Panorama

Altweibersommer am Wochenende Die 30-Grad-Marke wackelt nochmal

123415820.jpg

Auf frische Nächte folgen am Wochenende angenehm warme Tage.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während Spanien noch immer von Unwettern geplagt wird, hält hierzulande der allerschönste Altweibersommer Einzug. Temperaturen bis zu 27 Grad sollten am Wochenende alle Aktivitäten an der frischen Luft schöner gestalten. Nur im Norden könnte das anders aussehen, weiß n-tv Wetterexperte Björn Alexander.

n-tv.de: Vor der Frage nach unserem Wochenende: Seit Tagen wüten Unwetter am westlichen Mittelmeer - welche Gefahren drohen?

Björn Alexander: Besonders gefährlich sind weiterhin die extremen Regenmengen. Teilweise sind schon über 250 Liter pro Quadratmeter gefallen, etwa in Alcoy in der Nähe von Valencia. Und stellenweise können nochmals bis zu 200 Litern pro Quadratmeter hinzukommen. Da die Böden dort kaum Wasser zwischenspeichern, drohen vom bergigen Hinterland mit sehr viel Reliefenergie immer wieder Überschwemmungen und Erdrutsche.

Wo wird es am schlimmsten?

Björn Alexander

n-tv-Wetterexperte Björn Alexander

Am heftigsten dürfte es an der spanischen Ostküste im Bereich Valencia und Murcia bleiben. Zudem sind nach wie vor großer Hagel, Wasserhosen über dem Meer und Tornados über Land möglich. Der Wind kann in Böen um 100 km/h oder mehr erreichen. Damit ist das Mittelmeer aufgewühlt mit meterhohen Wellen, was wiederum den Fährverkehr beeinflusst. Erst am Wochenende wird sich die Lage entspannen.

Wie kommt es eigentlich zu einer so extremen Unwetterlage?

Auslöser ist ein Tiefdruckgebiet, das vor allem in den höheren Luftschichten ausgeprägt ist und das in der Höhe mit kalter Luft polaren Ursprungs angefüllt ist.

Wie kalt?

In rund fünf Kilometern Höhe mit einer Temperatur von unter minus 20 Grad. Ein sogenannter Kaltlufttropfen oder Höhentief. Gleichzeitig liegen die Wassertemperaturen im Mittelmeer noch bei rund 25 Grad. Und genau dieser große Temperaturunterschied zwischen feucht-warmer Luft unten und extrem kalter Luft oben ist der Antrieb für die schweren Gewitter. Außerdem bewegt sich dieses Tief nur relativ langsam. Das sorgt dafür, dass die Unwettersituation immer wieder neu auflebt und sich über Tage hält.

Welche Aussichten bringt das Wetter hierzulande in den nächsten Tagen?

Zunächst einmal kehrt der Altweibersommer ein. Und das sollten wir am Wochenende möglichst auch nutzen. Denn in der neuen Woche kommt der nächste Herbstvorstoß mit Schauern und einer spürbaren Abkühlung.

Wie warm wird es denn vorm Absturz?

Am Samstag bringen uns die Temperaturen zwischen 17 und 27 Grad. Der Sonntag hat sogar 19 bis knapp 30 Grad im Angebot. Der Montag öffnet im Süden nochmals dem Sommer die Pforten bei knapp 30 Grad, bevor es danach tendenziell abwärts geht. So dürften unsere Thermometer am Dienstag wahrscheinlich nur noch 13 bis 23 Grad anzeigen.

Dann blicken wir mal auf den Spätsommer am Samstag. Wie sonnig wird es?

Verbreitet können wir uns auf 8 bis 11 Sonnenstunden freuen. Lediglich in ungünstigen Lagen im Süden hält sich der Nebel schon mal länger, so dass dort etwas mehr Geduld gefragt ist. Dabei erreichen die Temperaturen im Süden und Westen 21 bis 27 Grad. Richtung Norden und Osten werden es maximal 17 bis 21 Grad. Im Prinzip also ideale Bedingungen für jede Art von Außenaktivität - von Wandern bis Gartenarbeit.

Auch fürs Baden?

Es geht so. Die Wassertemperaturen sind nämlich doch eher was für die Hartgesottenen. In den Badeseen sowie in Nord- und Ostsee oft mit 17 bis knapp 20 Grad. Da merkt man also, dass wir nicht mehr im Hochsommer sind und dass es nachts schon ziemlich auskühlt. Das transportiert sich natürlich in die Gewässer.

Was machen die abendlichen Trends für die Grillmeister der Nation?

Ebenfalls gute Aussichten. Allerdings gilt die Devise: lieber früher anfangen, denn es wird ja schon früh dunkel. Und dann den Grill länger anlassen. Mit dem Sonnenuntergang gegen kurz vor 20 Uhr wird es rasch frisch, und ein bisschen Wärme kann nicht schaden. Gegen 22 Uhr liegen die Temperaturen meist nur noch bei 11 und 17 Grad. Wer den späten Abend bis in die Nacht verlängern möchte, den erwarten nächtliche Tiefstwerte zwischen 15 und 7 Grad.

Und dann werden wir am Sonntag von der Sonne geweckt?

So ist es. Nach Auflösung lokaler Dunst- und Nebelfelder geht es für die meisten von uns in einen richtig tollen Tag. Die Luft ist - ebenfalls anders als bei sommerlicher Hitze - morgens noch schön frisch, erwärmt sich durch die Sonne aber tagsüber oft auf 23 bis 27 Grad. Noch wärmer ist es am Oberrhein bei 27 bis 30 Grad. Der Hotspot dürfte rund um Freiburg im Breisgau liegen. Jedoch: Nicht alle werden es am Sonntag schön und warm haben.

Wo liegen die Ausnahmen?

Im Norden. Hier muss man die Altweibersommer-Euphorie, die uns die Wettermodelle in den vergangenen Tagen auch bis herauf an die Küste berechnet haben, ganz stark ausbremsen.

Warum?

Die Wettercomputer scheinen mit der aktuellen Gemengelage zwischen zwei Hochs von Westen her ("Friederike" und "Gaia") und den nach Skandinavien ziehenden ex-Tropenstürmen ("ex-Dorian" und "ex-Gabrielle") Probleme bei den Vorhersagen zu haben beziehungsweise sind zuletzt ganz ordentlich in den Prognosen gesprungen. Zumindest eben in den nördlichen Landesteilen.

Welche Prognosen gibt es denn für den Sonntag im Norden?

Kompakte Wolken erstrecken sich bereits mittags vom Emsland bis herüber nach Vorpommern, bringen zeitweise Regen und einen recht lebhaften Wind mit. Dementsprechend bleibt es spürbar kühler bei Höchstwerden von 17 bis 21 Grad.

Was können wir in der neuen Woche erwarten?

Am Montag werden die Regenwolken von Norden aufdringlicher und belagern die breiten Landesmitte. Je nach Wettermodell kann es auch mal intensiver regnen. Der Süden beginnt unterdessen noch schöner, bevor sich nachmittags Schauer und einzelne Gewitter entwickeln können. Zuvor sind nochmals bis knapp 30 Grad drin. Von der Mitte nordwärts sieht es bei 16 bis kaum 20 Grad hingegen mau in Sachen Altweibersommer-Feeling aus.

Wie geht es im Anschluss weiter?

Nach dem Sommerbesuch schaut höchstwahrscheinlich mal wieder kühle Polarluft bei uns vorbei. Dementsprechend schaffen es die Höchstwerte am Dienstag nur im Südwesten auf 20 bis 23 Grad. Im großen Rest klettern die Temperaturen maximal auf 13 bis 18 Grad. Außerdem ziehen bei einem teilweise kräftigen Wind immer wieder Schauer durch.

Und am Mittwoch?

Ist es nochmals kälter bei 12 bis 19 Grad. Nachts gibt es hierbei - von den etwas milderen Küsten mal abgesehen - meistens einstellige Temperaturen und gelegentlich ist neuerlich Bodenfrost drin. Erst ab Donnerstag oder Freitag zeigt die Temperaturkurve aus heutiger Sicht dann allmählich wieder aufwärts.

Quelle: n-tv.de