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Extreme Sturmschäden in Bocholt Meteorologen bestätigen Tornado-Verdacht

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Der Tag danach in Bocholt: "Da hat eine lokale Windhose massiv gewütet."

(Foto: dpa)

Abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume, ein Auto, das wie Spielzeug durch die Luft fliegt: Inmitten einer Unwetterfront wird die Kleinstadt Bochholt am Niederrhein von einem ungewöhnlich heftigen Windwirbel getroffen. Am Tag danach ist klar: Es war ein Tornado.

Ein schweres Unwetter hat im münsterländischen Bocholt nahe der deutsch-niederländischen Grenze in der Nacht zum Mittwoch erhebliche Schäden hinterlassen. Ein Kleinwagen wurde zehn Meter weit durch die Luft geschleudert, ein Hausdach komplett abgedeckt, wie ein Sprecher der Stadt erklärte. Insgesamt seien neun Häuser beschädigt und etwa 100 Bäume entwurzelt worden oder hätten schwere Schäden davongetragen. Ein Mensch wurde leicht verletzt.

"Da hat eine lokale Windhose massiv gewütet", erklärte ein Sprecher der Stadt Bochholt. Ob es sich bei dem Starkwindereignis tatsächlich um einen Tornado handelte, war zunächst noch unklar. Nach einer Überprüfung der Schäden vor Ort und der Auswertung der Wetterdaten aus der Nacht bestätigten Meteorologen jedoch den Verdacht. Die Windhose, die in der Nacht zu Mittwoch in Bocholt wütete, wurde offiziell als Tornado eingestuft.

Die Experten gehen davon aus, dass im Umfeld des senkrechten Windwirbels Windgeschwindigkeiten zwischen 181 und 253 Stundenkilometer erreicht wurden. Der mittelstarke Tornado richtete in einem Straßenzug von Bocholt verheerende Schäden am. Neben den Schäden an Hausdächern gingen auch Fensterscheiben und Wintergärten zu Bruch.

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In Zusammenarbeit mit Experten der europaweiten Datenbank für solche Wetterphänomene ESWD (European Severe Weather Database) seien Schadensbilder analysiert und mit Augenzeugenberichten abgeglichen worden, hieß es. "Die Schäden, die wir da gesehen haben, können nur durch einen Tornado verursacht worden sein", sagte der Tornadobeauftragte des Deutschen Wetterdienstes, Andreas Friedrich.

Rund 90 Feuerwehrleute waren den Angaben zufolge in der Nacht über Stunden im Einsatz, um die schlimmsten Schäden zu beheben und schadhafte Dachstellen mit Planen abzudecken. Am Morgen setzten sie die Aufräumarbeiten fort. Die Stadt richtete einen Krisenstab ein. Das Ausmaß der Schäden lässt sich noch nicht beziffern. Versicherungssachverständige ermitteln derzeit noch die Schadenshöhe.

Viersen, Roetgen, Bocholt

Wirbelstürme sind alles andere als selten. Zerstörerische Unwetter hatten zuletzt in Nordrhein-Westfalen mehrfach für Aufsehen gesorgt: Im Mai 2018 fegte ein Tornado durch einen Ortsteil von Viersen, ebenfalls am Niederrhein, und richtete dort Millionenschäden an. Viersen liegt rund 65 Kilometer südlich von Bocholt. Vor knapp drei Monaten schlug ein Tornado eine Schneise der Verwüstung im Eifel-Örtchen Roetgen, das gut 130 Kilometer südlich von Bocholt liegt.

Im Jahr 2018 verzeichnete die amtliche Statistik bundesweit insgesamt 17 Windhosen oder Tornados. Solche Luftverwirbelungen können sich bei ungünstigen Wetterbedingungen vor allem in Flachlandregionen bilden, wenn sich kalte Luftmassen über aufgewärmte Schichten in Bodennähe schieben. Ähnliche Bedingungen herrschten am Niederrhein in der Nacht auf Mittwoch.

Insgesamt war die Gewitterfront, die über Nordrhein-Westfalen zog, allerdings schwächer als erwartet. Über Belgien und die Niederlande waren zuvor noch Böen von mehr als 100 Kilometern in der Stunde aufgetreten. Im Laufe des Mittwochs dürfte es laut Vorhersage zunächst ruhig bleiben. In der Nacht zum Donnerstag könnten dann aber von Südwesten her wieder neue Unwetter aufziehen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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