Panorama

Impfung nur für über 60-Jährige Briten empört über Astrazeneca-Stopp

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Premierminister Boris Johnson erhielt Mitte März seine erste Astrazeneca-Dosis.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Die Entscheidung, den britischen Impfstoff in Deutschland nur eingeschränkt einzusetzen, sorgt in Großbritannien für Unverständnis. Bislang sind dort nur fünf Fälle von Hirnvenenthrombosen nach der Impfung aufgetreten - und nur bei Männern.

Die Entscheidung in Deutschland, den Impfstoff von Astrazeneca ohne Einschränkung nur bei über 60-Jährigen einzusetzen, ist in Großbritannien auf Kritik gestoßen. Der britische Wohnungsbauminister Robert Jenrick sagte dem britischen Nachrichtensender Sky News: "Der Impfstoff von Oxford/Astrazeneca ist sicher, wirksam und hat in diesem Land bereits Tausende von Leben gerettet." Britische Wissenschaftler bekräftigten, dass das Vakzin sicher sei und es noch keine Beweise dafür gebe, dass es Blutgerinnsel verursache, berichtete die "Daily Mail".

In Deutschland darf der Impfstoff von Astrazeneca nur eingeschränkt gespritzt werden: Frauen und Männer unter 60 Jahren sollen nicht mehr mit dem Präparat geimpft werden. Das haben Bund und Länder beschlossen, nachdem es mehrere Berichte über teils gefährliche Nebenwirkungen und auch Todesfälle gegeben hatte. "Das ist ohne Frage ein Rückschlag", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstagabend. Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die Entscheidung: "Vertrauen entsteht aus dem Wissen, dass jedem Verdacht nachgegangen wird, dafür stehen Bund und Länder ein."

Nicht nur in Deutschland hat der britisch-schwedische Impfstoff in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Auch die britischen Medien haben die holprige Einführung des Präparats in Deutschland verfolgt. Die größte britische Tageszeitung, "The Sun", schrieb als Reaktion auf die jüngste Entscheidung nun "Merk Your Mind Up" - ein Wortspiel, das "Entscheiden Sie sich" mit dem Namen der Bundeskanzlerin verbindet.

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Bisher sind in Großbritannien fünf Fälle von Hirnvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung aufgetreten. Eine Person ist verstorben. Doch anders als im Rest Europas sind offenbar nur Männer betroffen. In dem Vereinigten Königreich haben bereits 30 Millionen Menschen die erste Dosis bekommen - 11 Millionen davon mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. In Wales, wo 440.000 Menschen geimpft wurden, sind laut einer Studie der Universität Swansea keine Thrombosen im Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten. 180.000 Menschen sind in Wales mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft worden. Weitere 260.000 haben den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten.

Die britische Regierung will bis zum 15. April etwa 32 Millionen Menschen eine erste Impfstoffdosis zur Verfügung stellen. Dienstag hieß es weiter: "Wie die unabhängige britische Regulierungsbehörde gesagt hat, sollten die Menschen die Impfung bekommen, wenn sie dazu aufgefordert werden." Die Regierung habe 100-prozentiges Vertrauen in die Wirksamkeit des Medikaments, sagte ein Sprecher, und das sei durch verschiedene Studien, die britische Arzneimittelbehörde und aktuelle Forschungen bestätigt worden.

Quelle: ntv.de, cls

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