Leben

Langsam, rückwärts oder in Serie Lauftrends: Einfach nur Joggen war gestern

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Einfach nur zu laufen ist manchem zu eintönig.

(Foto: imago images / Westend61)

Laufen muss weder besonders anstrengend noch langweilig sein. Das beweisen verschiedene Blicke über den Tellerrand. ntv.de erklärt, wie Schweden, Japaner, US-Amerikaner, Chinesen oder Spanier dem klassischen Joggen frischen Wind verleihen.

Die gute Nachricht für alle Neulinge im Laufsport kommt aus Japan. Dort wurde nämlich das "Slow Jogging" erfunden, eine langsame und schonende Variante, die sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene bis ins hohe Alter hinein eignet.

Der Sportphysiologe Professor Hiroaki Tanaka hat den unaufgeregten Sport entwickelt und erforscht ihn seit Jahrzehnten. Es gelang ihm sogar, das japanische Kaiserpaar dafür zu begeistern und über die Landesgrenzen hinaus eine große internationale Anhängerschaft zu gewinnen. Was aber macht das Slow Jogging so attraktiv? Einen guten Überblick bietet der Deutsche Wellness Verband e.V..

Die Hauptunterschiede zum bekannten Jogging liegen in der besonders kurzen Schrittweite sowie einer hohen Schrittfrequenz. Hinzu kommt die Gewichtsverlagerung beim Auftreten. Hier wird nicht, wie sonst üblich, zuerst die Ferse belastet, sondern der Fußballen. Und allen mit dem Ziel, Gewicht zu verlieren, sei verraten: Man verbraucht als Slow Jogger auf gleicher Strecke genauso viele Kalorien wie beim klassischen Jogging mit größeren Schritten.

Schwedisches "Laufsammeln"

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Beim Plogging läuft man und sammelt Müll auf.

(Foto: imago images/Westend61)

Vor knapp zwei Jahren ist die "Plogging"-Welle, ein Trend aus Schweden, zu uns geschwappt. Das Phänomen ist schnell erklärt: aus Jogging und "Plokka", dem schwedischen Wort für Aufsammeln, entstand der Kunstbegriff "Plogging". Er beschreibt, wie schwedische Läufer begannen, dem Müll, der sich immer wieder rechts und links ihrer Laufstrecken ansammelte, den Kampf anzusagen. Zur Standard-Ausrüstung wie Trinkflasche und Pulsmesser gesellten sich eine Mülltüte und Plastikhandschuhe.

Wem das "Laufsammeln" alleine keinen Spaß macht, der schließt sich am besten regelmäßig stattfindenden Plogging-Mobs an. Die Techniker Krankenkasse gibt unter dem Stichwort "Plogging" hilfreiche Ratschläge, damit nicht nur die Umwelt, sondern auch ihre Schützer bestmöglich von der Laufneuheit profitieren.

US-Amerikaner laufen in Serie

Ein fast schon alter Hut ist dagegen das "Streak Running", das sich bereits um die Jahrtausendwende in den USA etabliert hat. Im Zentrum steht die Zahl 365, denn an exakt so vielen Tagen pro Jahr läuft der Streakrunner mindestens eine Meile, also rund 1,6 Kilometer. Beim Laufen in Serie (englisch "Streak") geht es weniger um die zurückgelegte Strecke, sondern vielmehr um das tägliche Sich-Überwinden.

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Für Streak-Runner ist jedes Wetter Laufwetter.

(Foto: imago/Manngold)

Sportpsychologe Professor Oliver Stoll ist überzeugt: "Es geht den meisten Streakern um eine grundlegende Einstellung zu sich, ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit, zur Natur und zum Leben mit sich und auch anderen Menschen im Allgemeinen". Die mentale Herausforderung bestehe darin, sich jeden Tag aufzuraffen und laufen zu gehen, unabhängig von Uhrzeit, Wetter, Tagesgeschäft, privaten Problemen, Unwohlsein, "keine Lust" oder anderen Begleitumständen und anderen sportlichen Aktivitätsmöglichkeiten. Für alle, die sich zum Laufen in Serie gerne Hinweise von erfahrenen Streakern einholen und sich austauschen möchten, gibt es das deutsche Streaker-Forum.

Im Jahre 2017 wurde übrigens der weltweit bisher längste bekannte Streak beendet: Die Rekord-Laufserie des Engländers Ron Hill hatte ganze 52 Jahre und 39 Tage gedauert.

Sightrunning in Barcelona

Weniger um Ausdauer und mehr um das Entdecken von Schönem und Unbekanntem geht es beim "Sightrunning". Die Kombination aus Sightseeing und Laufen eignet sich bestens dazu, Stadturlaub und Sportlichkeit unter einen Hut zu bekommen. In Barcelona etwa, einer Metropole mit einem riesigen Angebot an Sehenswürdigkeiten, lassen sich problemlos geführte Sightrunning-Touren buchen. Angeführt von einem einheimischen Guide geht es dann solo oder in der Gruppe kreuz und quer durch die Stadt, begleitende Erläuterungen zu Bauwerken und Stadtgeschichte sowie "Geheimtipps" für den weiteren Aufenthalt gibt es obendrauf.

Zum Schluss sei noch eine chinesische Besonderheit erwähnt: das Rückwärtslaufen. Ja, ganz richtig, hier heißt es umdrehen und mit dem Rücken voran durch den Park laufen oder zügig gehen. Das soll schonender für die Knie sein und hat neben dem sportlichen Hintergrund vor allem auch einen geistigen. In der chinesischen Religion des Daoismus heißt es: "Das Materielle im alltäglichen Leben geht nach vorne, das Spirituelle geht nach hinten." Neulingen wird geraten, die ungewohnte Bewegung am besten erst einmal "trocken" auf dem Laufband zu üben, bevor es hinaus ins Freie geht.

Quelle: ntv.de