Leben

Keine echte Liebe Darum scheitern Beziehungen mit Narzissten

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Partner von Narzissten fühlen sich häufig vernachlässigt.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Narzisstische Menschen sind nur an sich selbst interessiert. Genau deswegen ist eine Beziehung mit ihnen oftmals ein aussichtsloser Kampf um Liebe und Geborgenheit. Gibt es einen Weg, wie eine Partnerschaft dennoch gelingen kann?

Ein bisschen Egoismus schadet nicht und ist auch hilfreich, um die eigenen Bedürfnisse und Wünsche erfüllt zu bekommen. Wenn er allerdings überhandnimmt, kann es sich um eine narzisstische Persönlichkeitsstörung handeln. Das ist vor allem ein männliches Problem, denn etwa 75 Prozent der Betroffenen sind Männer und 25 Prozent Frauen.

Doch wann ist jemand wirklich ein Narzisst? Dazu müssen nach dem diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen (DSM) fünf von neun Kriterien erfüllt sein. Charakteristisch für Narzissten ist, dass sie von ihrer eigenen Wichtigkeit, Brillanz und ihren Leistungen enorm überzeugt sind. Sie glauben, besonders einzigartig und wertvoll zu sein, und möchten wenn möglich auch nur mit anderen "besonderen" Menschen Kontakt haben.

Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung verhalten sich häufig manipulativ, empathielos und ausbeuterisch ihren Mitmenschen gegenüber. Andere Menschen dienen oft nur dazu, die eigenen Ziele zu erreichen. Mit Kritik können Narzissten nicht gut umgehen. Häufig verhalten sie sich dann sehr arrogant oder es kommt zu regelrechten Wutausbrüchen. Deswegen haben sie fast immer Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich.

Wie entsteht die narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Die Ursachen für diese Persönlichkeitsstörung sind noch nicht vollständig erforscht, allerdings haben Studien gezeigt, dass die Hälfte der Fälle genetisch bedingt ist. Auch die Erziehung spielt eine Rolle: "Wenn Eltern ihre Kinder immer für die tollsten, schönsten und besten halten und sie besonders behandeln, neigen diese dazu, so ein überhöhtes Selbstwertgefühl aufzubauen", erklärt Class-Hinrich Lammers, ärztlicher Direktor der psychiatrischen Kliniken und Chefarzt der I. und III. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Asklepios Klinik Nord in Ochsenzoll, gegenüber ntv.de.

Auch zu hohe Ansprüche oder Vernachlässigung in der Kindheit können eine Rolle spielen. In so einem Fall haben narzisstische Menschen dann eigentlich ein sehr geringes Selbstwertgefühl. "Die narzisstische Hülle verhindert, dass irgendjemand ihren Kern erkennt", sagt Lammers und ergänzt weiter: "Ein Mensch, der von sich selbst denkt, nicht liebenswert zu sein, kann das kompensieren, indem er ganz viele Dinge tut, die ihm Anerkennung, Respekt und Zuspruch verschaffen". Kein Wunder also, dass sehr viele Narzissten süchtig nach der Bewunderung ihrer Mitmenschen sind. Fällt diese weg, kann das zu einer regelrechten narzisstischen Kränkung führen. In schlimmen Fällen kommt es durch diese Krise zu Depressionen oder sogar Selbstmord. Die Suizidrate ist bei Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung überdurchschnittlich hoch: sie beträgt 14 Prozent.

Die falsche Liebe

Narzissten sind im Grunde nicht zu echter Liebe fähig. "Liebe hat auch viel mit Fürsorge, Konstanz und dem Ertragen von Problemen zu tun. Das können die nicht", erläutert Lammers. Dennoch verhalten diese Menschen sich am Anfang einer Beziehung oft auffällig charmant, wortgewandt und selbstbewusst. Sie sind besonders aufmerksam und tun quasi alles für den potenziellen Partner. Doch schon nach kurzer Zeit kann dieses Verhalten in das absolute Gegenteil umschlagen: Der andere wird ständig kritisiert, kontrolliert und spielt in der Beziehung bestenfalls eine Nebenrolle. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Partner aufhört, das Ego des Narzissten zu streicheln: "Solange die Frau ihn bewundert, toll findet und begeistert ist, ist das Nahrung. Aber sobald das schwächer wird - und das ist nach ein bis zwei Jahren immer der Fall - dann ist die Nahrung weg und sie wird uninteressant", erklärt Lammers.

