Panorama

Kaum Nebenwirkungen Erste Erfahrungen nach dem Impfstart

In allen Bundesländern kommen die Impfungen gegen das Coronavirus in Gang. Inzwischen rollt der zweite Impfstoff an, außerdem wächst das Wissen über mögliche Nebenwirkungen. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Impfstoffe kommen gerade in Deutschland zum Einsatz?

Derzeit wird vor allem der Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht, der als erstes Vakzin die Zulassung in der Europäischen Union erhalten hatte. Inzwischen ist auch die erste Lieferung des Corona-Impfstoffs des US-Herstellers Moderna in Deutschland angekommen. Dabei handelt es sich dem Bundesgesundheitsministerium zufolge um rund 60.000 Dosen. Sie werden nun an die Bundesländer und deren Impfzentren ausgeliefert. Bei beiden handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. Beide Impfstoffe sind nach Angaben des Chefs der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, "äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit".

Welche weiteren Impfstoffe sind in Sicht?

Bis Ende Januar will die Europäische Arzneimittelbehörde die Bewertung für eine mögliche Zulassung des Vakzins von Astrazeneca abschließen. Ein Antrag auf bedingte Marktzulassung werde beschleunigt geprüft, heißt es von der EMA. In Großbritannien impft man bereits mit dem Stoff, den Astrazeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt hat. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Prof. Klaus Cichutek, erwartet, dass im Laufe des Jahres weitere Impfstoffprodukte auf den Markt kommen. "Ich rechne damit, dass im Laufe dieses Jahres sechs bis sieben weitere Anträge gestellt werden können", sagte Cichutek ntv. "Da sind die Entwickler aber unterschiedlich schnell."

Könnten die Impfstoffe kombiniert werden?

Die Experten verschiedener Arzneimittelbehörden raten bisher davon ab, einem Patienten verschiedene Impfstoffe zu geben, also bei der Erstimpfung den von Biontech/Pfizer und beim zweiten Mal den von Moderna. Für ein entsprechendes Vorgehen liegen keine Daten vor, die Impfstoffe sind für diese Kreuzung auch nicht zugelassen. Beim Impfstoff von Moderna könnte man aber möglicherweise die Dosis halbieren, denn der Impfstoff enthält mehr wirksame RNA als der Impfstoff von Biontech. Phase-2-Studien belegen, dass schon geringere Mengen des Vakzins hohe Antikörperspiegel auslösen. Dafür müssen aber auch entsprechende Studien vorliegen, außerdem muss die Zulassung dahingehend geändert werden.

Wie viele Menschen sind denn mittlerweile geimpft?

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Am 11. Januar 2021 wurden weitere 60.858 Spritzen verabreicht. Insgesamt wurden deutschlandweit dem Robert-Koch-Institut zufolge bislang 688.782 Menschen mit der ersten Impfdosis behandelt.

Gibt es nach Beginn der Impfungen neue Erkenntnisse über mögliche Nebenwirkungen?

Cichutek zufolge wurden dem Paul-Ehrlich-Institut in der ersten Impfwoche in sechs von 130.000 Fällen von schwerwiegenden Reaktionen berichtet. Es sei aber bislang noch unklar, ob sie im direkten Zusammenhang mit der Impfung stehen. "Tatsächlich ist es so, dass allergische Reaktionen aufgetreten sind, aber nicht die erwarteten anaphylaktischen Reaktionen", sagte Cichutek. "Das, was aufgetreten ist, war wesentlich milder."

Werden mögliche Nebenwirkungen erfasst?

In den Impfzentren gibt es sogenannte Beobachtungsbereiche, in denen sich Menschen nach der Impfung aufhalten können. Hier stehen sie unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal. Bei Komplikationen stehen Sanitäter bereit. Sollten Nebenwirkungen auftreten, werden sie vermerkt. Außerdem gibt es eine Nebenwirkungs-App des Paul-Ehrlich-Instituts. Über SafeVac 2.0 können Geimpfte angeben, wie sie die Corona-Impfung vertragen haben. Dabei werden die Teilnehmer drei und vier Wochen nach jeder Impfung intensiv nach gesundheitlichen Beschwerden gefragt - siebenmal innerhalb von drei Wochen nach der ersten Impfung und achtmal innerhalb von vier Wochen nach der zweiten Impfung. Weitere Erhebungen zu gesundheitlichen Beschwerden werden sechs und zwölf Monate nach der letzten Impfung durchgeführt. Im dem Fragebogen wird auch gefragt, ob die Impfung vor einer SarS-CoV-2-Infektion geschützt hat, ob eine Infektion oder eine Covid-19-Krankheit aufgetreten ist. Die verschlüsselten Daten der App sollen dann für eine Beobachtungsstudie genutzt werden. Noch sei die Nutzung der App allerdings verbesserungswürdig, so Cichutek.

Wie verhält es sich mit den häufig befürchteten Spätfolgen?

Nach Ansicht von Impfexperten treten Nebenwirkungen nach Stunden oder Tagen auf, deutlich seltener nach Wochen. Petra Falb, Gutachterin in der Zulassung für Impfstoffe beim österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, betont deshalb in ihrem Blog, dass es die häufig thematisierten Langzeitfolgen nicht gibt. Es seien lediglich später bekannt gewordene Nebenwirkungen aus der ersten Zeit nach der Impfung. Die nach der Einführung von Impfstoffen regelmäßig erhobenen Langzeitdaten werden aber trotzdem gebraucht. Anhand dieser Daten sei es nämlich möglich, sehr seltene Nebenwirkungen überhaupt zu erkennen. Es müsse jedoch eine ausreichende Menge an Personen geimpft sein, damit eine Nebenwirkung überhaupt erstmals auftritt und dann dem Impfstoff zugeordnet werden kann.

Gehen alle Bundesländer gleich vor?

Es gibt zwar große Ähnlichkeiten in den Abläufen, aber kein identisches Vorgehen. Mecklenburg-Vorpommern setzt beispielsweise allen vorhandenen Impfstoff ein, um vor allem die am stärksten gefährdeten Patienten zumindest einmal zu impfen. Das Land verlässt sich darauf, dass für die nötige zweite Impfung nach drei bis vier Wochen neue Impfdosen angekommen sind. Andere Länder wie Hamburg halten für jeden, der mit der ersten Dosis geimpft ist, auch die zweite Dosis vor, um die Immunisierung jedes Geimpften sicher abschließen zu können.

Quelle: ntv.de