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Nach Astrazeneca-Bremse STIKO hofft auf mehr Impfstoff-Vertrauen

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2,7 Millionen Menschen haben bereits die erste Dosis mit dem Astrazeneca-Wirkstoff erhalten.

(Foto: AP)

Auf den ersten Blick sieht es nicht danach aus, dass der neuerliche Stopp von Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin als vertrauensbildende Maßnahme zu verstehen sein könnte. Der Chef der Ständigen Impfkommission gewinnt aus dem Beschluss der Bundesregierung jedoch auch etwas Gutes.

Nach der erneuten Änderung der Impfempfehlung für Astrazeneca hält der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, einen Vertrauensverlust für möglich. "Es kann sein, dass dadurch Vertrauen schwindet", sagte Mertens den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es könne aber auch das Gegenteil bewirken. Der Fall zeige, dass die Kontrollfunktion des Paul-Ehrlich-Instituts gut funktioniere. "Sie haben mehr als 30 besorgniserregende Fälle registriert, es wurde intensiv geprüft und Alarm geschlagen und jetzt reagiert man darauf. Das sollte eigentlich vertrauensbildend sein."

Die Bundesregierung hatte am Dienstag beschlossen, das Astrazeneca-Vakzin nur noch an Menschen über 60 Jahren zu verimpfen. Hintergrund sind Thrombose-Fälle vor allem bei jüngeren Frauen. Jüngere Menschen in den Impfgruppen eins und zwei könnten "gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entscheiden, mit Astrazeneca geimpft werden zu wollen", hieß es in dem Beschluss.

Erst Mitte März waren Astrazeneca-Impfungen nach einer mehrtägigen Impfpause und neuen Überprüfungen wieder angelaufen. Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzlerin Angela Merkel bekräftigen am Dienstagabend das Ziel, bis Ende des Sommers allen Bürgern ein Impfangebot zu machen. Spahn appellierte gleichwohl an alle 60-Jährigen, das Impfangebot auch wahrzunehmen. Der Impfstoff sei sehr wirksam, gerade auch bei Älteren. Auch dass verschiedene Impfstoffe zur Verfügung stünden, sei ein großes Glück, sagte Merkel. Zu ihrer Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca sagte die Kanzlerin: "Wenn ich dran bin, lass' ich mich impfen, auch mit Astrazeneca".

In dem Beschluss der Gesundheitsminister heißt es, die Länder sollen nun auch schon 60- bis 69-Jährige für das Mittel von Astrazeneca mit in ihre Impfkampagnen einbeziehen können. "Dies gibt die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden 3. Welle nun schneller zu impfen." Derzeit laufen generell Impfungen in den ersten beiden Prioritätsgruppen, zu denen - bezogen auf das Lebensalter - Menschen ab 70 Jahre gehören. Wenn Menschen unter 60 sich für Astrazeneca entscheiden, sollen diese Impfungen grundsätzlich in den Praxen der niedergelassenen Ärzte erfolgen.

Prozedere bei Zweitimpfung noch unklar

FDP-Generalsekretär Volker Wissing kritisierte das Krisenmanagement der Regierung: "Dieses sprunghafte, dass die Bundesregierung an den Tag legt, führt zu Vertrauensverlust. Wir verlieren Zeit, wir zerstören das Vertrauen in die Impfung", sagte Wissing bei "Bild live" am Dienstagabend. Es sei "mehr als erklärungsbedürftig", dass der Impfstoff "erst für Jüngere, dann für Ältere, dann wieder mit Risiko und plötzlich nur für Ältere" sicher sei. Die Verunsicherung nehme von Tag zu Tag zu.

Grundlage für die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern war eine Empfehlung der STIKO, die auf derzeit verfügbare Daten zum Auftreten "seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen" basiere. Diese seien 4 bis 16 Tage nach der Impfung ganz überwiegend bei Personen im Alter unter 60 Jahren aufgetreten. In Deutschland sind bisher 31 Fälle solcher Blutgerinnsel nach Impfungen mit Astrazeneca bekannt, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) berichtete.

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Zur Zweitimpfung von Menschen, die bereits die erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine Empfehlung abgeben. Nach dem Beschluss von Bund und Ländern könnten aber Menschen unter 60, die schon die erste Dosis Astrazeneca erhielten, bereits davor die Zweitimpfung von Astrazeneca bekommen - nach Rücksprache mit dem Arzt.

Laut Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden bisher rund 2,7 Millionen Erstimpfungen gemacht, aber vorerst nur 767 Zweitimpfungen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte am Abend, er bedauere sehr, dass jetzt viel Verunsicherung aufkommen wird. "Astrazeneca bleibt dennoch ein wichtiger Impfstoff zur Eindämmung der Corona-Infektionen." Er bitte vor allem die über 60-Jährigen herzlich, sich Astrazeneca gegenüber aufgeschlossen zu zeigen. "Ich jedenfalls werde mich mit Astrazeneca impfen lassen, sobald ich an der Reihe bin", sagte Weil.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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