Eine Beziehung mit einem Narzissten funktioniert daher meist nur kurzfristig: "Narzisstische Menschen können andere nicht an sich heranlassen. Wenn es zu Nähe kommt, werden sie ganz unsicher und empfinden das als belastend", so der Psychologe. Länger andauernde Partnerschaften sind oft geprägt von emotionaler Abhängigkeit und Unterordnung des Partners. Da kein Mensch jedoch immer den Kürzeren in einer Beziehung ziehen will, kommt es häufig zu Konflikten. Von Harmonie und Liebe ist dann nichts mehr zu spüren. Oft finden sich die Partner daher vorerst mit der Situation ab, beenden die Beziehung früher oder später aber, weil der Leidensdruck zu groß wird.

Menschen, die in einem normalen Maße selbstbewusst, glücklich und im Reinen mit sich sind, werden schnell aus einer Beziehung mit einem Narzissten flüchten. Aber wer hält an einer Partnerschaft mit solchen egoistischen Menschen fest? Eine Studie von Psychologen der Universität Münster hat gezeigt, dass sich Selbstverliebte zueinander besonders hingezogen fühlen. "Wenn beide Partner hochnarzisstisch sind und mit ihrem Ego und ihren Erfolgen strahlen, kann das gegenseitig beflügeln", erklärt einer der Studienautoren gegenüber Spektrum. Jedoch bleiben auch nicht-narzisstische Menschen mit Narzissten in einer Beziehung, und zwar dann, wenn sie davon profitieren. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der beruflich erfolgreiche Narzisst sie finanziell versorgt oder im Rahmen seiner dominanten Rolle wichtige Entscheidungen für beide Partner trifft. Häufig handelt es sich dabei um unsichere Menschen, die den Preis dieser toxisch-belastenden Beziehung dafür in Kauf nehmen.

Akzeptanz, Therapie oder Trennung

Viele Frauen und Männer bleiben in der Beziehung, weil sie glauben, der narzisstische Partner würde sich für sie ändern. Das ist jedoch eine aussichtslose Hoffnung, warnt Lammers: "Wenn jemand wirklich ganz starke narzisstische Züge hat, wird ihn niemand verändern, es sei denn, er macht eine Therapie". Nur in seltenen Fällen sind Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung jedoch dazu bereit. Das liegt daran, dass Narzissten meistens keine Einsicht hinsichtlich ihres rücksichtslosen und verletzenden Verhaltens zeigen, sondern von der Richtigkeit ihrer Handlungen absolut überzeugt sind.

Das Problem sind immer die anderen - in dem Fall der Partner. Dieser wird in seinem Selbstwertgefühl so sehr geschädigt, manipuliert und oft vom eigenen sozialen Umfeld isoliert, dass der Absprung mit der Zeit immer schwieriger wird. Daher sollten Betroffene sich bereits frühzeitig fragen, ob sie mit dieser Art von Beziehung glücklich sind und sich notfalls von dem Partner trennen. In späteren Phasen gelingt die Trennung vom Narzissten aufgrund der ausgeprägten emotionalen Abhängigkeit häufig nur noch mit professioneller Hilfe oder wenn der Narzisst selbst die Beziehung beendet.

Erst wenn echter Leidensdruck bei dem narzisstischen Partner entsteht, begibt er sich in Behandlung. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Frau mit der Trennung droht oder Folgeerkrankungen wie Suchtprobleme auftreten. In der Therapie selbst geht es dann vor allem darum, Nähe zuzulassen: "Hinter all dem liegt eigentlich ein Bedürfnis nach Geborgenheit, Nähe und Vertrautheit, das sie nie gelernt haben zuzulassen", erklärt Lammers. Da es sehr häufig an sozialer Kompetenz mangelt, lernen die Betroffenen auch, wie man Gespräche führt oder Interesse an anderen Menschen zeigt. In der Therapie sollen Narzissten auch lernen, zu verstehen, wie sich andere Menschen angesichts des eigenen narzisstischen Verhaltens womöglich fühlen. Welche Bedürfnisse oder Wünsche hat meine Partnerin oder mein Partner überhaupt?

Quelle: ntv.de