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Studie widerlegt Pseudo-Angst Einbrecher kommen nicht nur in Banden

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Es sollte nicht zu einfach sein.

(Foto: imago stock&people)

Der gängigen Meinung zufolge sind Einbrecher heute meist bandenmäßig organisiert und deshalb so schwer zu fassen. Doch eine Studie zeigt: Das ist keineswegs so.

Seit Jahren schwebt über Deutschland das Gespenst der hochorganisierten ausländischen Banden, die gezielt ins Land kommen, um Einbrüche zu begehen. Anders ließen sich für viele die ständig steigenden Einbruchszahlen kaum erklären. Belege für diese These gab es jedoch kaum, auch weil die Aufklärungsquote und Verurteilungsrate bei Einbrüchen nicht gerade berauschend ist.

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen legt nun erstmals Forschungsergebnisse zu der vermuteten Tätergruppe vor. In ihrer Studie kommen die Kriminologen zu dem Schluss, dass Einbrecher aus dem Ausland keineswegs nur in fest organisierten Banden vorgehen. Vielmehr gebe es eine "große Bandbreite loser Bekanntschaftsbeziehungen, aus denen heraus in wechselnder Konstellation je nach Gelegenheit Einbrüche begangen werden".

Ein Jahr lang wurden für die Studie verurteilte Einbrecher interviewt, die in deutschen Justizvollzugsanstalten zum Teil mehrjährige Haftstrafen verbüßen. Dabei unterschieden die Wissenschaftler zwischen sogenannten reisenden Tätern, die kurzzeitig nach Deutschland kommen, um Einbrüche zu begehen und "zugereisten Tätern", die kurz nach ihrem Zuzug nach Deutschland Einbruchstaten verüben.

"Profi" ist die Ausnahme

Die Forscher wollten herausfinden, wie die Täter vorgehen, wonach sie Tatorte wählen, inwiefern sie in Banden organisiert sind, was mit dem Diebesgut geschieht, welchen biografischen Hintergrund sie haben und was das Motiv für die Einbrüche ist. Dabei konnten sie drei Tätertypen identifizieren: den Einbrecher "aus der Not heraus", den Einbrecher, der den "Weg zum schnellen Geld" wählt und den "Berufseinbrecher".

Die Täter des ersten Typus reisen in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland. Sie kommen ohne Tatabsicht, "geraten vor Ort jedoch in subjektiv ausweglose und ökonomisch schwierige Situationen". Die Täter des zweiten Typus sehen anders als die Einbrecher "aus der Not heraus" ihren Lebensmittelpunkt weiterhin in ihrem Heimatland. Den Lebensstil, den sie sich wünschen, können sie allerdings auf legale Weise nicht realisieren. "Sie begehen Wohnungseinbrüche nicht aus einer Notlage heraus, sondern sehen darin eine verlockende Möglichkeit, leicht und schnell zu viel Geld zu kommen", so die Autoren der Studie. Der dritte Typus ist sozusagen der "Profi". Wohnungseinbruch wird von ihm als Arbeit, Beruf oder Profession begriffen.

Für die Verübung der Taten ergab die Studie ebenfalls drei Muster: Das erste ist die Suche nach der "günstigen Gelegenheit". Dabei geht es vor allem darum, den Einbruch ohne großen Aufwand zu verüben und das Entdeckungsrisiko gering zu halten. Beim zweiten steht die Suche nach "lukrativer Beute" im Mittelpunkt, das vor allem hartnäckigere Täter verfolgen. Das dritte Muster betrifft Auftragseinbrüche, die oft nach Tipps verübt werden. Dafür werden oft Einbruchsteams aus Experten für die jeweiligen Arbeitsschritte zusammengestellt.

Täter finden schnell Anschluss

Das Bild von osteuropäischen Tätergruppen, die in festen Bandenstrukturen durch Deutschland ziehen, konnten die Forscher nicht bestätigen. Den Untersuchungsergebnissen zufolge stehen alleinhandelnde Täter neben gemeinschaftlich agierenden. "Dabei zeigen sich auch Strukturen in Deutschland als relevant, insofern Täter aus dem Ausland meist schnell Anschluss an ein (klein-)kriminelles Milieu vor Ort finden", sagt Gina Rosa Wollinger, die Projektleiterin der Studie.

Für die Prävention lassen sich aus den Ergebnissen einige Schlüsse ziehen. Noch immer bevorzugen Täter Wohnräume, in die sie leicht eindringen können. "Aus diesem Grund nutzen die Täter gern schlecht gesicherte Türen und Fenster, welche leicht aufzuhebeln sind oder ganz klassisch das gekippte Fenster", erklärt Wollinger. Wer zusätzliche Tür- und Fenstersicherungen einbaut, sich bemüht, die eigene Abwesenheit zu verbergen und Fenster beim Verlassen der Wohnung schließt, schreckt viele Täter bereits ab.

Quelle: n-tv.de

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