Panorama

Kälte im hohen Norden gefangen Der Winter lässt noch etwas auf sich warten

Es ist Mitte Januar und manch einer ist geneigt, demnächst die Shorts aus dem Keller raufzuholen. Dabei sollten wir in Deutschland den Winter nicht allzu voreilig abschreiben, sagt ntv-Meteorologe Björn Alexander: "Dass der Winter komplett ausfällt, ist ziemlich unwahrscheinlich."

ntv.de: Das erste Januar-Drittel ist im Prinzip rum und Winter haben wir bisher noch gar nicht erlebt. Wie viel zu warm ist es momentan und ist das eigentlich noch normal? Zumindest sah es vor genau einem Jahr ganz anders aus.

Björn Alexander: Der Januar war bisher gut vier Grad zu warm. Das ist natürlich schon ganz schön happig. Aber die Rekorde in Sachen Wärme liegen im Januar schon bei knapp 20 Grad. Insofern sind wir mit bis zu 15 Grad, die wir vorgestern vor allem in Baden-Württemberg bekommen haben, davon noch ein ordentliches Stück entfernt. Dementsprechend ist diese Spanne von einer ausgewachsenen Schneelage - wie 2019 in den Alpen - bis hin zu vorfrühlingshaften Temperaturen einfach mal in der normalen Januar-Spanne. Aber: eine derartig unwinterliche Lage ohne nennenswerte Tiefdruckaktivität bei uns ist über einen so langen Zeitraum schon eher eine Seltenheit.

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Aus der Sicht der Winterfreunde: Was läuft denn bei der aktuellen Wetterlage falsch?

Der Polarwirbel, der maßgeblich für den Witterungsverlauf bei uns im Winter mitverantwortlich ist, ist derzeit sehr kompakt. Das heißt: es begrenzt sich stark auf die Polregion und greift kaum nach Süden aus.

Mit welchen Folgen?

Damit sind am Rande des Wirbels zwar zum Teil extrem kalte Temperaturen drin. So meldete beispielsweise die grönländische Wetterstation Summit in den letzten Tagen neue Allzeit-Kälterekorde von minus 66 Grad. Aber die Kaltluft ist im Prinzip im hohen Norden gefangen. Gleichzeitig entwickeln sich über dem Atlantik immer wieder sehr starke Tiefdruckgebiete und Orkantiefs und wir in Mitteleuropa sind nur Zaungäste dieses extrem aktiven und kontrastreichen Treibens.

Wie sieht es in Sachen Winter in den USA aus? Dort erlebten die Menschen in den letzten Jahren ja auch immer wieder heftige Winter.

Ebenfalls alles andere als kalt. An diesem Wochenende bekommt die US-amerikanische Ostküste auf der Vorderseite eines Tiefs richtige Frühlingstemperaturen. Washington D.C. erlebt Höchsttemperaturen von um die 20 Grad. Im Mittel ist es damit an der Ostküste bis herauf nach Kanada rund 20 bis knapp 30 Grad über den Normalwerten.

Wenn wir schon mal in der Welt unterwegs sind: Welche Aussichten erwarten denn die von den Buschfeuern bedrohten Regionen in Australien?

Leider gibt es vorerst noch keine guten Nachrichten. Die Temperaturen steigen wieder an. Allerdings ist das weniger ein Problem als der neuerlich auflebende Wind, der die Brandherde immer weiter anfacht. Kurzfristig ist demzufolge keine Entspannung in Sicht. Jedoch gibt es mittelfristig etwas Hoffnung. Im Laufe der nächsten Woche werden die Niederschlagssignale im Südosten Australiens nämlich häufiger und intensiver. Auf jeden Fall ein Lichtblick in dieser extremen Waldbrand-Saison, die normalerweise noch bis in den März hineinreicht.

Ist das jetzt eigentlich eine vom Menschen gemachte Katastrophe? Stichwort: Klimawandel.

Hier kommen sicherlich viele Komponenten zusammen. In erster Linie ist es natürlich die Trockenheit. Aber es spielen auch viele andere Faktoren rund um das menschliche Handeln eine Rolle. Das ist leider in vielen Waldbrand-Regionen so. Fehlbewirtschaftung, zu viel Totholz und schlussendlich auch das Thema Brandstiftung. Denn so viel ist sicher: ohne diese Zutaten wären die Wald- und Buschbrände auf der Welt sehr wahrscheinlich wesentlich seltener.

Zurück zu unserem Wetter: Kommt der Winter noch oder geht es jetzt direkt in den Frühling?

Dass der Winter komplett ausfällt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Und auch manche Wettercomputer deuten eine Umstellung der Wetterlage an. Zwar noch nicht für den Beginn und die Mitte der nächsten Woche. Dann bekommen wir nämlich nochmals einen Schwall Frühlingsluft mit Spitzentemperaturen bis knapp 15 Grad. Doch gegen Ende der nächsten Woche könnte es dauerhaft kälter werden.

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Strahlender Sonnenschein an der Berliner Oberbaumbrücke

(Foto: dpa)

Wie sind denn die Details bis dahin?

Morgen sorgt Hoch "Christian" erst einmal für eine deutliche Wetterbesserung. Von letzten Schneeschauern im Süden und Südosten mal abgesehen bleibt es dementsprechend meist trocken und zeitweise sonnig. Zumindest abseits der teils zähen Nebelfelder.

Bei welchen Temperaturen?

Der Start in den Tag wird häufig von leichtem Frost oder Bodenfrost begleitet und somit müssen Sie in der Früh stellenweise mit Glätte durch gefrierende Nässe und Reif rechnen. Tagsüber ist es ebenfalls nicht mehr so mild wie zuletzt. So erreichen die Temperaturen zwischen 3 Grad im Erzgebirge und 8 Grad am Rhein.

Was erwartet uns am Sonntag?

Im Süden und in der Mitte bleibt es außerhalb vom Nebel freundlich und trocken. Weiter nordwärts werden die Wolken hingegen dichter und bringen den nächsten Regen mit. Dabei steigen die Temperaturen wieder etwas an und bringen es auf teilweise windige 2 bis 10 Grad. Am kühlsten ist es im Donaunebel, am mildesten am Niederrhein.

Und nächste Woche?

Sieht es im Süden ziemlich gut aus. Denn abseits vom Nebel überwiegt die Sonne. Ansonsten bleibt es wechselhaft mit weiteren Schauern und einem mitunter starken bis stürmischen Wind.

Wie ist es mit den Temperaturen?

Am Montag 2 bis 10 Grad. Dienstag und Mittwoch geht es dann aber spürbar aufwärts bei 5 bis 13 Grad. Stellenweise auch etwas mehr. Der Donnerstag wird auch sehr mild, bevor es der Winter anschließend mal versuchen könnte.

Quelle: ntv.de