Panorama

Die "vergessene Pandemie" "Hongkong-Grippe" tötete Hunderttausende

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Weltweit waren auch Kinder von der "Hongkong-Grippe" betroffen - wie hier in den USA.

(Foto: AP)

Die Corona-Pandemie wird häufig mit der Spanischen Grippe, die im Jahr 1918 ausbrach, verglichen. Ein weiteres Grippe-Virus, das eine Million Menschen tötete, wird dabei oft vergessen. Dabei ähneln die Randumstände dieser "vergessenen Grippe" durchaus der aktuellen Situation.

Eine neue Atemwegserkrankung taucht in Asien auf, verbreitet sich um die ganze Welt und tötet Hunderttausende Menschen. Dieses Szenario beschreibt nicht nur die aktuelle Corona-Pandemie, sondern auch die sogenannte "Hongkong-Grippe" Ende der 1960er-Jahre, die auch als die "vergessene Grippe" gilt.

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Ende 1968 brach die Pandemie in Hongkong aus.

(Foto: AP)

Das Virus A(H3N2) trat erstmals Mitte 1968 in Hongkong auf und breitete sich in den darauffolgenden eineinhalb Jahren rund um den Erdball aus. Weltweit starben eine Million Menschen, allein in den Vereinigten Staaten waren es 50.000. In Europa war Frankreich besonders stark betroffen, dort starben 31.000 Menschen. Für Deutschland gibt es keine genaue Zahl der Toten. Besonders schwer war hier die zweite Pandemie-Welle 1969/70.

"Die Leute wurden in katastrophalem Zustand auf Tragen gebracht. Sie waren ganz grau, starben an Lungenblutungen. Alle Altersgruppen waren dabei, 20-, 30-, 40-Jährige und auch ältere", erinnerte sich der französische Infektiologe Pierre Dellamonica 2005 in der Tageszeitung "Libération" an die Zeit der "Hongkong-Grippe". Auf dem Höhepunkt der Epidemie in Frankreich hätten sich die Toten "in den Hinterzimmern der Krankenhäuser und in Leichenhallen" gestapelt, sagt der Medizinhistoriker Patrice Bourdelais von der Pariser Hochschule EHESS.

Trotz der vielen Opfer und überfüllter Krankenhäuser blieb die Politik damals weitgehend tatenlos, und die Zeitungen berichteten kaum über die Pandemie. Damals hätten Ärzte und die breite Öffentlichkeit fast blind an den medizinischen Fortschritt durch Impfstoffe und Antibiotika geglaubt, nennt Bourdelais einen der Gründe. Zudem sei der Umgang mit dem Tod ein anderer gewesen.

Globalisierung beschleunigt Verbreitung

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Auch damals gab es Sicherheitsvorkehrungen - zum Beispiel bei der Essenszubereitung.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die "Hongkong-Grippe" fiel außerdem in die Zeit des Vietnam-Kriegs und einer schweren Hungersnot in Westafrika. Dies relativierte in der Wahrnehmung die Zahl der Pandemie-Toten. Heute hingegen sei die Gesundheit das wichtigste Anliegen des Einzelnen, sagt Bourdelais. Vor der Corona-Pandemie habe allgemein die Überzeugung geherrscht, unsere Gesellschaften seien für einen solchen Krankheitsausbruch gewappnet.

Für den Geografen Michel Lussault spiegelt die Corona-Pandemie "das Ausmaß der mit der Globalisierung verbundenen Umwälzungen" wider mit ihrer riesigen internationalen Mobilität von Gütern, Menschen und Informationen. Diese Globalisierung zeigt sich auch in den Zeiträumen: 1968 brauchte das Virus A(H3N2) mehrere Monate, um sich von Asien nach Europa und in die USA auszubreiten. Beim Coronavirus dauerte es lediglich ein paar Wochen

Quelle: ntv.de, agr/AFP

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