Panorama

Keime in Wilke-Wurst Hinweise auf weitere Listerien-Todesfälle

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Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer von Wilke.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Skandal um keimbelastete Wurst der Firma Wilke könnte noch weiter in die Vergangenheit reichen. Das legt ein Bericht des Robert-Koch-Instituts nahe. Darin ist die Rede von drei Patienten, die direkt oder indirekt an einer Infektion starben. Der Hersteller will derweil trotz Insolvenz weitermachen.

Die Zahl der Listerien-Todesfälle im Zusammenhang mit Wilke-Produkten könnte größer sein als bisher angenommen. Das erklärt die Verbraucherorganisation Foodwatch unter Berufung auf eine Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts. Demnach gab es seit 2014 mindestens 37 gemeldete Listeriose-Erkrankungen. Drei Patienten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sollen direkt oder indirekt an der Infektion gestorben sein. Die beiden Todesfälle, auf die sich hessische Behörden im Fall Wilke beziehen, werden dort nicht aufgeführt.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, vermutet das Robert-Koch-Institut, dass sich die Erkrankten über Lebensmittel in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern, Reha-Kliniken oder Altersheimen infiziert haben. So hatten 20 von 28 betroffenen Personen in den Jahren 2018 und 2019 einen "stationären Aufenthalt" in einer solchen Einrichtung. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem tödlich sein.

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer. Laut Gewerkschaft ist die Geschäftsführung für Mitarbeiter nicht zu erreichen. Auf Presseanfragen reagiert Wilke nicht. Das Unternehmen hat vorläufige Insolvenz angemeldet.

Die Aufdeckung der Keinbelastungen in der Wurst des Unternehmens bedroht derweil auch die Arbeitsplätze der 200 Beschäftigten. "Aktuell ist es das Wichtigste, dass die Mitarbeiter an ihr Geld kommen", erklärte Andreas Kampmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. So stünden noch viele Septemberlöhne aus. Wie und ob es für Wilke weitergehe, sei völlig unklar.

Firma will Betrieb weiterführen

"Aktuell ist die Gefahr groß, dass die Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, wenn sich nicht schnell etwas verändert", sagte NGG-Geschäftsführer Kampmann. Er hofft, dass sich ein Investor findet: "Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will."

Die Firma will ihren Betrieb jedoch weiterführen: Wilke habe beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag eingereicht, sagte ein Gerichtssprecher. Dieser richte sich gegen die Anordnung des Landkreises Waldeck-Frankenberg, der die Produktion gestoppt hatte.

Quelle: ntv.de, jki/dpa