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Wenige Anbieter, hohe Ansprüche Bundeswehrstiefel sind Spezial-Produkt

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Kampfstiefel sind Spezialschuhwerk.

(Foto: imago images / photothek)

Die Bundeswehr kann ihre Soldaten nicht wie geplant mit neuen Kampfstiefeln ausstatten. Einer der Hersteller der Spezialschuhe ist die Haix Group, die jedoch fristgerecht liefert. Das ist bei einem so aufwändigen Produkt eine Herausforderung.

Bis Ende 2020 sollte das neue "Kampfschuhsystem Streitkräfte" bei der Bundeswehr abgeschlossen sein. Nun teilte das Verteidigungsministerium mit, dass sich der Wechsel vom "Ganzjahresschuh" auf zwei Paar "Kampfschuh, schwer" und ein Paar "Kampfschuh, leicht" doch noch länger hinziehen wird.

Zu den Herstellern, die die Bundeswehr beliefern, gehört die Haix Group im bayerischen Mainburg. Pressesprecher Dominik Schleidgen nennt die Bundeswehr im Gespräch mit n-tv.de einen "langjährigen Kunden". Der Schuhhersteller, der beispielsweise auch Feuerwehr- und andere Sicherheitsschuhe herstellt, ist nach eigenen Angaben einer von wenigen Anbietern, die dieses Spezialschuhwerk überhaupt liefern können.

Im Bericht des Verteidigungsministeriums heißt es, der ursprüngliche Zeitplan lasse sich "aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten der Industrie" nicht halten. Für Haix widerspricht Schleidgen dieser Einschätzung. "Das, was bestellt ist, können wir fristgerecht liefern."

Spezielle Anforderungen

Allerdings handele es sich bei einem Kampfschuh der Bundeswehr um einen sehr "komplexen und aufwändigen" Schuh, in etwa vergleichbar mit einem Hightech-Trekking-Schuh, so Schleidgen. Für ein Paar dieser Spezialschuhe müsse man deshalb von mindestens 120 Fertigungsminuten ausgehen. Die Herstellungsdauer für ein normales Paar Straßenschuhe liegt bei 30 bis 40 Minuten. Die Anforderungen an die Kampfschuhe, die Haix für die Bundeswehr produziert, werden von der Armee festgelegt und dann dementsprechend umgesetzt. Welche das genau sind, wird jedoch nicht öffentlich gemacht.

Auf ihrer Internetseite werben die Bayern: "Haix Bundeswehrstiefel wurden extra sorgfältig designt, um den anspruchsvollen Aufgaben der Truppen so viel Unterstützung wie möglich zu geben. Daher stehen Ergonomie und die Sicherheit des Fußes immer im Fokus." Unter anderem sorge eine separate Fersenschale für Halt, Blasen gehörten der Vergangenheit an.

155 Arbeitsschritte

Produktbeschreibungen im Internethandel kann man entnehmen, dass ein Haix-Bergschuh der Bundeswehr als Obermaterial 2,5 bis 2,7 Millimeter dickes atmungsaktives Waterproofleder hat, das Innenfutter ist 4-lagiges Gore-tex, wasserdicht, atmungsaktiv, abriebfest und mit erhöhtem Chemikalienschutz. Die anatomisch geformte Einlegesohle kann man waschen und austauschen. Die Kunststoffsohle isoliert gegen Kälte und Hitze, sie ist außerdem extra abriebfest und rutschsicher. In dieser Ausstattung kostet ein Paar um die 200 Euro.

Alle diese Komponenten müssen gefertigt und geliefert werden, erläutert Schleidgen. Der Hersteller ist damit auch abhängig von den Kapazitäten der Zulieferer. Die Fertigung selber sei dann ein komplexer Vorgang, den speziell ausgebildete Fachkräfte erledigen. In einem Feuerwehrstiefel steckten zum Beispiel 155 Arbeitsschritte. 

Haix beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit etwa 1300 Mitarbeiter, von denen rund 1000 im kroatischen Mala Subotica arbeiten. Dorthin hatte man einen Teil der Produktion verlagert, nachdem die Kapazitäten am Stammsitz in Mainburg maximal ausgereizt waren. Schleidgen zufolge hat aber jeder der Spezialhersteller Kapazitätsgrenzen. Diese werden bei der Neuausstattung einer kompletten Armee möglicherweise schnell erreicht.

Quelle: n-tv.de

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