Leben

Resort-Chefin aus Leidenschaft Rosalba lädt die Welt ins Trullo ein

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Die runden Häuser mit dem Zipfelmützen-Dach sind ein echter Hingucker.

(Foto: Leonardo Trulli Resort)

Sie sehen schon urig aus, diese apulischen Natursteinbauten in Kegelform und mit Zipfelmützen-Dach. Einige dieser sogenannten Trulli hat Rosalba Cardone geerbt. Mit ihnen verwirklicht sie ihren Traum - angespornt von einer Liebesgeschichte aus den Kriegsjahren.

Rosalba Cardone träumte schon immer von der großen weiten Welt. Mehrere Jahre war sie auf Reisen, sogar den Amazonas-Regenwald hat sie gesehen. Doch dann verliebte sie sich und bekam zwei Söhne. Mit dem vielen Reisen war es nun vorbei. Aber "könnte es nicht auch umgekehrt gehen?", fragte sie sich. Sie beschloss, die Welt zu sich nach Hause einzuladen. Und zwar auf ein ganz besonders schönes Fleckchen Erde.

Cardone ist eine adrette Süditalienerin, etwas über 30 Jahre alt, mit viel Witz und Energie. Und sie hat, wie sie selber hinzufügt, einen richtigen Dickkopf. Gegen den nichts und niemand eine Chance hat. Wenn sie sich etwas vornimmt, dann zieht sie es durch - auch gegen den Widerstand der kompletten Familie. So auch im Fall des "Leonardo Trulli Resorts".

Das Resort im Valle d'Itria im süditalienischen Apulien ist nach dem Cousin von Cardones Vater benannt. Er hat der Familie die Trulli vererbt. Trulli sind kleine kegelförmige, aus weißgetünchten Natursteinen zusammengesetzte Bauten mit einem grauen Dach, das einer Zipfelmütze ähnelt. Unzählige davon stehen in Apulien, die ältesten wurden Ende des 18. Jahrhunderts gebaut. Sogar eine ganze Stadt aus Trulli gibt es: Alberobello ist weltweit bekannt und seit 1996 Unesco-Weltkulturerbe. Wer durch die Gassen der Altstadt schlendert, den überkommt das Gefühl, aus den Häusern müssten jeden Moment Kobolde heraustreten, so witzig fühlt sich das an.

Ein verfallenes Erbe

Die Trulli von Cardone befinden sich etwas außerhalb der Kleinstadt Locorotondo, zehn Kilometer südlich von Alberobello. Da es im Inneren der Trulli dank der dicken Mauern auch im Sommer angenehm kühl ist, hatte Leonardo sie als Vorratskammern für Wein und selbst hergestelltes Olivenöl benutzt. Nach seinem Tod verfielen die Gebäude jedoch langsam.

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Rosalba Cardone setzte ihren Kopf durch und ist heute Chefin einer ganz besonderen Ferienanlage.

(Foto: Leonardo Trulli Resort)

"Ich fand das wirklich schade" erzählt Rosalba bei einem Glas Rotwein auf der Terrasse des Restaurants direkt neben dem Swimmingpool. "Leonardo war zwar etwas komisch, aber ich mochte ihn". Die letzten Jahre hatte er bei ihrer Familie verbracht. Trotz seiner vielen Gebrechen ließ er sich von Cardones Vater jeden Morgen auf sein Gut bringen und am Abend wieder abholen.

Dass Cardone von Leonardo so angetan war, hatte auch mit der Liebesgeschichte zu tun, von der er ab und zu erzählte. Im Krieg war er in die norditalienische Stadt Udine versetzt worden und arbeitete dort beim Roten Kreuz. "Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, jeden Sonntag die Tochter eines Generals ins Kino zu begleiten. Und wie es so ist, er verliebte sich in sie", erzählt Cardone. Aus den beiden wurde allerdings nichts und so kehrte Leonardo mit Kriegsende wieder zurück nach Apulien und kümmerte sich von nun an um seinen Landbesitz.

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Tradition trifft Moderne: Blick in das Innere eines Trullo.

(Foto: Leonardo Trulli Resort)

Über Jahrzehnte galten die Trulli als Häuser für ärmere Leute, weswegen die Besitzer auszogen, sobald sie es sich leisten konnten. Doch seit den 90er-Jahren liegen die Trulli wieder voll im Trend. Viele wurden saniert und sind heute Ferienhäuser. Dasselbe könnte man doch auch mit denen von Leonardo machen, fand Cardone. Vor allem ihr Vater war skeptisch, doch am Ende überzeugte sie ihn. "Wir haben mit der Sanierung von vier Trulli angefangen", erklärt sie. "Das war eine Mordsarbeit, auch weil es immer weniger Trullai, also Facharbeiter, gibt." Die Trulli stehen nämlich unter Denkmalschutz. Man darf sie zwar bewohnbar machen, aber die ursprüngliche Struktur muss erhalten bleiben. Fenster, Heizung, Wasser, Elektrizität und mittlerweile auch Wlan einzubauen, ist also alles andere als ein Kinderspiel. "Da die Trulli nur aus aufeinandergelegten Steinen bestehen und ganz ohne Mörtel errichtet sind, erfordert jeder Handgriff große Fachkenntnis", so Cardone.

Aus Gästen werden Freunde

Die Arbeiten kamen nur langsam voran. "Als wir die ersten Gäste empfingen, hatten wir nicht einmal einen Frühstücksraum, sondern nur einen weißen Pavillon im Freien. Aber die Gäste fanden das toll und manchmal saßen wir abends bei einem Teller Pasta beisammen", erinnert sich Cardone. Mittlerweile besteht das "Leonardo Trulli Resort" aus sechs sanierten Trulli, dem Herrenhaus, in dem es weitere Gästezimmer gibt, und einem Restaurant mit Blick auf den Garten. "Auf diesen Garten und besonders auf die Kräuter- und Gemüsebeete bin ich sehr stolz", erzählt Cardone. "Das Gemüse, das bei uns auf den Tisch kommt, bauen wir hier selbst an."

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Ein Swimmingpool darf im heißen Süditalien natürlich nicht fehlen.

(Foto: Andrea Affaticati)

Ihr Wunsch, die Welt zu sich nach Hause zu holen, hat sich erfüllt. Die Gäste kommen von überall her und empfehlen das Resort begeistert weiter. Der Tatendrang, mit dem Cardone ihr Projekt vorantreibt, ist ansteckend. Eine Hotelfachschule hat sie zwar nie besucht, aber was ihr an Fachkenntnissen fehlt, macht sie mit großer Leidenschaft und viel Geschmack wett. Und so stimmt hier alles bis ins kleinste Detail, angefangen bei der Einrichtung der Trulli und Zimmer bis hin zum großen Swimmingpool, der nicht mit Chlor desinfiziert wird, sondern mit Salz. "Wir setzen auf hundertprozentige Nachhaltigkeit", hebt Rosalba stolz hervor.

Und zu guter Letzt ist da noch die Verbundenheit, die sie diesem Fleck Erde gegenüber empfindet. Deswegen begleitet sie ihre Gäste gerne auf einen Rundgang durch das Städtchen Locorotondo mit seinen "Cummerse", die das Altstadtbild prägen. Es sind schmale, in die Höhe schießende Giebelhäuser, die an Bleistifte erinnern. "Die Gäste sollen ja auch die Umgebung erkunden", meint sie. Und so haben Cardones Zuwendung und Begeisterung dazu geführt, dass im Laufe der Jahre viele der Gäste aus aller Welt zu Freunden geworden sind.

Quelle: n-tv.de