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Ein Bild mit Symbolcharakter: Das unsagbar Böse, eingerahmt von der puren Unschuld.
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Dienstag, 13. Februar 2018

"Die Sperlinge fliegen wieder": George A. Romero + Stephen King = "Stark"!

Von Thomas Badtke

Stephen King und George A. Romero sind zwei Großmeister des Horrors. 1993 erscheint Romeros Verfilmung des King-Bestsellers "Stark - The Dark Half". Der Film landet auf dem Index. Nun, 25 Jahre später, ist er wieder erhältlich. Eine Hommage.

"Ich bin traurig zu hören, dass mein liebster Kollege - und guter alter Freund - George Romero gestorben ist. George, es wird nie wieder jemanden wie dich geben." Diese Worte Stephen Kings zum Tod George A. Romeros 2017 zeigen den Respekt, den der eine Großmeister des Horrors vor dem anderen hatte. Aber noch mehr: King und Romero waren Freunde, Weggefährten, Brüder im Geiste. Sie befruchteten sich in ihrem Schaffen. Der beste Beweis ist die Romero-Verfilmung des King-Bestsellers "Stark - The Dark Half" von 1993.

Den Film kennen Sie nicht? Kein Wunder, denn er war in Deutschland indiziert und darf erst nun wieder veröffentlicht werden, rund 25 Jahre später. Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt, die Sehgewohnheiten ebenso. Die Löschung vom Index ist eine Folge davon und war längst überfällig. Vielleicht ist sie auch eine posthume Hommage an Romero selbst. Dem Begründer des Zombiefilms ist mit "Stark" wiederum eine Hommage an den Kingschen Horror gelungen.

Jeder fängt mal klein an

Timothy Hutton spielt Beaumont und Stark.
Timothy Hutton spielt Beaumont und Stark.

Der Film basiert nicht nur auf der Romanvorlage Kings, er ist eine nahezu identische Verfilmung des Buchstoffs, mit einem glänzend aufgelegten Timothy Hutton ("Der gute Hirte", "Leverage") in der Hauptrolle des Thad Beaumont, der in Maine zu Hause ist, Ehemann, Familienvater, Schriftsteller. Schon als Kind fing Beaumont mit dem Schreiben an. Erst mit Bleistiften, dann mit einer Schreibmaschine. Der Weg Beaumonts scheint vorgezeichnet - und wird doch erschüttert.

Der kleine Thad hört Sperlinge, bekommt Anfälle und im Krankenhaus wird ihm ein Gehirntumor entfernt. Es handelt sich aber nicht um einen normalen Tumor, sondern um die ins Gehirn gewanderten Überreste seines Zwillings wie etwa ein Auge. Eine seltene Sache, aber er habe schon davon gehört, sagt der Arzt. Was Thad erst Jahrzehnte später erfährt: Die herausoperierten "Überbleibsel" seines absorbierten Zwillings werden nicht einfach  mit dem restlichen Krankenhausmüll verbrannt, sondern in einer Grabstelle der Familie beigesetzt.

Erpressung mit Todesfolge

Thad feiert als Schriftsteller Erfolge bei den Kritikern, aber kaufen will seine Bücher kaum einer. Ganz anders bei George Stark. Dessen vor Blut und Gewalt triefenden Bücher gehen weg wie warme Semmeln. Aber wer hinter Stark steckt, wissen nur Beaumont, seine Frau und die Verleger.

Nicht jeder will sterben ...
Nicht jeder will sterben ...

Als ein Typ aus New York auftaucht, das Geheimnis lüften will und Beaumont erpresst, entschließt sich der Schriftsteller zum Gegenschlag: Er beerdigt George Stark mit einer Homestory, morbiden Bildern und einer Promo-Tour. Doch dann gerät er ins Fadenkreuz der Polizei.

Die Sperlinge fliegen wieder

Der Fotograf der Stark-Beerdigung wird tot am Straßenrand gefunden, erschlagen mit seinem eigenen Holzbein. Wenig später zeichnen auch der Homestory-Autor und das Verlegerpärchen mehr oder weniger grauenhaft zugerichtet das Zeitliche. Die Spuren, in erster Linie ein blutiger Fingerabdruck, führen zu Beaumont. Doch der weiß es besser.

Sein gewaltstrotzendes Pseudonym ist zum Leben erwacht und rächt sich an all denen, die es umbringen wollten. Auch Beaumonts Frau und die Zwillingsbabys sind in Lebensgefahr. Von der Polizei ist keine große Hilfe zu erwarten: Thad Beaumont muss selbst ran, um seine selbst erschaffene dunkle Hälfte aufzuhalten. Sein Vorteil: Er hört und sieht wieder die Sperlinge, wie in seiner Kindheit. Sie künden von der Ankunft George Starks. High Noon. Mitten in Maine.

Der Titel ist Programm

"Stark - The Dark Half" ist bei Koch Media erschienen.
"Stark - The Dark Half" ist bei Koch Media erschienen.

"Stark - The Dark Half" gehört zu den besten Verfilmungen von King-Bestsellern. Das liegt zum einen an Timothy Hutton als "Dr. Jekyll" (Thad Beaumont) und "Mr. Hyde" (George Stark). Das liegt aber auch an der typischen 1990er-Jahre-Horrorfilmstimmung: Hier wird mit drastischen Szenen nicht gegeizt. Vor allem der Einsatz von Starks Rasiermesser und die vor Angst geweiteten Augen, in die der Zuschauer blicken muss, heizen das Kopfkino an.

Dazu die düsteren Schwärme von Sperlingen, die unweigerlich Erinnerungen an Alfred Hitchcocks "Die Vögel" wachrufen und die im absoluten Gegensatz zur malerischen Naturlandschaft Maines stehen. Wundervoll! Dass der Film beim heutigen Stand der Ermittlungstechniken und im Smartphone-Zeitalter nicht mehr so funktionieren würde wie 1993, macht ihn darüber hinaus zeitlos.

Am Ende ist "Stark - The Dark Half" eben eine Hommage an eine Hommage, von einem Horrorgenie an ein anderes. Dass Romero Regie führt, sieht man als Zuschauer überdeutlich an den Schlussszenen. Dass sich Romero und King nahestanden, erkennt man als Zuschauer an der Liebe zum Detail, mit der Romero die Buchvorlage Kings umgesetzt hat: Das fängt bei Starks Toronado mit Aufkleber an und hört beim Schreibzimmer ohne Fenster auf.

Durch den Tod Romeros 2017 wird es nun keine weitere Zusammenarbeit der beiden mehr geben. Als Fan bleiben neben "Stark - The Dark Half" noch die Episodenwerke "Creepshow - die unheimlich verrückte Geisterstunde" und "Tales from the Darkside - Geschichten aus der Schattenwelt", bei denen die beiden Großmeister mehr oder weniger zusammenarbeiteten. Oder man erfreut sich an den gegenseitigen Ehrbezeugungen: So widmete King etwa die Romane "Christine" und "Puls" George A. Romero. Der wiederum lässt in seinem Film "Zombie 2" kurz eine Ausgabe des King-Bestsellers "Brennen muss Salem" auftauchen.

Am Ende bleibt nur noch einmal, an das Zitat vom Beginn des Textes zu erinnern und zu sagen: "Stephen King hat recht!", denn es wird nie wieder jemanden wie George A. Romero geben. "Stark - The Dark Half" ist der sehenswerte Beweis!

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Quelle: n-tv.de