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Fünf Jahre ohne Gewissheit Drei Theorien zum Verbleib von MH370

Flieger

Ein Schatten des Fliegers über dem Indischen Ozean - irgendwo hier könnte die Boeing 777 in der Tiefe liegen.

(Foto: picture alliance / Richard Wainw)

Immer wieder scheint es, als sei das Rätsel um die Ursache des vermutlichen Absturzes des Malaysia-Airlines-Fluges MH370 gelöst. Aber auch fünf Jahre nachdem die Maschine spurlos vom Radar verschwand, gibt es nur Theorien.

Eine Boeing 777 - 63 Meter lang, 18 Meter hoch, Spannbreite 50 Meter mit einem Gewicht von 223 Tonnen - bleibt spurlos verschwunden. Das Verschwinden des Fluges MH370 mit 239 Menschen an Bord gilt inzwischen als einer der mysteriösesten Fälle in der Geschichte der Luftfahrt. Auch fünf Jahre nach dem vermutlichen Absturz ranken sich unzählige Theorien um den Fall. Aber keine der im Laufe der Zeit getroffenen Annahmen konnte bis zum heutigen Tage endgültig bestätigt werden.

Der Flug der Maschine war am 8. März 2014 auf dem Weg nach Peking um 00:41 Uhr Ortszeit in Kuala Lumpur gestartet. Dort kamen die 227 Passagiere und die 12-köpfige Crew aber nie an. In der Nacht verschwand die Maschine vom Radar, was einen Absturz nahe legt.

Allerdings blieb der Versuch, das im Indischen Ozean vermutete Wrack zu finden, erfolglos. Mittlerweile sind jegliche Suchaktionen eingestellt und die Insassen an Bord des Fluges offiziell für tot erklärt. Das Einzige, was von der Maschine bislang gefunden wurde, sind insgesamt 27 Wrackteile, die von dem Flugzeug stammen sollen und aus dem Indischen Ozean gefischt wurden. Trotzdem halten sich drei wesentliche Theorien hartnäckig: die Selbstmord-Theorie, die Entführungstheorie und die Abschuss-Theorie.

Wählte der Pilot den Freitod?

Prominentester Vertreter der Selbstmord-Theorie ist der kanadische Absturzermittler Larry Vance, der fast sein ganzes Leben in der Luftfahrt verbrachte und an der Aufklärung vieler Flugunfälle beteiligt war. Vance geht davon aus, dass Pilot Zaharie Ahmad Shah den Freitod wählte und dafür die von ihm geflogene Boeing nutzte.

Die Annahme sieht er damit gedeckt, dass die aufgefundenen Maschinenteile des Flugzeugträgers verhältnismäßig gut erhalten seien - bei einem Absturz aus großer Fallhöhe wäre das Flugzeug mit hoher Wahrscheinlichkeit in unzählige Einzelteile zersplittert. Vance zieht daraus den Schluss, dass der Pilot die Maschine wissentlich auf dem Wasser aufgesetzt hat, wo sie anschließend unterging.

Seine Theorie hat Vance mittlerweile in einem 2018 veröffentlichten Buch "MH370 Mystery Solved" erläutert und immer wieder im australischen Fernsehen vertreten. Sein Ansatz gilt als einer der prominentesten Versuche, den mittlerweile sagenumwobenen Absturz der Maschine zu erklären.

Der von der australischen Flugsicherheitsbehörde ATSB  eingesetzte Chef-Ermittler, Peter Foley, widerspricht Vance jedoch. Foley hält einen Selbstmord des Piloten für ausgeschlossen. Nach Ansicht der Behörden weisen keinerlei persönliche, psychische oder sonstige Motive auf eine Selbsttötung von Shah hin. Seiner Theorie zufolge starben vermutlich alle Insassen sowie Pilot und Co-Pilot bereits vor dem Absturz, vermutlich weil der Kabinendruck durch das Absinken des Fliegers stark fiel. Auch mit Hilfe von Notfallsauerstoff müssten alle an Bord innerhalb von wenigen Minuten bewusstlos gewesen sein. Danach stürzte die Maschine wegen Kerosinmangels ins Meer.

Jemand muss an Bord der Maschine gewesen sein

Auch diese Annahme ist jedoch nicht belegt, ebenso wenig wie die Entführungs-Theorie, die vor allem das chinesische Staatsfernsehen eine Zeit lang verfolgte. Die Chinesen bezogen sich dabei auf nicht näher genannte Ermittlerkreise. Grund für ihre Annahme ist wohl das stundenlange Umherirren der Maschine. Auch Absturzermittler Vance kann das mit seiner Suizid-Theorie nicht erklären. Mit Hilfe von Satellitenaufzeichnungen konnten Ermittler nämlich tatsächlich rekonstruieren, dass die Boeing 777 auf ihrem Weg nach Peking etwa sieben Stunden lang scheinbar ziellos über den Indischen Ozean flog und dabei von der geplanten Flugroute abwich. Erst Richtung Westen, dann gen Süden. Danach verschwand die Maschine spurlos vom Radar.

Im Staatsfernsehen der Volksrepublik wurde das kurz aufeinanderfolgende Ausschalten beider Transponder als absichtliche Aktion gewertet. Die Annahme: Jemand muss an Bord der Maschine gewesen sein und die Datenverbindung gekappt haben. Welche Motivation hinter einer solchen Handlung gesteckt haben könnte, bleibt jedoch nebulös. Schließlich gab es nie eine Lösegeldforderung.

Eine Militärübung über dem südchinesischen Meer

Eine dritte Variante geht wiederum vom Abschuss der Maschine aus, ohne sich festzulegen, ob dies versehentlich oder gar vorsätzlich geschah. Dabei wird angenommen, dass die Maschine bei einer gemeinsamen Militärübung von Thailand und den USA im Südchinesischen Meer abgeschossen wurde. Ähnlich dem Fall, der sich wenige Monate später bei dem Malaysia-Airlines Fluges MH17 in der Ukraine ereignete.

Im Abschlussbericht der malaysischen Regierung hieß es im Sommer 2018: Wegen mangelnder Beweislage könne letztlich kein Szenario ausgeschlossen werden. "Das Team ist nicht in der Lage, den Grund für das Verschwinden von MH370 zu bestimmen", steht in dem 450-Seiten starken Papier. Die amerikanische Firma, Ocean Infinity, die bereits intensiv und erfolglos nach MH370 gesucht hat, erklärte sich inzwischen bereit, noch einmal mit Suchmannschaften auszuschwärmen. Auch die malaysische Regierung zeigte sich für eine Wiederaufnahme offen. Dafür muss man allerdings ein theoretisches Suchgebiet eingrenzen, irgendwo im Indischen Ozean.

Quelle: n-tv.de

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