester. Dem Pharmakonzern spielte eine Kooperation mit dem finnischen Unternehmen Orion im Zusammenhang mit einem neuen Mittel gegen Prostatakrebs in die Hände. Es geht um den Wirkstoff ODM-201.

Goldman hilft Autozulieferern

Bei den Nebenwerten setzten sich ElringKlinger mit einem Aufschlag von 3,9 Prozent mit Abstand an die Spitze. Goldman Sachs stufte die Titel auf "Neutral" von "Sell" hoch. Die Analysten hoben auch die Einschätzungen für Conti und Leoni an, von "Buy" von "Neutral". Conti-Titel zogen 0,4 Prozent an, Leoni 2,1 Prozent.

Norma folgten mit 1,6 Prozent. Norma kann dabei von Aussagen der Konzernführung vom Wochenende profitieren, die den Autozulieferer auf Kurs sieht und Zukäufe anstrebt.

Wachstum und Zukäufe stehen auch bei Adler groß auf der Agenda. Das Filialnetz soll dem Unternehmen zufolge verdoppelt werden. Dem Aktienkurs half das um 4,5 Prozent auf die Sprünge.

Quelle: n-tv.de

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