Panorama

Beatmungsgerät und Koma überlebt Covid-Patient wird nach 306 Tagen entlassen

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Mitarbeiter des britischen Gesundheitsdienstes NHS bestätigen: Die Söhne des Langzeitpatienten haben ganze Arbeit geleistet.

(Foto: REUTERS)

"Das Beste am zu Hause sein ist, nicht im Krankenhaus zu sein", sagt Geoffrey Woolf, und er muss es wissen. Fast ein Jahr lang liegt der Londoner in verschiedenen Kliniken. Woolf überlebt Koma und Beatmungsgerät. Wohl auch dank seiner Söhne.

Nach mehr als 300 Tagen im Krankenhaus ist ein 74 Jahre alter Covid-Patient in London nach Hause entlassen worden. "Das Beste am zu Hause sein ist, nicht im Krankenhaus zu sein", sagte der Londoner Geoffrey Woolf nach seiner Rückkehr dem Sender BBC. "Ich kann essen, wann und was ich will, und ich kann meine Söhne und Freunde sehen." Woolf war im März vergangenen Jahres schwer an Covid-19 erkrankt und danach über zwei Monate lang künstlich beatmet und ins Koma versetzt worden.

Zwischenzeitlich gab es kaum noch Hoffnung: "Das erste Mal, als wir ins Krankenhaus kamen, sagten sie uns, dass er tot ist", sagte sein Sohn Nicky Woolf der BBC. Im April letzten Jahres wurden seine drei Söhne ins Krankenhaus bestellt, um sich zu verabschieden. Scans von Woolfs Gehirn zeigten keine Aktivität. "Sie sagten, wir könnten reingehen und uns verabschieden", so Woolf.

Seine Söhne baten um einen letzten Scan. Der demnach eine geringe Hirnaktivität zeigte - ein Hoffnungsschimmer, dass ihr Vater sich erholen könnte. Sie richteten dem literaturliebenden Woolf einen E-Reader mit Hörbuchversionen seiner Lieblingsromane ein. Auf dem spielten sie ihrem bewusstlosen Vater zum Beispiel "Stolz und Vorurteil" ab. Das sei immer seine "Wohlfühllektüre" gewesen, so die Söhne. "Wir haben alle eine sehr dunkle Zeit durchgemacht", erinnert sich Nicky Woolf.

Doch im Juli wachte Woolf unerwartet wieder auf. Nach einigen Monaten mit Sprechtraining und Physiotherapie hatte er sich von einem erlittenen Schlaganfall und seiner Erkrankung so weit erholt, dass er nach insgesamt 306 Tagen in zwei verschiedenen Krankenhäusern nach Hause entlassen werden konnte. Heute sitzt der 74-Jährige in einem elektrischen Rollstuhl.

Geoffrey Woolf musste dem Virus laut BBC auch an einer anderen Stelle Tribut zollen: "Ich habe mich auf ein Glas Wein gefreut - aber meine Geschmacksnerven haben sich verändert", sagt Woolf. "Ich habe jetzt vier verschiedene Weine probiert und sie schmecken alle scheußlich - das ist sehr enttäuschend." Aber Woolf schätzt sich glücklich, zu Hause und von seiner Familie umgeben zu sein. "Ich bin einfach sehr stolz auf die Jungs", sagt er.

"Man spürt wirklich, wie sehr alle, die im NHS arbeiten, verzweifelt versuchen, die Erfahrungen der Patienten zu verbessern", sagte Nicky Woolf der BBC. Dazu tragen nun auch die drei Söhne bei. Ihre Hörbuchaktion hatte Ärzten und Pflegern zufolge positive Effekte und kommt nun auch in mehreren anderen Krankenhäusern zum Einsatz. Woolfs Söhne riefen die Hilfsorganisation "Books for Dad" ins Leben, die seither rund 400 E-Reader mit Hörbüchern an Patienten ausgeliefert hat.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa